Investment-Idee
Kaufen, wenn die Kanonen donnern

Mutige Anleger nutzen die niedrigen Kurse der Bankaktien, um sich billig einzudecken. Was es dabei zu beachten gilt, und wie man sonst noch von der Finanzkrise profitieren kann.

Die Finanzkrise spitzt sich zu. In Großbritannien produziert sie sogar dramatische Bilder von Schlange stehenden Sparern vor den Filialen der angeschlagenen Bank Northern Rock, die ihr Geld in Sicherheit bringen wollen. Und die europäischen Finanztitel verlieren von Tag zu kräftig an Wert.

Sind sie irgendwann so billig, dass ein Zukauf lohnt? Nehmen wir als Beispiel die Commerzbank, die nach allem, was man weiß, kaum in die Subprime-Krise verwickelt ist. Dadurch, dass sie mit der Eurohypo zugleich ein großer Baufinanzierer ist, geriet sie am letzten Freitag besonders stark in den Abwärtssog, der von den Problemen bei Northern Rock ausging, obwohl sie direkt gar nichts damit zu hat. Sehr billig, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, sind auch die Aktien der Deutschen Bank. Wobei diese wahrscheinlich ihre Bilanz putzen und daher einen "Gewinneinbruch" melden wird. Auch die französischen Banken, etwa Credit Agricole, sind günstig zu haben.

Gegen ein Engagement bei Bankenwerten spricht die Börsenweisheit, niemals in ein fallendes Messer zu greifen. Dafür spricht aber die andere Börsenweisheit, dann zu kaufen, wenn die Kanonen donnern. Und bei den Finanzwerten tun sie das, wenn auch die Aktienmärkte insgesamt erstaunlich stabil sind.

Kurzfristig gibt es diese Woche eine Menge Überraschungspotenzial - nach oben wie nach unten. Am Dienstag dürfte die US-Notenbank Fed die Zinsen senken. Wahrscheinlich recht deutlich, was vielleicht zunächst einmal die Märkte beruhigt. Aber gleich anschließend wird sich die Frage stellen: Was nun? Hat die Fed ihr Pulver verschossen, oder kann sie noch nachlegen? Außerdem veröffentlichen in dieser Woche einige US-Banken ihre Zahlen. Und die sind mit Vorsicht zu genießen, weil keiner genau weiß, wie deutlich die Banken Wertpapiere, für die es im Moment keinen Markt gibt, abschreiben. Möglicherweise weisen gerade die Banken "Gewinneinbrüche" aus, die es sich leisten können (zum Beispiel auch die Deutsche Bank, die das angekündigt hat). Jedenfalls ist in dem Punkt noch einmal Vorsicht angebracht. Auffällig ist aber, dass vor kurzem noch viele US-Manager kräftig Aktien eigener Institute gekauft haben. Die Banker trauen ihren eigenen Instituten offenbar mehr als sich gegenseitig. Die Intransparenz führt tendenziell möglicherweise dazu, dass die Risiken insgesamt überschätzt werden.

Auf Sicht von ein paar Monaten oder einem Jahr lautet die Frage letztlich, von welchem Szenario man ausgeht. Die Probleme des Subprime-Marktes - also des für US-Baukredite schlechter Qualität - sind zwar noch längst nicht ausgestanden, aber wahrscheinlich schon weitgehend in den Kursen der Banken enthalten. Möglich ist aber, dass eine zweite, noch größere Welle von Problemen durch ganz normale Baufinanzierungen in den USA entstehen, die wegen gestiegener Zinsen und sinkender Häuserpreise faul werden. Ob die Risiken einer solchen zweiten Welle schon in den Kursen enthalten sind, ist fraglich. Wer dieses Szenario - das ganz und gar nicht abwegig ist - unterstellt, sollte also das Pulver noch trocken halten.

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