Kapitalmarktexperte im Interview
„Emerging Markets bewegen sich auf Krisenniveau“

Die Märkte werden volatiler, vor allem in den Schwellenländern. Doch für Langfristanleger gibt es dort mehr Chancen als Risiken, ist Anlagestratege Karsten Stroh von JP Morgan überzeugt. Auch Europa ist interessant.
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Ist die Börsen-Party vorbei?
Offensichtlich ist, dass die Marktteilnehmer wieder unruhiger geworden sind, allerdings sind Aktien aus Europa fundamental nicht teuer. Vor allem im Vergleich zu anderen Anlageformen wie der Bankeinlage sind Aktien attraktiv. Der Weg nach Oben ist weiterhin möglich, gleichwohl erfolgt ein solcher Weg nicht linear.

Apropos linear: Zuletzt gab es einige Turbulenzen, vor allem in den Schwellenländern. Wie schätzen Sie das ein?
Auch in den Schwellenländern wird es volatiler. Und mit einem Kurs-Buchwertverhältnis in den Emerging Markets, das sich aktuell auf Krisenniveau bewegt, sollten langfristig orientierte Anleger in den Wachstumsregionen der Welt mehr Chancen als Risiken sehen. Insbesondere, wenn wir uns die Prognosen anschauen. So rechnet JP Morgan Bank mit einem Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern für 2014 von 4,7 Prozent. Für die entwickelten Wirtschaftsnationen stellt sie ein Wachstum von 2,1 Prozent in Aussicht. Erfreulich ist, dass Europa nach einem Jahr schrumpfender Wirtschaftsleistung in 2014 wieder wachsen sollte, nämlich 1,0 Prozent.

Die Angst vor dem Tapering, also dem Auslaufen des gigantischen Anleihekaufprogramms der US-Notenbank Fed, ist noch immer zu spüren…

…aber sie lässt nach. Die Märkte stecken das Tapering mittlerweile viel besser weg als beispielsweise im vergangenen Mai, als Ex-Notenbankchef Ben Bernanke erstmals laut darüber nachdachte, die Anleihekäufe zu reduzieren. Insgesamt geht die US-Notenbank besonnen mit der schrittweisen Verringerung ihrer Anleihekäufe um. Sie hat im Januar damit begonnen ihr Engagement von 85 Milliarden US-Dollar auf 75 Milliarden Dollar zu reduzieren. Erleichtert reagierten die Märkte auf die ersten Äußerungen der neuen Notenbankchefin Janet Yellen, die die US-Wirtschaft ebenfalls konstruktiv begleiten wird.

Warum reagieren die Märkte mittlerweile konstruktiver auf die amerikanische Notenbankpolitik?
Es fehlen nach wie vor die Anlagealternativen – Stichwort Nullzinspolitik. Denn auch wenn das Tapering im laufenden Jahr abgeschlossen wird und wir keine weiteren Anleihekäufe mehr sehen werden, wird uns die Nullzinspolitik noch eine Weile erhalten bleiben. Dieser Sachverhalt stützt die Aktienmärke. Außerdem hat sich die Weltwirtschaft weiter erholt, ist heute robuster als noch vor einem oder anderthalb Jahren.

Und das honorieren die Märkte?

So ist es. Allerdings spielt die absolute Wachstumsrate dabei eine weniger große Rolle, als man denken könnte. Historisch betrachtet honorieren die Märkte eher Verbesserungen der wirtschaftlichen Entwicklungen als denn das absolute Wachstumsniveau. Und genau das erleben wir seit einiger Zeit.

Kommentare zu " Kapitalmarktexperte im Interview: „Emerging Markets bewegen sich auf Krisenniveau“"

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  • Schauen Sie sich diesen Herren an.

    Welches Risiko geht er persönlich mit diesen Aussagen? Was passiert, wenn seine Empfehlungen doch falsch sind, weil sie sich auf die Vergangenheit beziehen? Wer bezahlt dann die Zeche?

    Kann er besser auch nur 10 Sekunden weit in die Zukunft sehen als irgendjemand anderes?

    Egal, was die Märkte machen, es geht nicht um sein persönliches Geld und er kassiert weiterhin sein 6-7stelliges Gehalt. Da lässt es sich einfach über günstige Anlagezeitpunkte reden.

    Womit haftet die Redakteurin, Frau Schwarzer, wenn diese Aussagen falsch sind? Auch überhaupt nicht. Sie stellt ja nur eine Informationsfläche zur Verfügung für den mündigen Anleger.

    Die hier zitierten Aussagen sind genauso objektiv wie die Arzneiberichte in der Apotheken-Umschau oder Autotests des ADAC.

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