Keine Wohngebäude bei Reits
Bund macht Immobilien börsenfähig

Das lange Tauziehen um das Gesetz für die Schaffung börsennotierter Immobilien-Aktiengesellschaften in Deutschland ist beendet. Die große Koalition hat sich jetzt auf einen Gesetzentwurf für die so genannten Reits (Real Estate Investment Trusts) geeinigt, der am kommenden Donnerstag vom Kabinett verabschiedet werden soll.

HB BERLIN/FRANKFURT. Die Wirtschaft reagierte enttäuscht auf den Kompromiss zwischen Union und SPD. So bedauerte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Manfred Weber, die „Halbherzigkeit“ des Regierungsvorschlags. Denn entgegen den ursprünglichen Plänen von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) werden Wohnimmobilien wegen möglicher Folgen für Mieter und die Stadtentwicklung größtenteils ausgeklammert.

Sie dürfen nur dann in Reits überführt werden, wenn sie zu mehr als 50 Prozent gewerblich genutzt werden. Mit dem Ausschluss von reinen Wohnimmobilien dürfte nach Schätzungen von Experten mindestens ein Drittel des ursprünglich erwarteten Reits-Volumens entfallen.

Nach einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger ist Deutschland der größte Immobilienmarkt Europas mit einem geschätzten Volumen von mehr als sieben Billionen Euro. Nur rund 820 Mrd. Euro oder knapp zwölf Prozent dieses Volumens seien jedoch über den Kapitalmarkt zugänglich. Diese Situation könnte sich durch die Einführung von Reits verbessern.

Mit der Konzentration auf Gewerbeimmobilien gab Steinbrück Kritikern aus der eigenen Partei nach, insbesondere dem linken Flügel der SPD. Zuletzt hatte das Finanzministerium vorgeschlagen, dass Wohnimmobilien dann in Reits eingebracht werden dürfen, wenn der gewerbliche Nutzungsanteil größer als 20 Prozent ist. Auch von dieser Position musste es sich schließlich verabschieden.

Denn die SPD-Arbeitsgruppe Finanzen hatte darauf gepocht, nur mehrheitlich gewerblich genutzte Immobilien bei Reits zu berücksichtigen. „Das ist für mich eine pragmatische Abgrenzung“, so der Reits-Kritiker Ortwin Runde (SPD). Auch Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) stellte sich gegen die ersten Pläne Steinbrücks. Durch die Einbeziehung von Wohnimmobilien wären die langfristigen Ziele von Stadtentwicklung und sozialer Wohnungspolitik gefährdet, befürchtete Tiefensee.

Seite 1:

Bund macht Immobilien börsenfähig

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%