Investmentgigant verstärkt Druck auf New Yorker Börse
Fidelity fordert elektronischen Handel

Die weltgrößte Fondsgesellschaft Fidelity Investments drängt die New York Stock Exchange (Nyse), ihren Parketthandel zugunsten des elektronischen Handels aufzugeben. Im Gespräch mit dem Wall Street Journal griff der Chef des globalen Aktienhandels, Scott DeSano, die Börse für ihr Festhalten am traditionellen Parketthandel ungewöhnlich scharf an. Er ziehe ein elektronisches Handelssystem vor: „Da wollen wir unweigerlich hin“, stellte DeSano klar.

sia BOSTON. Der mächtige Aktienhändler kritisierte besonders, dass die Makler, die die Kurse der von ihnen betreuten Aktien festsetzten, von „monopolistischen Regeln“ profitierten. Diese bescherten ihnen einen Informationsvorsprung, mit dem sie seiner Meinung nach häufig zu ihren eigenen Gunsten intervenierten. „Wir brauchen diese Art von Intervention am Aktienmarkt nicht“, so DeSano.

Die NYSE-Makler ermitteln die Kurse anhand der Kauf- und Verkaufsorders. Zur Sicherung der Marktliquidität sind sie verpflichtet, bei Engpässen selbst als Zwischenhändler einzuspringen. Mit der Frage, ob diese Intervention hilfreich oder hinderlich ist, beschäftigt sich zurzeit auch ein Ausschuss der Börsenaufsicht SEC.

Neben DeSano verstärkt auch die oberste Führung der von der Bostoner Milliardärsfamilie Johnson kontrollierte Vermögensverwaltung ihren Druck. Üblicherweise übt diese ihren Einfluss hinter den Kulissen aus. In diesem Monat trafen Abigail Johnson, größte Fidelity-Aktionärin und Präsidentin der Investmentbankingsparte, ihr Investmentfondsberater und DeSano sich mit SEC-Vertretern, um ihre Argumente für den Wechsel zum elektronischen Handel darzulegen. Am Freitag werden sie den Interimschef der NYSE, John Reed, treffen.

Es ist kein Zufall, dass Fidelity gerade jetzt – nach dem Rücktritt des NYSE-Chefs Rick Grasso – den Druck verstärkt. Die NYSE-Führung steht in der Öffentlichkeit unter Zugzwang und hat bereits eine Reihe von Reformen angekündigt, unter anderem am Handelssystem. Doch Fidelity fürchtet, dass der Handel angesichts der größeren öffentlichen Aufregung über die hohen Vorstandsgehälter, über die Rick Grasso gestürzt war, in den Hintergrund gerät und eher öffentlichkeitswirksamere Bereiche wie Vorstandsbezüge und Corporate Governance reformiert werden.

Die NYSE ist die weltweit einzige große Aktienbörse, die noch am Parketthandel festhält, den sie seit 211 Jahren praktiziert. Die Traditionsbörse argumentiert, das System sichere den Investoren in 93 Prozent der Fälle den bestmöglichen Kurs. Auch der SEC-Chairman William Donaldson, ein früherer NYSE-Chef, hält den durch Kursmakler gelenkten und somit bedächtigeren Handel für das bessere System – solange gewährleistet ist, dass es tatsächlich die besseren Kurse sichert.

Quelle: Wall Street Journal/ Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%