Investmentmarkt Fernost
Fonds boomen in Japan

Deutsche Fondsanbieter fassen zunehmend Fuß auf dem schnell wachsenden japanischen Markt für Anlageprodukte. Vor allem Deutsche Asset Management, Commerzbank und Allianz Global Investors haben ihre Position zuletzt ausgebaut - wenn auch angesichts der starken Stellung der alteingesessenen Anbieter eher in Nischen.

TOKIO. Der japanischen Investment Trust Association zufolge stiegen die in Publikumsfonds verwalteten Mittel im ersten Quartal marktweit um 32 Prozent auf 60 Bill. Yen (370 Mrd. Euro). Das Anlagevolumen der Commerz International Capital Management liegt mit 350 Mrd. Yen (zwei Mrd. Euro) im Vergleich dazu noch niedrig, aber immerhin knapp 20 Prozent über dem Wert zum Stichtag im Vorjahr. Die hundertprozentige Commerzbank-Tochter macht seit 1992 Geschäfte in Japan. "Wir sprechen sowohl private als auch institutionelle Investoren an", sagt Geschäftsführer Hitoshi Yamamoto. Mit privaten Endkunden habe die Commerzbank jedoch keinen direkten Kontakt - der Vertrieb laufe über Partner. Darunter finden sich Wertpapierhäuser, Banken und Versicherungen, beispielsweise der Direktbroker Kabu.com, die Versicherung Mitsui Life oder Nikko Cordial.

"Wir haben eine Lizenz für die Verwaltung von Investmentfonds, aber keine Vertriebslizenz", sagt Yamamoto. Commerz International Japan verfüge aber über das Recht, Mittel treuhänderisch zu verwalten. Das ist nötig, um Geld aus Pensionsfonds anlegen zu können - in der alternden Gesellschaft ein potenzielles Milliardengeschäft. Nur wenige Produkte im Angebot seien deutsche Fonds der Cominvest, so Yamamoto. Mehrheitlich stecken japanische Papiere in selbst konzipierten Fonds des 26-köpfigen Tokioter Teams. Ein Beispiel sei der Fonds "Croquis Japan Plus", der in unterbewertete japanischer Unternehmen investiert. Die Fondsverwalter analysierten die Quartalsberichte mit "deutschem Know-how", so die Werbung. Ein anderes Produkt, für das die Commerzbank ihre Stärke als deutsches Haus mit Mittelstandsorientierung ausspielen will, ist ein langfristig orientierter Fonds mit Aktien kleinerer Unternehmen, die die Manager nach einem "Bottom-Up-Verfahren" durchleuchten.

Die Deutsche Asset Management (Deam), eine Tochter der Deutschen Bank, setzt anders als die Commerzbank seit einigen Jahren stärker auf Fonds aus dem Mutterhaus. In den vergangenen zwölf Monaten habe ihr Unternehmen sechs Fonds der DWS in Japan eingeführt, sagt Reina Sato von der Deam Japan. Darunter findet sich beispielsweise der DWS Emerging European Equity Fund, vertrieben durch den japanischen Marktführer Nomura. An den Schwellen- und Wachstumsmärken Osteuropas sind Deutschen aus japanischer Sicht ganz dicht dran. Aus dem gleichen Grund liefert Deam mit dem Resona Eastern Frontier Equity Fund ein Osteuropa-Produkt an Japans viertgrößte Bank Resona.

Unter eigenem Namen läuft dagegen der Deutsche Russia Eastern European Equity Funds. "Wir haben vor, 2007 und in den kommenden Jahren weiterhin innovative DWS-Produkte nach Japan zu importieren", so Sato. Die Deam und ihre Vorläufer sind seit 1985 auf dem japanischen Markt präsent. 66 Mitarbeiter kümmern sich um Einlagen in Höhe von 906 Mrd. Yen - ein Plus von rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Da Japan seit Beginn des Aufschwungs vor vier Jahren als Anlagestandort wieder wichtiger geworden ist, hat die Deam Japan vor kurzem die Position eines Chefstrategen für eigene Investments geschaffen. Um im Wachstumsmarkt Japan Kunden zu binden, bieten die Anlageexperten seit jüngster Zeit auch eigene Newsletter auf Japanisch an, zum Beispiel den "Deutsche Report".

Wo die Deutsche Bank und die Commerzbank vertreten sind, fehlt auch die Allianz-Gruppe nicht. Die Allianz Global Investors Japan im Verbund mit der Gruppenschwester RCM verwaltet einerseits Anlagekapital für japanische Investoren, andererseits investieren sie Mittel von Ausländern in Japan. Das Unternehmen strebt einen Anstieg des Portfoliovolumens von einem Viertel jährlich an. Auch die Allianz hat eine Lizenz für Treuhandverwaltung und kann damit einen Teil der Mittel aufnehmen, die Japans Pensionsfonds zu verwalten haben. Sie wendet sich in Japan eher an institutionelle Anleger.

Alle Anbieter setzen auf viele verschiedene Vertriebswege - zu Recht: Branchenzahlen zeigen, dass die Banken den Wertpapierhäusern wie Nomura, Daiwa und Nikko zunehmend Konkurrenz machen. Die drei führenden Großbanken konnten das verwaltete Kapital im ersten Quartal um 24 Prozent auf 7,7 Bill. Yen hochtreiben. Im vergangenen Jahr übertraf der Vertrieb über die Banken erstmals den über die Fondsgesellschaften. Gerade Privatanleger trauen sich nach mehreren Jahren mit Kursgewinnen, renditeträchtigere Investitionen als das Sparbuch auszuprobieren und wenden sich dabei zunächst oft an ihre Bank. Sumitomo Mitsui, Mitsubishi UFJ und Mizuho verzeichneten in der zweiten Hälfte des Jahres 2006 Mittelzuflüsse von 1,8 Bill. Yen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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