Kapitalausfälle laut Branchenexperten nicht zu verhindern
Hedge-Fonds droht strengere Regulierung

Der Ruf nach einer weltweiten Regulierung von Hedge-Fonds wird lauter. Bundeskanzler Gerhard Schröder wird sich beim laufenden G8-Gipfel in Schottland für mehr Transparenz bei Hedge-Fonds einsetzen. Damit hat Schröder nach Auffassung des Bundesverbands privater Banken erst „ein Steinchen ins Rollen“ gebracht. Der Verband forderte gestern eine Regulierung der Hedge-Fonds, um Risiken für Unternehmen und Anleger einzugrenzen.

BERLIN/FRANKFURT/M./MONTE CARLO. Hedge-Fonds sind Investmentvehikel, die durch verschiedene Strategien versuchen, aus Marktbewegungen Gewinn zu erzielen. Die Debatte um eine stärkere Regulierung von Hedge-Fonds wird weltweit intensiv geführt. Grund ist das starke Wachstum der mittlerweile rund 8 000 Fonds mit einem Volumen von rund 1 000 Mrd. Dollar. Das schürt Sorgen über den Ausfall eines derartigen Fonds mit Nachteilen für das ganze Finanzsystem, da diese Kapitalsammelstellen häufig ein Vielfaches des eingesetzten Kapitals bewegen (Leverage).

Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, hatte Hedge-Fonds als „schwarze Löcher des Weltfinanzsystems“ bezeichnet. Er schätzt die Chancen einer weltweiten Regulierung nicht sonderlich hoch ein. Einige Länder zeigten bislang keine Bereitschaft, weltweit verbindliche Regeln für Hedge-Fonds zu entwickeln. Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, forderte gestern, dass zunächst die Banken als Finanziers von Hedge-Fonds ihr Risikomanagement weiter verbessern müssten.

Nach Einschätzung von Branchenexperten sind selbst bei einer schärferen Regulierung von Hedge-Fonds Kapitalausfälle nicht auszuschließen. „Aufsichtsbehörden und Regeln können eine Pleite nicht verhindern“, sagte Amin Rajan. Der Chef der Londoner Consultingfirma Create zählt zu jenen rund 1 500 Experten für Vermögensverwaltung, die derzeit auf dem größten europäischen Branchentreff für Asset-Manager in Monaco das Thema diskutieren. „Die Anforderungen an Hedge-Fonds steigen, auch in Europa“, stellte James Riepe, Chef der großen US-Fondsgesellschaft T. Rowe Price, fest. „Der wichtigste Mann ist nicht mehr der Fondsmanager, sondern der Compliance Officer, der intern die Einhaltung von Regeln kontrolliert“, sagte Riepe.

Dennoch sehen die meisten Vertreter der Hedge-Fonds-Häuser kaum Belastungen für ihr eigenes Geschäft durch höhere Anforderungen von Aufsichtsbehörden. Der Grund liegt in den unterschiedlichen Geschäftsmodellen. „Wir müssen nicht wachsen, um Geld zu verdienen, das ist anders als bei traditionellen Fonds“, sagte der Vertreter einer großen Hedge-Fonds-Adresse. Im Gegensatz zu traditionellen Investmentfonds beziehen Hedge-Fonds den Großteil ihrer Einnahmen aus Erfolgsbeteiligungen, beispielsweise sind sie mit 20 Prozent am Ertrag beteiligt. Sie können daher mit geringen Volumina viel Geld verdienen, während Investmentfonds nur einen fixen Prozentsatz aus dem Vermögen abzweigen, bei Aktienfonds beispielsweise häufig 1,5 Prozent.

Einige Asset-Manager befürworten zwar eine stärkere Regulierung, haben dabei aber meist spezielle Problempunkte im Auge. So sorgt sich die frühere Star-Fondsmanagerin von Morgan Grenfell, Nicola Horlick, um denkbaren Insiderhandel zwischen Hedge-Fonds und deren Brokern. „Hedge-Fonds sind extrem wichtige Partner für Broker, weil sie häufig handeln und ihnen daher hohe Einnahmen bescheren – da könnten Informationen über Trades auch schon einmal früher fließen“, sagte sie. Nach Berechnungen der Researchfirma Caceis Investor Services war im vergangenen Jahr die Hälfte des Handelsvolumens an der New Yorker Börse Aktivitäten von Hedge-Fonds zuzuschreiben.

Die meisten Branchenvertreter sehen jedoch wenig Gewinn durch höhere aufsichtsrechtliche Anforderungen. „Institutionelle Anleger üben starken Druck aus, sie wollen mehr Informationen und mehr Transparenz – insoweit muss man gar nicht mehr an der Regulierungsschraube drehen“, sagt Michael Green, Chef des Europageschäftes von Morgan Stanley Investment Management. Diese Meinung wird von vielen seiner Kollegen geteilt. Per saldo ist die Branche zuversichtlich für das weitere Wachstum. Laut einer gerade vorgelegten Umfrage von KPMG und Create rechnen 44 Prozent der Beteiligten in den kommenden drei Jahren mit Wachstumsraten von elf bis 20 Prozent.

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