„Kaufe in pessimistischen Zeiten“
Experten loben den Klassiker

Der Templeton Growth Fund feiert seinen 50. Geburtstag. Er folgt der Devise „Investiere geduldig und langfristig“, ist wegen seiner Größe zwar als Basisinvestment zu empfehlen, genau deshalb aber auch eher langweilig.

FRANKFURT/M. Er ist nicht nur einer der ältesten Fonds weltweit und der größte Aktienfonds in Deutschland, sondern auch einer der erfolgreichsten. Der Templeton Growth Fund, der Ende November seinen 50. Geburtstag feiert, wird denn auch ausgiebig gelobt: „Einer der wenigen Klassiker in der Branche, der Modetrends widersteht und mit seiner weltweiten Ausrichtung das Urbild eines Fonds darstellt“, sagt Lars Kolbe, Leiter Fonds-Research beim Ratinghaus Feri Trust. „Ein Vorbild für viele Konkurrenten“, lobt auch Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer beim Ratinghaus Fonds Consult.

Seit 50 Jahren legen die Fondsmanager das Kapital nach den vom Gründer und Fondsmanager der ersten 33 Jahre, John Templeton, festgeschriebenen Maximen an. „Wir versuchen täglich, die Regeln umzusetzen“, sagt Murdo Murchison, der den Fonds als dritter Manager seit 2001 steuert. Vor allem zwei Thesen betont der 38-Jährige, der von den Bahamas aus unterbewertete Aktien sucht: „Kaufe in pessimistischen Zeiten“ und „Investiere geduldig und langfristig“. Am liebsten sind ihm daher Aktien, die niemand mag. Aktuell setzt Murchison auf den geprügelten britischen Medienwert BskyB, deren neuer Chef James Murdoch nicht gefalle, dessen „Nachname aber überzeugt“. Und VW werde trotz aktuellen Ärgers als einer der besten Autobauer Europas die Kosten in den Griff bekommen.

Billige und mit Blick auf die kommenden fünf Jahre aussichtsreiche Aktien wählt der Schotte ausschließlich von einer so genannten Schnäppchen-Liste mit 180 Titeln aus, die er und die anderen 33 Fondsmanager und Aktienanalysten des US-Fondhauses Franklin Templeton bestücken. Als eine der größten Herausforderungen betrachtet es Murchison, der Versuchung zu widerstehen, schnellem Ertrag nachzujagen. Der abgeschiedene Arbeitsort Nassau helfe, die derzeitige Unruhe an den Märkten zu ignorieren.

Dennoch passieren Fehler: Als Patzer beschreibt Murchison oft, dass er Nortel 2002 kurz vor einem Absturz gekauft und nicht die Geduld gehabt habe, die Kurserholung abzuwarten. Und 1998 zu Beginn des Tech-Hypes, als der Fonds mit seiner Abneigung gegenüber Wachstumsaktien ohnehin hinter Konkurrenten hinterher hinkte, belastete der damalige Fondsmanager Mark Holowesko die Performance zusätzlich mit einer starken Lateinamerika- Ausrichtung. Doch Fehler toleriert man im Hause Templeton: Zwei von drei Investments müssten richtig sein, um langfristig Erfolg zu haben, findet der Firmengründer. Ein einzelner Fehler wiegt in einem über 103 Aktien global gestreuten Portfolio von gut 15 Mrd. US-Dollar auch weniger schwer als in einem sehr konzentrierten Fonds. Dies und die langfristige Ausrichtung bringe dem Anleger Stabilität, sagt Heiko Nitzsche von Standard & Poor's Investment Services.

Weil sich der Fonds im vergangenen halben Jahrhundert überwiegend besser und stabiler entwickelte als Konkurrenz und Vergleichsindex MSCI World, sparen die Fondsratinghäuser nicht mit guten Noten. Murchison und Holowesko liegen mit Blick auf die vergangenen fünf wechselhaften Börsenjahre mit einem Wertzuwachs von durchschnittlich 3,6 Prozent im Jahr auf Rang elf unter knapp 200 Fonds. Der MCSI World hat hingegen 5,5 Prozent jährlich verloren.

Allerdings kommt ein solcher Riesen-Fonds schon mal „langweilig“ daher, sagt Nitzsche. Wegen seiner Größe kann der Fonds keine aggressiven Wetten auf kleinere Titel eingehen, da er die Kurse bestimmen würde. „Der Fonds ist nichts für Trader“, sagt der S&P-Mann.

Er gilt hingegen als Basis-Investment für jeden Aktienanleger. Da Murchison auch Strategien mit Anleihen und Bargeld fahren darf und keinem Börsenindex verpflichtet ist, empfehlen Berater den Fonds sogar für konservativere Anleger. Gerade bei den für die kommenden Jahre erwarteten schwankenden, sich eher seitwärts bewegenden Börsen könnten gute Stockpicker Indizes schlagen, sagt Kolbe.

Für europäische Investoren hat Franklin Templeton den Subfonds Templeton Growth Euro Fund, geschaffen, der sich durch steuerlich einfachere Regeln, aber auch durch höhere Gesamtkosten vom Original unterscheidet. Mit dem rund viermal so großen Volumen des Ur-Fonds und höheren Vertriebskosten begründet Templeton die mit zwei Prozent fast doppelt so hohen laufenden Kosten. Beim Ausgabeaufschlag erhalten Anleger Rabatt bei unabhängigen Finanzanbietern.

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