Investmentgesellschaften entdecken Fußball als lukrativen Werbeträger
DIT schickt Günter Netzer erneut auf den Platz

Er lässt sich die Hitze bei den Dreharbeiten nicht anmerken: Günter Netzer. Da steht er im dunklen Jackett, mit dunklem Hemd, nur den Kragen geöffnet. Drückende Wärme liegt im Foyer des neuen Gebäudes der Allianz- Fondsgesellschaft DIT in der Frankfurter Weserstraße 54. Und es dauert lange, bis die Regie mit ihrem erlösenden "Action!" für Bewegung sorgt.

FRANKFURT/M. Der ehemalige Fußballer sagt nur einen Satz: "Aber ich kann doch nicht überall sein." Sein Counterpart, der einen Fondsmanager mimt und sich bis zur letzten Sekunde mit einem Hand-Ventilator abkühlt, erwidert: "Aber wir." Ganz schnell ist alles vorbei, ein kleiner Teil des Werbespots für die neue DIT-Produktfamilie "Absolute Return" im Kasten. Ab September läuft der 35-Sekunden-Spot im Fernsehen.

Der Fußball als Magnet für Millionen lockt immer mehr Marketingexperten von Investmentfirmen. Im Gegensatz zum DIT tun sie sich aber erst seit kürzerer Zeit mit Profikickern zusammen - außerdem ist bei ihnen Sponsoring das große Thema. Die Häuser nutzen die Trikots der Spieler als Werbeträger für Imagebotschaften und offerieren den Ballartisten auch eigene Produkte zu Sonderkonditionen. Es lockt der Zugriff auf eine spezielle Klientel inklusive des Vereinsumfeldes und der Fans. "So kommen Fondsgesellschaften an diese bodenständigen potenziellen Kunden heran", sagt ein Insider.

Deutschlands Nummer eins im Fondsgeschäft, die DWS, warb früher mit Oliver Bierhoff. Jetzt prangt das Logo der Deutsche-Bank-Gesellschaft auf den Trikots des VfL Bochum. DWS-Chef Axel-Günter Benkner hat eine besondere Schwäche für den Verein, besucht regelmäßig die Spiele, ist selber ein Fußballnarr. "Eine Zeitlang", sagt er schmunzelnd unter vier Augen, "haben wir bei uns nur Fußballer eingestellt." So wurde die hauseigene Mannschaft stärker. "Unser Geschäftsführer Heinz Fesser spielte bei Göttingen 05 in der zweiten Liga, der kann ein Spiel allein entscheiden", merkt Benkner an. Pikante Episode am Rande: Die DWS gewinnt ihre Spiele gegen die Mutter Deutsche Bank meist haushoch.

Die Werbechancen locken auch die Cominvest. Seit diesem Monat probt die Commerzbank-Fondsgesellschaft den Schulterschluss mit dem Hamburger Sportverein (HSV). Sie will ihr Publikumsfonds-Label Adig stärker ins Blickfeld rücken. Anfang September ist High Noon auf dem Platz: Dann treffen die Adig-treuen Hamburger auf die DWS-gesponserten Bochumer. Was beide Gesellschaften für ihr Sponsoring auf den Tresen legen müssen, darüber schweigen sich die Offiziellen freilich aus.

Im Fall Netzers ist die gerade vorbereitete Fernsehwerbung schon die vierte Zusammenarbeit mit dem DIT. "Angefangen hat alles in der Schweiz", sagt Netzer dem Handelsblatt in einer Drehpause. Das war vor fast 30 Jahren. Damals knüpften der Mittelfeldspieler und die Dresdner Bank die ersten Kontakte. Anschließend wurde die frühere Dresdner-Fondsfirma DIT, die lange Zeit Bandenwerbung bei Fussball-Länderspielen betrieb, auf ihn aufmerksam. Die Beziehung hält bis heute, ebenso wie Netzers lange Haare und der typische Seitenscheitel die Zeiten überdauerten.

Für Geldanlagen interessiert sich der ehemalige Mittelfeldregisseur, dessen lange Pässe und raumgreifende Sololäufe im Gedächtnis haften blieben, dank eines Freundes. "Der beschäftigte sich in den achtziger Jahren mit Biotech-Werten - und regte mich zum Einstieg an", sagt er. Doch "leider bin ich ungeduldig". In die Kursverluste hinein verkaufte er, "und dann stiegen die Dinger". Das war lehrreich. Deshalb rät er den Anlegern, wenigstens einen Teil des Geldes Profis anzuvertrauen. Netzer sieht sich auf diesem Feld übrigens auch als Profi: Er hat in einen "gesunden Mix" aus Aktien und Bonds investiert.

Die professionelle Einstellung versucht er weiterzugeben. Der erste Anlauf scheiterte allerdings. Netzer war damals acht Jahre Manager des Hamburger Sportvereins. "Wir wollten die Spieler bewegen, einen Teil ihres Geldes anzulegen", erinnert er sich. Aber die hatten eigene und oft schlechte Berater, die das Geld versenkten. Netzer ist immerhin zufrieden, dass der Typ des Spielerberaters, der nur an Tansfers von einem Club zum anderen interessiert ist, abgedankt hat. "Heute bringt der Berater seine Anlage- und Steuerexperten mit", sagt er.

Fonds und Fußball.

Die Blauen: Die Deutsche-Bank-Gesellschaft DWS (dominante Farbe des Logos: blau) führt mit über 82 Mrd. Euro Privatkundengeld die Fonds-Liga an. Sie sponsert den Ruhrpott-Verein VFL Bochum.

Die Grünen: Die frühere Dresdner-Bank-Investmentgesellschaft DIT (Logo mit traditioneller Dresdner-Bank-Farbe: grün) liegt mit einem verwalteten Vermögen von 44 Mrd. Euro auf dem vierten Platz der deutschen Fonds-Liga.

Die Rot-Grauen: Mit ihrem Adig-Label für die Publikumsfonds (ein Oval mit den beherrschenden Farben Grau und Rot) und den darin verwalteten 24 Mrd. Euro kommt die Commerzbank-Fondsfirma Cominvest auf den fünften Platz in der Fonds-Liga. Sie sponsert seit kurzem den Hamburger SV.

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