Kapitalanlagegesellschaften bauen aufwändige Kontrollsysteme auf
Kennzahlen sollen beim Steuern von Anlagerisiken helfen

Das Risikomanagement spielt im Hedge-Fonds-Segment eine wichtige Rolle. Zielfonds müssen laufend überwacht werden. Ein effizientes System stellt hohe Anforderungen.

HB DÜSSELDORF. Seit der Einführung des Investmentmodernisierungsgesetzes (InvG) dürfen Kapitalanlagegesellschaften (KAG) Hedge-Fonds in der Form von Dach- oder Einzelfonds auflegen. Einige bisher in Deutschland zugelassene Hedge-Fonds basieren auf Konzernlösungen; das heißt, in die Zusammenarbeit mit der inländischen KAG sind im Wesentlichen konzerneigene, auf alternative Investments spezialisierte Asset Manager eingebunden. Daneben suchen insbesondere ausländische Hedge-Fonds-Anbieter Kooperationen mit deutschen Kapitalanlagegesellschaften, um über eine Master-KAG ihre Dienste als Hedge-Fonds-Manager anzubieten.

Bei der Auflage von Dachfonds stehen der Aufbau und die Strukturierung eines Risikomanagementsystems sowie die Anpassung des Investmentprozesses im Vordergrund. Sowohl die Auswahl der Fondsmanager und Zielfonds als auch die laufende Überwachung sind Bestandteile des Risikomanagementsystems. Nach § 113 Abs. 5 InvG hat die KAG hierzu sämtliche für die Anlageentscheidung notwendigen Informationen über die Zielfonds einzuholen und diese in Bezug auf die Einhaltung der Anlagestrategien und Risiken laufend zu überwachen. Des Weiteren muss sich die KAG regelmäßig allgemein anerkannte Risikokennziffern vorlegen lassen. Das Ziel eines Risikomanagementsystems ist es, Fehlentwicklungen auf Ziel- oder Dachfondsebene frühzeitig zu erkennen.

Bestandteil des Risikomanagement ist die so genannte Due Diligence (Auswahl und Überprüfung) von Zielfonds. Hierbei sind Informationen über das Fondsmanagement, die interne Organisation und die Infrastruktur des Fonds, die Anlagestrategien und Anlagerichtlinien und das Risikomanagement einzuholen.

Zielfonds laufend überwacht

Die KAG muss diese Faktoren bewerten und in einen nachvollziehbaren Prozess der Erwerbsprüfung integrieren. Hierbei spielen neben quantitativen Aspekten, die sich unter anderem mit Hilfe von marktgängigen Kennzahlen abbilden und bewerten lassen, auch qualitative Faktoren eine große Rolle. So können etwa die rechtliche und organisatorische Struktur eines Zielfonds, die Analyse der operativen Prozesse oder personelle Veränderungen die Risikobewertung erheblich beeinflussen. Grundsätzlich sind die Durchführung und die Ergebnisse der Due Diligence im Einzelfall zu dokumentieren.

Nach der Investition muss die KAG den Zielfonds hinsichtlich der Einhaltung der Anlagestrategien und Risiken mit Hilfe anerkannter Risikokennziffern laufend überwachen. Sie muss den Aufbau des Risikomanagements daher mehrstufig konzipieren, das heißt neben der Aufbereitung der erhaltenen Risikokennziffern diese analysieren und bewerten.

Risikomanagementsystem - schwierige Aufgabe

Es ist zu entscheiden, welche Kennziffern in Abhängigkeit von der Strategie des Hedge-Fonds sinnvoll für die Risikomessung eingesetzt werden können. Auch die Berechnungsmethoden der Risikokennziffern sind zu beurteilen. Dabei ist zu fragen, in welchem zeitlichen Abstand die Angaben eingeholt werden müssen, ob eine völlige Positionstransparenz erforderlich ist. Während es Zielfonds gibt, die vollständige Transparenz bieten, stellen andere auf wöchentlicher oder monatlicher Basis Berichte zur Verfügung. Die Vorgabe der völligen Transparenz der Einzelpositionen ist im InvG nicht umgesetzt worden, da dies bei bestimmten Strategien nicht sinnvoll erscheint. Allerdings sollte das Ziel einer größtmöglichen Transparenz weiter verfolgt werden. Ein anderes Problem stellt sich bei der Strukturierung des Risikomanagementsystems durch die Menge der Daten. Je nach Anzahl der Zielfonds, der Risikokennziffern und dem Reporting-Turnus ergibt sich eine Informationsflut, die sinnvoll kontrolliert werden muss.

Die Überwachung der Zielfonds setzt voraus, dass die KAG einen Auswertungsprozess der Kennziffern implementiert und ihre Reaktionen bei Erreichen gewisser Grenzen definiert. Die Einrichtung eines Risikomanagementsystems bei der Auflegung von Dachfonds stellt hohe organisatorische Anforderungen.

Oliver Heist ist Partner der Ernst & Young AG, einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Frankfurt.

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