Investmentfonds
Kolumne: Fidelity wagt den direkten Verkaufsweg

Was man derzeit über eine der weltweit bekanntesten Fondsgesellschaften in Deutschland aus dem Munde von unabhängigen Finanzberatern hört, klingt befremdlich.

FRANKFURT. Was man derzeit über eine der weltweit bekanntesten Fondsgesellschaften in Deutschland aus dem Munde von unabhängigen Finanzberatern hört, klingt befremdlich: "Die spinnen", "ein unerhörter Vorgang", "eine Frechheit" - das sind noch die harmloseren Äußerungen, die fallen, wenn die sogenannten Independent Financial Advisors (IFAs) auf Fidelity Investment angesprochen werden. Was ist geschehen? Hält jetzt ein Vokabular in die seriöse Finanzbranche Einzug, das man eigentlich eher vom Fußballplatz gewöhnt ist?

Fidelity hatte im Mai dieses Jahres die sogenannten "MoneyBuilder Funds" in Deutschland eingeführt. Bei denen fällt kein Ausgabeaufschlag an und die Verwaltungsgebühr ist niedriger als bei vergleichbaren Produkten. Zudem können die Fonds direkt bei Fidelity auf der Website gekauft werden. Alles Punkte, die den unabhängigen Beratern naturgemäß nicht schmecken. Sie sind raus aus dem Spiel.

Fidelity schlägt damit einen Weg ein, den man in anderen Ländern bereits erfolgreich beschritten hat. In den USA gehört das Direktkunden-Geschäft zu einer festen Säule der Gesellschaft, in Großbritannien gibt es die "MoneyBuilder Funds" ebenfalls schon seit Mitte der 90er Jahre. Zwar gibt es auch hierzulande schon länger die Möglichkeit, Fonds ohne Ausgabeaufschlag zu erwerben. Oft handelt es sich dabei aber um Indexfonds. Von einem Fondsmanagement verwaltete, aufschlagsfreie Produkte, wie sie Fidelity jetzt anbietet, sind da eher die Ausnahme.

Freunde macht sich Fidelity damit aber nicht. Den Weg in den deutschen Markt hat die US-Gesellschaft in den vergangenen Jahren nicht zuletzt durch Vertriebswege wie unabhängige Berater, Strukturvertriebe und auch Banken und Sparkassen gefunden. Vor allem diese Berater fühlen sich jetzt über den Tisch gezogen. Erst habe man Fidelity in Deutschland ins Geschäft gebracht und mit dem daraus erzielten Gewinn werde jetzt die Marketing-Kampagne für die "MoneyBuilder Funds" bezahlt, klagen sie unisono.

Für viele IFAs ist Fidelity spätestens seit Einführung der neuen Produkte kein attraktiver Partner mehr. Neue Kampagnen, neue gemeinsame Produkte, neue Aktionen will in der Branche kaum noch jemand mit Fidelity angehen. "Wir gehen lieber zu Fondsgesellschaften, die gar kein Direktkunden-Geschäft wollen", heißt es unter der Hand aus Kreisen eines der größten IFAs-Zusammenschlüsse in Deutschland. Genannt werden da Häuser wie JP Morgan.

Fidelity läuft also zum einen Gefahr, perspektivisch auf die unabhängigen Vertriebler verzichten zu müssen. Ob ein Direktvertrieb künftig deren Leistung ersetzen kann, dürfte mehr als fraglich sein.

Und auch aus der Perspektive des Privatanlegers sind die "MoneyBuilder"-Fonds ein zumindest zweischneidiges Produkt. Klar, Fonds ohne Aufschlag und mit niedrigerer Gebühr, sind zunächst eine feine Sache. Nur: Fidelity muss sich fragen lassen, ob der auf den ersten Blick so verbraucherfreundliche Schritt wirklich so selbstlos ist. Oder subventionieren die Käufer anderer Fidelity-Produkte, für die Aufschläge und Gebühren nach wie vor verlangt werden, nicht indirekt die "MoneyBuilder Funds" mit? Denn für ein verwaltetes Portfolio fallen nunmal höhere Kosten an als für einen Indexfonds. Woher kommt das Geld dafür? Von den Besitzern der von Beratern vermittelten Fonds.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%