Kapitalabflüsse
Was die Hedgefonds wanken lässt

Die Hedgefonds-Branche ist in Aufruhr. Einst erfolgreiche Manager schmeißen das Handtuch, andere warnen vor einem baldigen Absturz. Und selbst Warren Buffett rät Anlegern, die Finger von der Branche zu lassen.

New YorkDoug Dillards Werdegang sieht aus wie einer, der fast immer in die Top-1-Prozent der Bevölkerung führt: Gute Uni (Georgetown), Karriere bei einer Investmentbank (Morgan Stanley), dann noch ein MBA in Harvard. Ein Jahrzehnt nach Abschluss der Business School leitete er Standard Pacific Capital, eine Multi-Milliarden-Dollar-Firma, die Aktien aus aller Welt handelte. Sie schlug sich gut, verdiente sogar Geld beim Markteinbruch von 2008.

In den Jahren nach der Finanzkrise gelang es ihm aber nicht, mit dem Bullenmarkt Schritt zu halten – ein Schicksal, das auch viele andere Hedgefonds-Manager teilen. Investoren kehrten ihm den Rücken. Im Februar, als die Aktiva unter die Marke von 500 Millionen Dollar rutschten, zog Dillard die Reißleine.

Er ist offenbar nicht der einzige, der glaubt, dass die guten Zeiten für die Hedgefonds-Branche vorbei seien. Am 26. April schrieb Third-Point-Manager Dan Loeb, einer der bekanntesten Vertreter seiner Zunft, in einem Brief an Investoren, dass sich die Branche „am Anfang eines Absturzes” befinde. Und bei der Jahreshauptversammlung von Berkshire Hathaway Ende April riet Investment-Legende Warren Buffett Anlegern dazu, ihr Geld von Hedgefonds fernzuhalten – wegen deren hohen Gebühren und schlechten Erträgen.

Hedgefonds hatten auch schon in der Vergangenheit schwere Zeiten durchlebt, doch diesmal ist es beunruhigend. Denn die breitere Investment-Welt befindet sich keinesfalls in einem Krisenmodus. Der S&P 500 Index konnte nach einem schwachen Jahresstart 2016 im ersten Quartal immerhin um rund 1,3 Prozent zulegen. Zum Vergleich: Hedgefonds büßten im selben Zeitraum im Durchschnitt etwa 0,6 Prozent ein.

„Die Leute machen sich Sorgen um ihre Jobs”, sagt Immobilien-Makler Edward Magi von William Pitt Sotheby’s in Southport, Conn., einer Gegend, die bei Hedgefonds-Mitarbeitern beliebt ist. Zwei Multi-Millionen-Dollar-Transaktionen seien in diesem Jahr gescheitert, weil die Käufer ihre Arbeit verloren hätten.

Die Angst in der Branche ist, dass das Geschäftsmodell von Hedgefonds nicht mehr funktioniert. Die Ursprünge des Ärgers liegen in der Zeit nach der Krise von 2008. Der damalige Markt-Zusammenbruch verleitete viele dazu, sich von Ramsch-Anleihen und anderen weniger liquiden Anlagen zurückzuziehen. Inzwischen sind rund die Hälfte aller Hedgefonds-Aktiva auf Aktien fokussiert laut Daten von Hedge Fund Research. Mehr Manager dürften einen begrenzten Korb an Handelsideen jagen – durch den Zustrom sinken unterm Strich die Erträge.

Und nicht nur das. Laut „Absolute Return” haben 312 Firmen mindestens eine Milliarde Dollar an Aktiva. Einige potenziell profitable Markt-Nischen sind schlichtweg zu klein, damit diese Fonds hier investieren können.

In den vergangenen beiden Quartalen haben Investoren mehr Geld aus Hedgefonds abgezogen als neu investiert. Die Differenz liegt bei fast 17 Milliarden Dollar - der größte Nettoabfluss seit 2009.

Angesichts der schlechten Entwicklung verlangen zahlreiche Investoren von angeschlagenen Fonds, dass sie ihre Gebühren senken. Diese liegen in der Regel bei zwei Prozent der Aktiva. Hinzu kommt typischerweise eine Gewinnbeteiligung von 20 Prozent.

Wie dem auch sei: Hedgefonds verwalten noch immer 2,86 Billionen Dollar, etwa eine Billion Dollar mehr als 2007. Und viele Investoren können den Rendite-Versprechen von Hedgefonds nicht widerstehen, verglichen mit einem einfach gestrickten Investment-Portfolio. Wer beispielsweise im Februar 1977 eine Summe von 100.000 Dollar in den S&P 500 gesteckt hätte, würde heute über sechs Millionen Dollar verfügen. Derselbe Betrag wäre durch eine Anlage bei Paul Singers Elliott Management nach Gebühren auf über 14 Millionen Dollar angeschwollen.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
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