Investitionsstau durch Kauf weiterer Immobilien überwunden
Fondsanbieter Kanam nimmt wieder Gelder an

Weniger ist manchmal mehr - dieses Motto trifft die Situation beim unabhängigen Immobilienfonds-Anbieter Kanam genau. Weil seinem Vorzeigefonds Kanam Grundinvest seit Jahresbeginn bereits mehr als 750 Mill. Euro zugeflossen waren, ließ er ihn Anfang Juni vorübergehend für neue Mittel schließen.

HB HAMBURG. Dieser so genannte Cash-Stop sollte verhindern, dass neue Gelder mangels attraktiver Investitionsmöglichkeiten über Monate hinweg als Barreserve gehalten werden müssen und so die Fondsrendite verwässern.

Der Erfolg dieser Maßnahme blieb nicht aus: Der mittlerweile 2,9 Mrd. Euro schwere Grundinvest erzielte in den vergangenen zwölf Monaten ein Plus von 6,2 Prozent und steht gemeinsam mit dem auf US-Beteiligungen spezialisierten US-Grundinvest an der Spitze der offenen Immobilienfonds.

"Der Cash-Stop hat sich bewährt, die Zuflüsse tendieren seither gegen Null", sagt Kanam-Sprecher Michael Birnbaum. Zudem habe das Fondsmanagement in den vergangenen Monaten fünf neue Objekte in Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und den USA erworben. Darüber hinaus werde derzeit über den Erwerb weiterer Objekte verhandelt. Laut Birnbaum soll der Grundinvest ab Anfang des kommenden Jahres für Anleger wieder vollständig geöffnet werden.

Mit zu hohen Mittelzuflüssen hat der drittplatzierte Interselect nicht zu kämpfen. Der Fonds der Investmentgesellschaft Westinvest, die zu knapp 95 Prozent zur Dekabank gehört, wird nämlich nur dann von den angeschlossenen Sparkassen vertrieben, wenn das Management Kapital für den Kauf neuer Immobilien benötigt. Im laufenden Jahr sammelte der Interselect lediglich rund 300 Mill. Euro ein; seine Barreserve liegt derzeit bei 13 Prozent. Im Portfolio befinden sich aktuell 39 Objekte aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien und Holland. Die vergleichsweise gute Performance der vergangenen zwölf Monate begründet Westinvest-Sprecher Alfred Biedermann vor allem damit, dass die Anfangsrenditen im Ausland in den vergangenen zwölf Monaten gesunken seien. Dies habe zu mehr Auf- als Abwertungen beim Immobilienbestand geführt. Hinzu komme eine Vermietungsquote von knapp 100 Prozent.

Trotz der guten Performance rät Analystin Alexandra Merz von der Berliner Fondsrating-Agentur Scope allerdings nur bedingt zum Kauf des Interselects. "Ein großes Manko des Fonds besteht darin, dass die Rückstellungen für eventuelle Steuerzahlungen mit 25 Prozent viel zu niedrig angesetzt sind", sagt die Geschäftsführerin von Scope. Bei einer Aufstockung der Rückstellungsquote auf 100 Prozent würde sich die Rendite des Fonds um 1,2 Prozentpunkte vermindern.

Der Kanam Grundinvest steht dagegen auf der Empfehlungsliste der Scope-Analystin. "Die vorübergehende Schließung ist sehr positiv zu bewerten", so Merz. Dennoch sollten sich die Anleger darüber im Klaren sein, dass es sich um einen aggressiv ausgerichteten Fonds handele. Zudem bestehe ein latentes Steuerrisiko, da Kanam nicht in allen Ländern Rückstellungen bilde.

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