Investmentfonds
Fondsanleger fahren reiche Ernte ein

Die Börsenhausse der vergangenen Monate schlägt sich auch in den Fondsergebnisse nieder. Die in der Finanzkrise besonders belasteten Anlageklassen und Anlagethemen führen nun die Hitliste an: Aktienfonds werfen im bisherigen Jahresverlauf sogar so hohe Renditen ab wie niemals zuvor.
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FRANKFURT. Es ist ein Rekord: So hohe Erträge für die ersten drei Quartale des Jahres sind für Käufer von Investmentfonds völlig neu. "Das ist einmalig für eine solche Abrechnungsperiode, auch wenn die Ergebnisse natürlich teilweise ein Erholungsreflex nach dem katastrophalen Börsenjahr 2008 sind", sagt Andreas Köchling, Analyst bei Feri Eurorating.

Aktienfonds für Lateinamerika und Osteuropa springen um durchschnittlich 75 beziehungsweise 57 Prozent, global investierende Schwellenländerfonds kommen auf 52 Prozent. Die außergewöhnlichen Ergebnisse sind vor allem dem wachsenden Risikoappetit der Anleger im zweiten und dritten Quartal zuzuschreiben. Anfang März hatten die Märkte ihre bisherigen Tiefpunkte während der Finanzkrise ausgelotet.

In die Feri-Auswertung gehen rund 4 300 in Deutschland angebotene Produkte ein, die 36 Anlageschwerpunkten zugeordnet wurden. Die Rangfolge richtet sich nach der durchschnittlichen Wertveränderung aller Fonds für den jeweiligen Schwerpunkt. Zusätzlich weist die Tabelle die Veränderungen über einen Fünfjahreszeitraum sowie den ertragreichsten Fonds für die ersten drei Quartale aus.

Die Goldmedaille für den höchsten Fondsertrag geht an Will Landers von Blackrock. Sein Lateinamerikafonds kommt auf ein Plus von 142 Prozent. Landers sieht den Kontinent "global gesehen in einer starken Position". Er verweist auf die großen Währungsreserven, ein gesundes Bankensystem und geringe Verschuldungsgrade.

Ebenfalls sehr gut schneiden die Osteuropabörsen ab. In diesem Fondssegment führt Agne Zitkute von Pictet. Der Fonds-Steuermann sieht zwar nach der Rally zwar Risiken: "Wir könnten Gewinnmitnahmen sehen." Doch das wäre nach Ansicht des Verwalters nur temporär. "Wenn die globale Wirtschaftserholung nachhaltiger wird, sollten die Marktunsicherheiten schwinden und die Verlustpotenziale weiter begrenzen", sagt er.

Im Hause JP Morgan Asset Management hat Greg Mattiko wie seine oben genannten Kollegen das Anlegerkapital in neun Monaten mehr als verdoppelt - mit einem global anlegenden Schwellenländerfonds. Er setzt auch weiterhin auf einen Mehrertrag gegenüber den Börsen der Industrieländer. "Die ersten Unternehmen in den Emerging Markets haben schon die Gewinnerwartungen für das vierte Quartal angehoben - so steigt das Gewinnmomentum weiter", gibt er sich optimistisch.

Aufsehenerregender als diese Renditen sind höchstens noch die Wertgewinne der Risikoanleihen. Während der Finanzkrise waren einige Teilmärkte kollabiert, das gesamte Segment hatte unter Ängsten vor Länder- und Firmeninsolvenzen gelitten. Jetzt glänzen Fonds für risikoreiche Euro-Unternehmensanleihen, das heißt Emittenten mit schlechtem Rating, dank eines durchschnittlichen Ertrages von rund 44 Prozent. Produkte für Emerging-Markets-Bonds erreichen rund 22 Prozent, jene für Firmentitel mit gutem Rating 13 Prozent.

Auf dem Feld der Euro-Hochzinsbonds schafft Paul Reed von Aberdeen Asset Management mit seinem Produkt nahezu eine Wertverdopplung. Seiner Erfahrung nach sind die Erträge historisch sehr stark an jene für Nebenwerte gekoppelt. Das spiegelt sich auch in der aktuellen Abrechnung wider, in der die entsprechenden Aktienfonds dominieren. Reed argumentiert jedoch: "Gemessen an der Aktienalternative mit der Aussicht auf Dividendenkürzungen würden wir die Festzinsvariante mit Firmenanleihen vorziehen."

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