Joachim Faber, Jay Ralph
„Die Achterbahnfahrt wird noch Monate anhalten“

Hedge-Fonds als Sündenböcke, Regierungen als Krisengewinner: Im Interview erklären Joachim Faber und Jay Ralph von der Allianz, welche Rolle Spekulanten in der Schuldenkrise spielen und wie es an den Märkten weitergeht.
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Handelsblatt: Herr Faber, Herr Ralph, wann kommen die Märkte endlich zur Ruhe?

Faber: Ich fürchte, man kann den Anlegern wenig Hoffnung auf eine schnelle Stabilisierung machen. Diese täglichen Achterbahnfahrten werden noch einige Monate anhalten.

Ralph: Das wird nicht enden, bis sich nicht wenigstens eine Lösung der Krise in Europa abzeichnet.

Wann also werden die Märkte Ruhe geben?

Ralph: Sicher nicht, bis zumindest der Weg absehbar ist, der zu einer Fiskalunion Europas führt.

Und eine solche Fiskalunion ist unumgänglich?

Ralph: Naja, ich denke, man braucht zumindest eine europäische Einigung darauf, wie man die Ausgaben kontrolliert. Wenn die Märkte sehen, dass sich das abzeichnet, wird es ruhiger werden.

Im Moment suchen die Politiker und die Öffentlichkeit einen Schuldigen für die Reaktion der Märkte. Sind es wirklich die „bösen Hedge-Fonds“, die Griechenland und den Euro kaputtspekulieren?

Ralph: Zunächst muss man mal festhalten, dass nicht die Märkte die Probleme geschaffen haben.

Faber: Richtig. Die Märkte reagieren lediglich auf diese Probleme. Und Hedge-Fonds werden immer schnell als die Sündenböcke bezeichnet. Aber in der Realität haben die lediglich ein Marktvolumen von zwei Billionen Dollar, also ungefähr so viel, wie wir an Kundengeldern verwalten. Das ist im Vergleich zum Volumen des Gesamtmarkts wenig.

Wer ist denn dann der Schuldige?

Faber: Es gibt eine Menge Marktteilnehmer. Ich denke, die Eigenhandelsabteilungen der Banken mit ihren Geschäften an den Derivatemärkten tragen vor allem zu den Schwankungen bei.

Aber seien wir doch mal ehrlich. Wenn einer Ihrer Fondsmanager vom Wertverlust einer Währung profitieren kann, erwarten Sie doch auch, dass er dies tut, um Geld zu verdienen, oder?

Faber: Unsere Investoren sollen in Stärke investieren und Schwäche verkaufen. Und das ist ein Prinzip, das in der ganzen Welt gilt und absolut in Ordnung ist. Wenn es schwache Regierungen gibt, die schlechte Entscheidungen treffen, dann werden die Märkte das bestrafen, und das ist in Ordnung.

Und wo ist dann der Unterschied zwischen den Banken und Ihren Fondsmanagern?

Faber: Mit einem langfristigen Horizont produziert man meistens den richtigen Druck auf eine Regierung, zu den richtigen Entscheidungen zu kommen. Aber wenn man auf Tages- oder Monatsbasis investiert, wird es problematisch. Aber das tun unsere Investoren nicht.

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„Wir brauchen eine Art Marshall-Plan für Griechenland und Portugal“

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  • klingt logisch was die beiden sagen. Immer wieder wichtig und auch meine Meinung: wer und was ist die Ursache des ganzen Desasters? Das sind doch die Staaten, die Schulden über Schulden auftürmen! Von den Banken und Versicherungen wurde doch erwartet, dass sie "sichere" Staatsanleihen kaufen. Man stelle sich mal vor welchen Aufschrei die Politik gemacht hätte, wenn sich das böse Kapital frühzeitig der Staatsfinanzierung verweigert hätte. Auch dann wären die Banken die Bösen gewesen. Dass letztere auch viel dazu beitragen ist sicher unbenommen, aber der Auslöser sind die Staaten und da gehört Deutschland mit seinem riesigen Defizit auch dazu.

  • Die Spatzen pfeifen es mittlerweile vom Dach. Dieses nullsummenbasierende Schuldgeldsystem und das darauf basierenden neokapitalistische Wirtschaftssystem geht nun unweigerlich zu Grunde. Und das zu Recht. Die Medien haben lediglich die Aufgabe die Massen weiter zu desinformieren, damit sich die Systemgünstlinge bis zum feststehenden Crash noch absichern können indem sie aus dem zusammenstürzenden Geldsystem aussteigen können um in Realwerte etc. zu gehen.

  • Wie wenn das von Bedeutung wäre, ob einer orthographische Fehler erzeugt in seinem Kommentar. Ich vertippe mich oftmals und hab keine Zeit dazu, das noch mal Korrektur zu lesen, weil ich Kommentare zwischendurch nur abgeben kann. Hier geht es um Meinunen, nicht in erster Lineie um Orthografie, Ortho. :-)

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