Jedes Jahr gehen viele hundert Hedge-Fonds ein
„Wir werden noch mehr Pleiten sehen“

„Die Bear-Stearns Krise bereitet den Anlegern mehr Sorgen als der Zusammenbruch des Hedge-Fonds Amaranth“, meint Michael Ridley, Co-Leiter des weltweiten Anleihegeschäfts der Investmentbank JP Morgan. Amaranth war der letzte Härtetest für die Hedge-Fonds-Branche.

LONDON. Im Herbst 2006 verbrannte der Starhändler Brian Hunter mit einer Wette auf den Erdgaspreis innerhalb einer Woche sechs Mrd. Dollar. Der Fonds brach zusammen, allerdings ohne bleibenden Schaden an den Märkten zu hinterlassen, obwohl Amaranth zwei Mrd. Dollar mehr verloren hatte als der Pleitefonds LTCM. 1998 konnte die amerikanische Notenbank die drohende Pleite von LTCM nur mit einer spektakulären Rettungsaktion verhindern. Die Währungshüter fürchteten, dass ein Kollaps des Fonds, die Stabilität des Weltfinanzsystems gefährdet hätte. Dagegen lief die Abwicklung von Amranth im vergangenen Jahr weitgehend reibungslos.

„Wir werden noch mehr Fälle wie Bear Stearns sehen“, warnt Cormac Weldon von der Fondsgesellschaft Threadneedle. Im Moment sei es noch sehr schwierig zu erkennen, „wo die Leichen der Sub-Prime-Krise im Keller liegen“. Allerdings wäre es falsch den Fall mit dem LTCM-Kollaps zu vergleichen, betont der Fondsmanager. Heute seien die Risiken im Finanzsystem viel breiter und besser verteilt. Auch Investmentbanker Ridley erwartet nicht, dass die Bear Stearns-Krise den Anlegern „ihren Risikoappetit völlig verdirbt“.

Längst hat die Subprime-Krise auch den vornehmen Londoner Stadtteil Mayfair erreicht, wo die große Mehrheit der europäischen Hedge-Fonds ihren Sitz hat. Allerdings fallen die Verluste hier im Vergleich zu Bear Stearns noch vergleichsweise bescheiden aus.

Eine börsennotierte Tochter des Fonds Cheyne Capital musste einräumen, dass sie im abgelaufenen Geschäftsjahr wegen der akuten Probleme auf dem amerikanischen Immobilienmarkt einen Verlust von rund 68 Mill. Dollar verkraften musste. Ähnlich erging es dem Hedge-Fonds Caliber Global Investment, der mit neun Mill. Dollar in die roten Zahlen rutschte. Stuart Fierze, der Gründer von Cheyne weißt allerdings darauf hin, dass die Situation nicht mit der von Bear Stearns vergleichbar sei. „Wir verfügen über Barreserven von 50 Mill. Euro und haben die Risiken des Fonds deutlich reduziert“.

„Es gibt mit Sicherheit noch mehr Fonds, die auf das falsche Pferd gesetzt und schmerzhafte Verluste eingefahren haben“, meint ein Londoner Hedge-Fonds-Manager. Der Experte weist aber darauf hin, dass viele Fonds auch Geld mit der Sub-Prime-Krise verdienten, weil sie bereits vor Monaten auf Verluste in diesem Segment gesetzt hätten. „Das kluge Geld hat sich schon lange aus dem Sub-Prime-Sektor verabschiedet“.

Hintergrund: Hedge-Fonds haben in den vergangenen Jahren einen enormen Aufschwung hinter sich gebracht. Während der großen Börsenkrise nach der Jahrtausendwende entdeckten viele Anleger den Reiz der kaum regulierten Fonds, die mit ihren komplexen Wetten auf Aktien, Devisen, Anleihen oder Rohstoffe und andere Vermögensarten auch bei fallenden Kursen Gewinne machen können.

1990 existierten weltweit weniger als 1 000 Hedge-Fonds, die Anlegergelder im Wert von 39 Mrd. Dollar verwalteten. Heute steigt die Zahl rasant in Richtung 10 000 und die Schätzungen für das verwaltete Vermögen liegen zwischen 1,5 und 2 Bill. Dollar.

Trotz des rasanten Wachstums gehen jedes Jahr viele hundert Fonds ein, die meisten davon völlig geräuschlos. Allein in der Steueroase Cayman Islands, wo viele Hedge-Fonds ihren juristischen Sitz haben, gaben im vergangenen Jahr 770 Fonds auf. Im ersten Quartal 2007 gingen 80 Hedge-Fonds auf den Cayman Inseln ein, dafür wurden allerdings gleichzeitig 1 900 neue gegründet.

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