Investment-Fonds
Das 0,08-Prozent-Rendite-Problem

Die Dumping-Zins-Politik der Notenbanken kappt die Renditen von Geldmarktfonds. Anlegern droht das große Minusgeschäft; viele ziehen ihr Geld ab. Die Fonds-Anbieter suchen daher eilig nach Lösungen des Rendite-Problems.
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FrankfurtDie Geldmarktfonds sind in Nöten. Wegen der Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) schrammen sie mit ihren Anlagerenditen nur noch knapp über der Nulllinie. Fonds und Aufsichtsbehörden suchen nach einer Lösung für jenen Teil der Produkte, bei denen die Anteilswerte festgeschrieben sind.

Es geht um den europäischen Markt der Geldmarktfonds mit einem Vermögen von rund 1,1 Billionen Euro. Davon entfällt rund die Hälfte auf Euro-Produkte. Kunden sind fast ausschließlich Großinvestoren, häufig Unternehmen, die in Geldmarktfonds ihre liquiden Mittel parken. Die Fonds investieren in festverzinsliche Wertpapiere mit sehr kurzen Restlaufzeiten und in Bankeinlagen. Durch die Risikostreuung auf Papiere verschiedener Emittenten bleiben die Fonds auch bei Mini-Renditen für viele Großanleger attraktiv.

Vor allem ein 106 Milliarden Euro großer Teil des Euro-Segments bekommt nun zunehmend Probleme. Bei diesen Produkten ist der Anteilspreis bei einem Euro festgeschrieben. Die vom Fonds eingenommenen Zinsen werden regelmäßig an die Investoren ausgezahlt. In Deutschland bieten etwa JP Morgan, Goldman Sachs oder Federated Investors solche Produkte an.

"Gerade die nach diesem Modell aufgelegten Produkte kommen unter Druck", sagt Charlotte Quiniou, Analystin bei der Ratingagentur Fitch. Wenn die Renditen vieler Papiere, in die die Fonds investieren, negativ sind, schlägt das auf den festgelegten Anteilspreis durch. "Alle Fondsmanager müssen auf negative Renditen vorbereitet sein", sagt die Fitch-Analystin.

Spätestens seit der Zinssenkung der EZB Anfang Juli ist die Lage eskaliert. Laut Analysefirma Morningstar zogen Anleger aus allen Euro-Geldmarktfonds schon im Juni insgesamt 15 Milliarden Euro ab, im Juli 8,3 Milliarden Euro. Im August scheint sich die Lage mit einem Plus von 0,7 Milliarden Euro etwas beruhigt zu haben. "Das ist Draghis Äußerungen zur Rettung des Euros zu verdanken", sagt Morningstar-Analyst Ali Masarwah. Doch das Rendite-Dilemma bleibt bestehen.

Fondsanbieter wie HSBC haben bereits ihre Gebühren gesenkt, damit die Endrendite noch positiv bleibt. Metzler senkt ab Oktober die jährliche Managementgebühr von 0,1 auf 0,05 Prozent, außerdem die Depotbankgebühr. Ampega-Gerling speckt zum gleichen Termin von 0,25 auf 0,1 Prozent ab. "Bei den Euro-Produkten haben wir Ende August eine Durchschnittsrendite von 0,08 Prozent errechnet", sagt Fitch-Analystin Quiniou, "vor dem EZB-Schritt waren es noch 0,19 Prozent."

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