Janwillem Acket
„Als Ausländer ist man im Nachteil“

Der Chefvolkswirt der Privatbank Julius Bär warnt vor zu starkem Engagement von Investoren in Schwellenländern. Unternehmen seien dort oft wenig transparent für Kapitalgeber. Auch die Distanz schaffe Probleme.
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Handelsblatt: Herr Acket, die Schwellenländer stehen besser da als viele Industrienationen. Warum ziehen Investoren trotzdem ihr Geld ab?

Janwillem Acket: Investitionen in Schwellenländer sind immer noch mit einer Unsicherheit behaftet. Die politischen Systeme sind nicht so stabil, die Transparenz der Unternehmen nicht so hoch. Und als Ausländer ist man gegenüber lokalen Investoren wegen der Distanz im Nachteil. In Krisenphasen steigt das Risikobewusstsein der Investoren, folglich ziehen sie ihr Geld dort ab, wo sie die höchsten Gefahren sehen und investieren lieber in die ihnen bekannten Heimatmärkte. Diese Kapitalflucht lässt die Kurse sinken und die Währungen abwerten, wodurch die Investments der ausländischen Anleger, die in den Märkten bleiben, an Wert verlieren.

Wie lange wird diese Heimatfixierung noch anhalten?

Die Schwellenländer werden noch Jahre brauchen, bis sie von den politischen und wirtschaftlichen Strukturen zu den Industrienationen aufgeschlossen haben. Bis dahin werden die Kapitalströme immer wieder aus diesen Ländern herausfließen, sobald die allgemeine Risikoaversion steigt. Privatanleger sollten sich nicht gegen diesen Trend stemmen, sondern zyklisch in Schwellenländer investieren. Diese Länder bleiben das Topvehikel, wenn die Märkte ruhig sind.

Die Aktien- und Anleihemärkte in den Schwellenländern haben im vergangenen Jahr deutlich verloren, was sich auch in der negativen Wertentwicklung vieler Fonds niedergeschlagen hat. Ist jetzt schon wieder ein günstiger Zeitpunkt, um einzusteigen?

In vielen Industrienationen werden wir 2012 eine weitere Abkühlung der Konjunktur erleben. Die Schwellenländer werden eine Rezession nicht kompensieren können, weil sie wirtschaftlich schon zu stark mit den Industrieländern vernetzt sind. Korea zum Beispiel leidet unter seinem Rückgang der Elektronikexporte. China kühlt seine Wirtschaft bewusst herunter und bereitet den Wechsel der Führung vor. Indien könnte auf eine Agrarkrise zusteuern. Investoren sollten noch abwarten, bevor sie wieder einsteigen.

Wie sollten Anleger in Schwellenländer investieren?

Bei lokalen Unternehmen bestehen immer die oben erwähnten Länderrisiken. Anleger können über multinationale Konzerne am Wachstum der Schwellenländer partizipieren. Firmen wie die Agrarproduzenten Monsanto oder Syngenta, der Düngemittelhersteller Potash, Nestle oder Apple machen einen erheblichen Teil ihres Umsatzes außerhalb der Industrienationen.

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