Investoren scheuen Aktien- und Währungsrisiken
Schwellenländer-Fonds verlieren weiter an Wert

Die Verluste in Schwellenländer-Fonds waren in den vergangenen zwölf Monaten größer als im Rest der Welt. Denn die Aktienmärkte in den aufstrebenden Volkswirtschaften stiegen erst auf ein hohes Niveau, bevor sie unaufhaltsam fielen. Durchschnittlich die Hälfte der Fondsvermögen fiel den Kursstürzen zum Opfer. Die deutschen Fondsinvestoren verloren auf Jahressicht bis zu 69 Prozent ihres Kapital.

FRANKFURT. Unter dem Kürzel BRIC machte Goldman Sachs die vier größten Schwellenländer bekannt: Brasilien, Russland, Indien und China sollten den Investoren besonders hohe Aktienkursgewinne bescheren. Das verspricht der Chefvolkswirt von Goldman Sachs Jim O'Neill seit nunmehr rund sechs Jahren. 2008 jedoch straften ihn die fallenden Kurse vor allem in Russland und in Indien Lügen.

Auch der Goldman-Sachs-BRICs-Portfolio-Base-Fonds wurde den hohen Erwartungen seiner Anteilseigner nicht gerecht: Er landet mit einem Zwölf-Monats-Verlust von rund 66 Prozent weit unten in der Feri-Fondstabelle. Doch Indien soll das vielversprechende Länderquartett jetzt wieder aus der Misere retten: "Indiens Wirtschaft wird 2009 um 5,8 Prozent wachsen; der Abschwung wird weniger stark ausfallen als 1997 oder 2001", schreiben Schwellenland-Experten in der aktuellen BRICs-Monthly von Goldman Sachs. "BRICs bleiben auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil der globalen Wirtschaft", machen die Experten den Investoren Mut.

Breiter als die BRIC-Strategie profitiert der MSCI-Emerging-Markets-Index vom möglichen Kursplus in Schwellenländern. Und in der Vergangenheit konnte der Kursindex den Rest der Welt auch wirklich überholen: "Der MSCI-Emerging-Markets hat den MSCI-World-Index in den vergangenen sieben Jahren um durchschnittlich 10,3 Prozent p.a. outperformed", rechnet George Houget von State Street Global Advisors (SSGA) aus. Der SSGA-Emerging-Middle-East&Africa-Index-Equity-Fonds landete so auch auf Platz eins der Fondstabelle. Das Produkt setzt speziell auf Aktien aus dem Nahen Osten und Afrika.

Für die kommenden Monate ist der Investmentstratege von State Street allerdings weitaus pessimistischer gestimmt als sein Kollege von Goldman Sachs: "Die Schwellenländer werden im laufenden Jahr unter substantiellem Gegenwind leiden und negative Gewinnberichtigungen sollten im kommenden Halbjahr noch zunehmen", sagt Hoguet. "Einige Schwellenländer werden ihre wirtschaftliche Entwicklungsstrategie überdenken müssen."

"2008 wird nicht als das Jahr der Finanzkrise der Industrienationen in die Geschichte eingehen. Sondern als das Jahr, in dem 40 Prozent der Weltbevölkerung feststellen mussten, dass sie nicht reich werden, indem sie ihre Produkte an 14 Prozent der Weltbevölkerung verkaufen", schreibt Vincent Strauss im aktuellen Fondskommentar zum Comgest-Growth-Emerging-Markets.

Sein Produkt landete mit einem Zwölf-Monats-Verlust von rund 40 Prozent auf Platz zehn der Hitliste. Für den Asienexperten spielt vor allem China künftig eine gewichtige Rolle: "China verfügt über Fremdwährungsreserven von 2 Billionen US-Dollar - jede Veränderung des Devisenvorrats wird einen enormen Einfluss auf die Weltwirtschaft haben", sagt Strauss. "So könnte eine weitere Abwertung des Renminbis zu einer Spirale von Geldentwertungen führen, wie wir sie in den frühen 1930er Jahren erlebt haben", warnt der Experte.

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