Investmentindustrie: Brückenschlag in der Anlagewelt

Investmentindustrie
Brückenschlag in der Anlagewelt

Konzentration auf ein klar abgegrenztes Kerngeschäft war gestern. Heute bewegen sich die verschiedenen Anbieter der Investmentindustrie aufeinander zu, die Grenzen zwischen ihren Geschäftsfeldern und Produkten verwischen. Traditionelle Asset-Manager setzen auf Derivate und legen Hedge-Fonds sowie Zertifikatefonds auf. Hedge-Fonds nähern sich in ihren Strategien teilweise Investmentfonds an.

HB FRANKFURT. Zudem nutzen sie Zertifikate als Produktformat, um regulatorische und steuerliche Anlegerbedürfnisse zu erfüllen. Sie investieren stärker in illiquide Anlagen, sodass die Grenze zu Private-Equity-Fonds verschwimmt. Und Banken gehen Kooperationen mit Asset-Managern ein, um aktiv verwaltete Portfolios in Form von Zertifikaten zu verpacken.

Dass sich klassische Fonds, Hedge-Fonds und strukturierte Produkte aufeinander zu bewegen, hat mehrere Gründe. Erstens eröffnet das neue Investmentgesetz Fondsgesellschaften die Möglichkeit, Derivate stärker einzusetzen und Hedge-Fonds aufzulegen. Zweitens akzeptieren immer weniger Anleger die unterschiedliche steuerliche und bilanzielle Behandlung verschiedener Investmentprodukte und setzen verstärkt auf optimierte Lösungen. Und drittens verfügen Produktanbieter heute über deutlich mehr Know-how im Bereich strukturierter Produkte und Hedge-Fonds, um die Vorteile jedes Segments zu nutzen.

„Die wichtigste treibende Kraft bei der Entwicklung der neuen Generation von Finanzdienstleistungen dürften allerdings die Kunden sein“, sagt Marco Laube, Unternehmensberater aus Zürich und Autor einer Asset-Management-Marktstudie. Insbesondere Institutionelle, vermögende Private und Finanzintermediäre verfügten heute über deutlich mehr Derivatewissen und verlangten nach individuellen Lösungen.

Dies betreffe sowohl inhaltliche Produktkomponenten, wie das Investment- oder das Risiko-Management als auch die Wahl der geeigneten Verpackung des Investments in Form eines Fonds, eines Zertifikats oder eines sonstigen strukturierten Produkts. Außerdem seien viele Anleger erst bereit, in komplexe Produkte zu investieren, wenn auch der After-Sales-Service stimme und die Gesellschaften Zusatzdienstleistungen wie Risikomanagement-Reports oder eine individualisierte Berichterstattung bieten könnten. Vor allem sophistizierte Anleger verlangten zudem nach mehr Einflussmöglichkeiten auf die Kapitalanlage sowie mehr Transparenz und Kosteneffizienz.

Das Zusammenwachsen zuvor getrennter Segmente ist einerseits attraktiv, da Kundenbedürfnisse besser abgedeckt und Finanzinnovationen vorangetrieben werden können. Andererseits verschärft sich damit auch der Wettbewerb. Es stellt sich das Problem, auf der gesamten Wertschöpfungskette das erforderliche Know-how aufzubauen beziehungsweise die Strukturen zu schaffen. Selbst größere Anbieter sind daher auf der Suche nach Spezialisten und teils sogar ganzen Hedge-Fonds- und Derivate-Teams, um der Komplexität solcher Cross-Over-Investmentprodukte gewachsen zu sein. „Eine Herausforderung ist dabei, die transaktionsgetriebene Kultur des Trading Floors einer Investmentbank mit der nachhaltigen Service-Kultur des Asset-Managements zu vereinen,“ sagt Ingo Heinen aus dem Equity-Derivatives-Team von Nomura in London. Normura hat 2004 ein 50-köpfiges Team aufgebaut, das im Zusammenhang mit Fonds drei Geschäftsmodelle abdeckt. Nomura nutzt Fonds als Basis für strukturierte Produkte, verpackt neue Investmentideen in Form von Fonds und bietet Asset-Managern Leverage-Finanzierungen an. Daneben haben aber auch kleinere Anbieter wie Lupus alpha, First Private oder Acatis die Notwendigkeit erkannt, Know-how im Hedge-Fonds- und Strukturierungsbereich aufzubauen und gezielt Kooperationen mit spezialisierten Beratern einzugehen.

Ein zu starkes Zusammenwachsen von traditionellen und alternativen Asset-Managern ruft aber auch Kritiker auf den Plan. „Wenn immer mehr klassische Investmentfonds auf Short-Strategien setzen, wird es über kurz oder lang zu Kapazitätsengpässen bei der Wertpapierleihe kommen“, warnt Horst Bennin, Managing Director der AUDA Deutschland, einem auf alternative Investments spezialisierten Manager. Schon jetzt seien die Wertpapierleihgebühren auf zehn bis 15 Prozent pro Jahr gestiegen.

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