Investmentfonds
Klimaschutz verkauft sich gut

Seit das Thema Klimaschutz salonfähig ist, legt nahezu jede Bank rasch einen Klimafonds oder ein Zertifikat auf – auch diejenigen, die die Potenziale nachhaltigen Wirtschaften bislang ignorierten. Anlageexperten wie Björn Drescher von Drescher & Cie. warnen jedoch vor marketingorientierten Trittbrettfahrern.

BERLIN. Anleger, denen neben der Rendite der Klimaschutz wirklich wichtig ist, sollten sich vergewissern, wie ernsthaft sich die Anlageprodukte dem widmen.

So hat die Dekabank, die bis Jahresbeginn nichts zum Thema Nachhaltigkeit vorlegen konnte, inzwischen einen Umweltfonds. Das Licht der Welt erblickten auch Erneuerbare-Energien-Fonds oder Klimafonds wie der Anfang Juli aufgelegte FT ClimatChange der zur BHF-Bank gehörenden Frankfurt-Trust Asset Management, der LBBW Global Warming Strategie BWI, der Swisscanto Equity Fund Climate Invest oder der DWS Klimawandel. Die Privatbank Sal. Oppenheim begibt Zertifikate für die Dr. Höller Indizes mit den Doppelnamen „Cool Climate“, „Clean Energy“, „Pure Water“ sowie „New Materials“. Auch die DWS stürzt sich mit aktiv gemanagten Zertifikaten für erneuerbare Energie, Wasser und Agrarinvestments ins Getümmel. Weitere Anbieter, wie ÖkoWorld, haben ähnliche Fonds in der Zulassung und hoffen auf zweistellige Wachstumsraten.

Im Wettrennen um Anleger und Publizität hecheln sie alle Anbietern hinterher, die wie Merrill Lynch, KBC, SAM, Sarasin mit Versiko oder die Société Générale schon vor vielen Jahren neue Energien und emissionsarme Materialien als zukunftsweisend erkannt haben. Sie haben schon damals entsprechende Publikumsfonds aufgelegt und eine Anlage ermöglicht.

Die Volumina der neuen Fonds wachsen rasant, die Mittelzuflüsse sind groß. In den meisten befinden sich vorwiegend klein- und mittelständische Firmen. Der LBBW-Fonds mit der Dominanz von Konzernen ist die Ausnahme. In den sind oft nicht nur Hersteller regenerativer Energien wie Sonne, Wind und Biokraftstoffe enthalten, sondern wie beim LBBW Global Warming auch Energieeffizienz fördernde Unternehmen aus den Bereichen Bau, Anlagebau und Versicherung sowie solche, die dazu beitragen, die Folgen des Klimawandels besser zu bewältigen. Ausgeschlossen sind dagegen etwa Ölkonzerne, selbst wenn sie in erneuerbare Energien investieren.

Aufgepasst: Bei einigen Fonds müssen die innovativen Techniken nicht der Schwerpunkt des Kerngeschäfts sein. So brauchen beim DWS Klimawandel die Firmen nur ein Fünftel ihres Umsatzes mit Klimaschutz zu erzielen. Dagegen verlangen die älteren Fonds oder auch der FT ClimateChange eine Konzentration des Kerngeschäfts auf Umwelt- und Klimatechnik.

Eine Rolle spielen auch Spezialindizes für derartige Anlageprodukte. Auf Grundlage des im Juni ins Leben gerufenen ÖkoDax der deutschen Börse lancierte die Deutsche Bank ein Zertifikat. Der Index bildet die zehn bekanntesten deutschen Produzenten erneuerbarer Energien ab. Mit dieser nationalen Ausrichtung ist er einseitiger als der seit Jahren bestehende internationale Solarindex Photon-Potovoltaik-Index (PPVX) des österreichischen Öko-Invest Verlags oder der viel breiter aufgestellte, Mitte 2005 lancierte, Index Global Climate 100 der unabhängigen Bostoner KLD Research. Er war der erste globale Aktienindex zum Klimaschutz und notiert große, mittlere und kleine Unternehmen. Die zur Commerzbank gehörende Cominvest plant, ihn als Benchmark für einen neuen Klima-Publikumsfonds zu nutzen.

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