IWF befürchtet Spekulationen zu Lasten der privaten Anleihegläubiger
Geier-Fonds könnten Verhandlungen mit Argentinien behindern

Ein Kreditabkommen zur Refinanzierung seiner Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) hat Argentinien erreicht – jetzt beginnt der harte Kampf um die Umschuldung seiner international begebenen Anleihen. Die argentinische Regierung gibt sich siegessicher.

BUENOS AIRES. Sie will gegenüber den Anleihebesitzern die gleiche harte Linie fahren, die sie gerade erfolgreich gegenüber dem IWF praktiziert hat. Es werde „lange Gesichter“ geben, wenn Argentinien sein Angebot für die Restrukturierung von etwa 100 Mrd. $ Anleiheschulden macht, warnte am Freitag Wirtschaftsminister Roberto Lavagna. „Das erste Angebot wird sicherlich abgewiesen und dann wird die Realität zeigen, was machbar ist“, so der Minister. Argentinien werde aber ein „glaubwürdiges und zahlbares Angebot“ machen, das die Anleihehalter in jedem Fall besser stellen werde „als in der aktuellen Situation, in der die Gläubiger gar nichts bekommen“.

Kompliziert werden dürften die Umschuldungsverhandlungen nicht nur wegen der Entschlossenheit der individuellen Gläubiger, einen möglichst großen Teil ihrer Investition wieder herauszuholen. Unbill droht auch von Seiten hochspekulativer Investment-Gesellschaften, den sogenannten „Geier-Fonds“. Diese Bezeichnung geht auf IWF-Vizedirektorin Anne Krüger zurück, die 2001 das Unternehmen „Elliott Associates“ als Geier-Fonds beschimpfte: Elliott hatte auf dem Sekundärmarkt für 20 Mill. $ Forderungen an Peru erworben, das Land dann auf Zahlung des vollen Nennwertes von 60 Mill. $ verklagt und schließlich gerichtlich einen Vollstreckungstitel zur Beschlagnahme peruanischer Aktiva in den USA und Europa erwirkt.

Eine neue Studie des IWF warnt, dass solche Geier-Fonds die argentinische Umschuldung komplizieren können. Die Strategie solcher Fonds, so führt Autor Manmohan Singh in der Studie aus, bestehe darin, sich in kleine Anleiheserien einzukaufen und eine Stimmenmehrheit in diesen Serien anzustreben. Auf diese Weise können sie jedes Restrukturierungsangebot ablehnen und eine erfolgreiche Umschuldung über Jahre hinauszögern – auf Kosten der übrigen Gläubiger.

Ein bekannter Geier-Fonds namens E.M. Limited mit Sitz in der Karibik, hinter dem der Investor Kenneth Dart steht, erwarb beispielsweise 60 % einer Serie Global 2008 in Pesos und leitete vor einem New Yorker Gericht eine Klage auf 700 Mill. $ gegen den Staat Argentinien ein. Dem Beispiel Dart könnten viele andere folgen, warnt Singh. Geier-Fonds würden seit dem Default vor allem die drei illiquiden Global-Serien 2019, 2030 und 2031 erwerben, von denen jeweils weniger als 250 Mill. $ im Umlauf sind.

Doch die Fonds brauchen nicht unbedingt die Stimmenmehrheit in einer Anleihenserie, um eine erfolgreiche Umschuldung zu verhindern. Die nach internationalem Recht begebenen argentinischen Anleihen enthalten bisher keine Mehrheitsklauseln, welche die Annahme eines Umschuldungsangebots per Mehrheitsentscheid aller Gläubiger ermöglicht. Ohne eine solche Mehrheitsklausel kann es passieren, dass die Mehrheit der Gläubiger auf das Umschuldungsangebot eingeht, eine Minderheit jedoch die Rückerstattung des vollen Betrages einklagt. Damit verringert sich die Zahlungskapazität des Landes zuungunsten der übrigen Gläubiger.

Möglich wäre allerdings, dass eine Mehrheit der Gläubiger noch vor der Umschuldung die Anleiheklauseln modifiziert, also z.B. Mehrheitsklauseln einfügt. Diese Praxis wurde bereits bei der Umschuldung Uruguays erfolgreich durchgeführt.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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