K1 Fonds
Geldanlage-Skandal erreicht Liechtenstein

Die Affäre um den mutmaßlichen deutschen Anlagebetrüger Helmut Kiener bekommt eine internationale politische Dimension. Nach Recherchen des Handelsblatts gibt es eine direkte Verbindung zwischen Kiener und der Justizministerin von Liechtenstein, Aurelia Frick. Dokumente belegen: Frick vertrieb Fonds für den Aschaffenburger Finanzjongleur.
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DÜSSELDORF. Die Affäre um den mutmaßlichen deutschen Anlagebetrüger Helmut Kiener bekommt eine internationale politische Dimension. Nach Recherchen des Handelsblatts gibt es eine direkte Verbindung zwischen Kiener und der Justizministerin von Liechtenstein, Aurelia Frick. Dokumente, die dem Handelsblatt vorliegen, weisen Frick als Direktorin der Londoner K1 Fund Distribution Ltd. aus – einer Vertriebsgesellschaft des inzwischen berüchtigten K1 Fonds von Helmut Kiener. Der Aschaffenburger Psychologe soll durch Betrug und Untreue einen Schaden von 400 Mio. Euro angerichtet haben. Er sitzt seit Oktober in Untersuchungshaft.

Frick, seit März 2009 Justiz- und Außen- und Kulturministerin ihres Landes, zeichnete als Direktorin von K1 Fund Distribution für den Jahresabschluss 2007 verantwortlich. Neben ihrer Tätigkeit ab August 2008 war sie dort auch Gesellschafterin. In ihrem offiziellen Lebenslauf wird K1 nicht erwähnt. Ihr Direktorenamt gab sie im Dezember 2008 ab – genau zu der Zeit, als laut Justizkreisen die Ermittlungen der deutschen Staatsanwaltschaft begannen. Neuer Direktor von K1 Distribution wurde Anton Frick, ihr Vater.

Ein Regierungssprecher des Fürstentums bestätigte die Recherche des Handelsblatts in Sachen Frick. Nachdem ihren Bitten um Information zur Geschäftstätigkeit der K1 nur unbefriedigend nachgekommen worden sei, habe sie ihr Mandat jedoch niedergelegt, sagte er. Warum Frick trotzdem den K1-Jahresabschluss unterzeichnete, sei ihm nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft Würzburg, die gegen Kiener ermittelt, sagte auf Anfrage, bisher gehöre Aurelia Frick nicht zu den Beschuldigten in diesem Fall.

In der K1-Affäre sind inzwischen auch die liechtensteinischen Behörden aktiv. Staatsanwalt Robert Wallner bestätigte, es werde gegen fünf Personen wegen des Verdachts auf Geldwäsche ermittelt. Justizministerin Frick sei nicht unter den Verdächtigen, betonte er. Ob gegen Fricks Vater ermittelt werde, wollte er nicht sagen. Justizministerin Frick ist nun in Erklärungsnot. Die K1-Firma K1 Fund Distribution, bei der erst sie und dann ihr Vater die Verantwortung trug, ist eingetragen auf eine Londoner Adresse, doch es existiert weder eine Internetseite noch eine Telefonnummer. Bei der britischen Telefonauskunft findet sich lediglich eine E-Mail-Adresse.

Der Fall Kiener gilt in Finanzkreisen als besonders spektakuläres, aber auch besonders ernüchterndes Beispiel eines mutmaßlichen Anlagebetrugs. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin untersagte Helmut Kiener bereits im September 2001, für seine K1 Fonds Geld einzusammeln und anzulegen. Dieses Verbot hielt jedoch weder große Banken noch Tausende von privaten Anlegern davon ab, bei den Kiener-Fonds zu investieren. Die Geschäfte liefen dabei nicht direkt über Kiener, sondern über ein riesiges Netzwerk von verbundenen Unternehmen. In den Prospekten war jedoch immer klar, dass es sich um die Fonds von Kiener mit ihren angeblichen Renditen von bis zu 40 Prozent handelte. Insgesamt sollen Anleger Kiener bis zu eine Mrd. Euro anvertraut haben.

Die Kiener-Anleger erhielten jetzt Post vom Insolvenzverwalter Grant Thornton, der die Kiener-Fonds auf den British Virgin Islands liquidieren soll. In einem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, geht Grant Thornton von mindestens 5 000 ausländischen Gläubigern aus und empfiehlt ihnen, ihre Forderungen möglichst rasch anzumelden.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " K1 Fonds: Geldanlage-Skandal erreicht Liechtenstein"

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  • Es ist schon atemberaubend, mit welcher Geschwindigkeit sich die organisierte Finanzspekulationskrimminalität in unseren breiten ausbreitet.
    Aber das ist vielleicht auch ganz gut so.
    Es bedurfte stets eines totalen Zusammenbruchs von totalitären Systemen, bevor eine neue gesellschaftsdienlichere Gesellschaft organisiert werden konnt.
    Hoffen wir also alle auf den baldigen Totalcrash und befördern wir ihn durch die Flucht in Sachwerte.
    Dann stürzt das ganze fragile Wahnweltsystem der Finanzspekulation in sich zusammen.

  • Guten Tag,......... Meine Hochachtung, Sie sagen laut dass mann die boecke zu Gaertnern macht. Lassen Sie sich nicht von den Saecken einschuchtern. ich bin ueberzeugt dass mann alles aber auch alles versuchen wird um das Handelsblatt zum Schweigen zu bringen. Recherschieren Sie weiter. Aber es ist nicht nur in Liechtenstein so. Alle die so laut schreien sie waeren kooperativ haben die tollsten Leichen im Keller. ich weiss wovon ich rede. besten Dank und viel Erfolg.

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