Investoren aus dem Ausland schätzen die deutschen Anforderungen an Hedge-Fonds
Die Transparenz entscheidet

Hierzulande wirken sie beinahe wie Ladenhüter: Hedge-Fonds-Dachfonds, die im Einklang mit dem so genannten Investmentmodernisierungsgesetz aufgelegt werden, lassen sich bislang in Deutschland nur schlecht verkaufen. Für internationale Investoren sind sie dennoch interessant – dank der fortschrittlichen deutschen Regulierung.

HB DÜSSELDORF.Sicherheiten bieten die deutschen Regelungen den Investoren durch die Qualitätsanforderungen, die an Einzel-Hedge-Fonds, Dachfondsmanager, Administratoren, Depotbanken und andere Geschäftspartner gestellt werden. Weil Investoren gleichzeitig den Hedge-Fonds weitgehend frei wählen können, sind die Renditechancen der Dachfonds nicht beeinträchtigt.

Damit steht Deutschland derzeit im internationalen Wettbewerb relativ gut da. In den USA und in Großbritannien gibt es noch keine für den öffentlichen Vertrieb zugelassenen oder regulierten Hedge-Dachfonds. In Frankreich müssen die Ziel-Hedge-Fonds für Dachfonds an der Börse gelistet sein – eine Form von Publizität, die Hedge-Fonds normalerweise nicht mögen. In Italien müssen die Investoren zum Teil italienische Geschäftspartner wählen, obwohl die normalerweise keine Erfahrung mit Hedge-Fonds vorweisen können. Im Vergleich mit Deutschland schneiden bei der Vermarktung von Hedge-Fonds-Dachfonds auch Luxemburg und Irland schlechter ab. Denn beide Länder gelten nicht als Standorte mit besonders hohen Regulierungsstandards.

Die Kehrseite der Medaille: Viele Manager von Dachfonds haben sich in der Vergangenheit öffentlich über die aus ihrer Sicht zu hohen Anforderungen in Deutschland beklagt. Unter diesen Voraussetzungen könnten sie keine attraktiven Portfolios zusammenstellen, lautete ihr Vorwurf. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und das Bundesfinanzministerium haben ihre ursprünglichen Anforderungen an die Transparenz nun aber so konkretisiert, dass sie von relativ vielen Hedge-Fonds erfüllbar sind.

Derzeit gibt es rund 350 Hedge-Fonds, die bereit sind, die deutschen Anforderungen an die Transparenz zu erfüllen. Das sind 30 bis 40 % aller für seriöse, institutionelle Investoren relevanten Fonds. Von den mehreren tausend Hedge-Fonds sind nur etwa tausend für diese Investoren interessant, weil sie einen echten „Track Record“ aufweisen. Ihr Volumen ist zudem groß genug, damit Investoren ihre Strategie effizient umsetzen können.

International hat die deutsche Regulierung auch bei institutionellen Investoren Aufsehen erregt. Bei so gut wie allen Befragungen dieser Investoren und bei Kundenterminen steht das Thema mangelnde Transparenz der Hedge-Fonds im Vordergrund. Dachfonds, die sich der strengen deutschen Regulierung unterwerfen und dennoch mit attraktiven Portfolios aufwarten, sind für diese Investoren von großem Interesse.

Weshalb können Anbieter solcher Dachfonds derzeit nur wenige Produkte in Deutschland absetzen? Dafür gibt es viele Gründe. So lässt die Aufklärung von Privatanlegern über Hedge-Fonds noch zu wünschen übrig. Am Markt gibt es zudem erst wenige Produkte, die zudem noch mit Abwicklungsschwierigkeiten von Fondsplattformen kämpfen. Hinzu kommt, dass das Hedge-Fonds-Rundschreiben zur Anlageverordnung noch nicht veröffentlicht ist und institutionelle Investoren vielfach noch die internen Voraussetzungen schaffen müssen, um in Hedge Fonds investieren zu dürfen. Bald gibt es aber keine Ausreden mehr. Wenn es dann immer noch keine Absatzerfolge in Deutschland gibt, wird wohl kein Exportschlager aus den deutschen Hedge-Fonds-Dachfonds.

*Dirk Söhnholz ist Managing Director für Alternative Assets bei Feri Trust .

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