Klaus Kaldemorgen
Absturz eines Superstars

Deutschlands größtes Fondshaus DWS kommt nicht zur Ruhe. Die Führungsriege mit Klaus Kaldemorgen an der Spitze wird ausgetauscht. Insider gehen nicht von einem freiwilligen Rückzug der Verantwortlichen aus. Vielmehr scheinen andere Gründe zum Personalwechsel zu führen.
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Der Mann ist das Gesicht der deutschen Fondsbranche: Klaus Kaldemorgen, Sprecher der Geschäftsführung der größten Publikumsfondsgesellschaft DWS in Deutschland. Jetzt gibt er auf. Künftig will er mit dem Sprecherposten und seiner Position als Chef des internationalen Aktienfondsgeschäfts der Deutschen Bank nichts mehr zu tun haben. Kaldemorgen will nur noch seine Fondsflaggschiffe steuern. Doch in der Branche glaubt man nicht, dass der Rückzug freiwillig erfolgt. Denn neben Kaldemorgen müssen weitere Topmanager der DWS ihren Posten räumen.

Insider führen das Revirement auf die Ertragsprobleme im Fondsgeschäft und die Unzufriedenheit der Deutschen-Bank-Spitze über die mangelnde internationale Expansion der DWS zurück. Offenbar sorgt sich Bankchef Josef Ackermann, dass die DWS-Manager mit seinen ehrgeizigen Renditezielen überfordert sind. Ackermann will 2011 einen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro erzielen. Da muss auch der Fondsbereich sehr ertragreich sein. Und eben danach sieht es derzeit nicht aus.

Deshalb hat jetzt der oberste Manager des Asset-Managements der Deutschen Bank, Kevin Parker, ein Machtwort gesprochen. Der neue starke Mann in der Deutschen-Bank-Tochter DWS wird der 54-jährige Wolfgang Matis. Eigentlich wollte der ehemalige Chef des Bereichs Global Markets Deutschland der Bank bereits in den Ruhestand gehen. Daraus wird jetzt nichts. Matis steigt zum Vorstandschef der DWS auf. Er hat Prokura für das weltweite Geschäft und damit eine Machtfülle, wie es sie bislang auf diesem Posten nicht gab.

Der neue DWS-Chef Matis gilt als Mann von Anshu Jain

Matis gilt als ein Mann von Anshu Jain, dem obersten Investmentbanker der deutschen Bank, dem gute Chancen eingeräumt werden, Ackermann an der Spitze des Konzerns nachzufolgen. Jain hätte damit einen Gefolgsmann in die Sparte Asset-Management installiert.

Bereits in den vergangenen Wochen hatte es einen personellen Aderlass bei der Fondsgesellschaft DWS gegeben. Geschäftsführer Thomas Richter wechselte zum Fondsverband BVI. Der Leiter des Direktgeschäfts, Andreas Feiden, verließ die DWS in Richtung des Konkurrenten Fidelity. Neben Geschäftsführer Axel Schwarzer wird auch der Chef für Vertrieb und Produktmanagement, Ingo Gefeke, die DWS verlassen. Insider sprechen von erheblichen Differenzen innerhalb der Geschäftsführung. Insbesondere Gefeke würden ein schlechter Führungsstil und inhaltliche Schwäche vorgeworfen.  

Zwar zählt die DWS nach eigenen Angaben mit einem verwalteten Vermögen von 274 Milliarden Euro zu den zehn größten Fondsanbietern der Welt. Im laufenden Jahr litt die Gesellschaft allerdings bei Publikumsfonds im mit Abstand wichtigsten Markt Deutschland unter massiven Mittelabflüssen von nicht weniger als 1,6 Milliarden Euro. Hinzu kommt, dass die Ertragsentwicklung einiger Flaggschiffe wie Akkumula und der DWS Vermögensbildungsfonds I erheblich hinter den Erwartungen zurückblieb. Auf das Gesicht von Kaldemorgen müssen die Anleger trotz seines Abstiegs jedoch nicht verzichten. Der 56-Jährige wird sich künftig wieder ganz dem Fondsmanagement widmen, heißt es in der Bank. Auch nach außen soll er weiter den Anlageguru geben - zumindest bis auf weiteres.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

Kommentare zu " Klaus Kaldemorgen: Absturz eines Superstars"

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  • Da schau her - der kommentierende Pöbel im lateinischen Sinne wird gierig. Auch wenn ich nicht glaube, dass es sich um Privatanleger handelt.
    Wer in dieser Zeit noch immer an Gewinnmaximierung denkt statt Vermögenserhalt kann nur ein pickliger Jumgspund sein, der glaubt er habe in seinen 5 Jahren Joberfahrung schon alles gesehen was es auf der Welt zu sehen gibt.

    So auch die im Artikel genannten Herren, die irgendwo herkommen und binnen zwei Jahren auch wieder irgendwo hingehen.
    Kaldemorgen war eine Marke und hat Vertrauen ausgestrahlt.
    Das man bei DWS durch die Produktpalette hindurch die TER massivst angehoben hat und dies zu Geldabflüssen führt versteht natürlich ein Vertriebler nicht. Da trägt der Fondsmanager in dieser wilden Zeit dann die Schuld.
    Wer heute in Aktienfonds investiert der hat Grundwissen was Vermögensanlage angeht und übertrifft damit wahrscheinlich jeden "Vertriebsheini".
    Sollte Kaldemorgen gehen, dann kann man sich bei DWS aber auf Mittelabflüsse einstellen, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellen.

  • Heute morgen habe ich das große interview von Kaldemorgen in der FAZ vom Sonntag gelesen. Der Mann und die Angelegenheit an sich sind ja noch peinlicher als gedacht. So erzählt Kaldemorgen, daß er als Chef von DWS alle zwei Monate in die USA fliegen und als Chef (!) eine dieser langweiligen Sitzungen moderieren mußte. Welch' eine Anstrengung, vorausgesetzt, das Englisch ist nicht gut genug! Dann erzählt er, daß die DWS-Fondsmanager die Entwicklung hin zu "Hedgefonds" verschlafen haben und verweist auf Carmignac und Jens Ehrhardt. Ja mein Gott, war er der Chef? Er hätte so etwas doch schon längst einführen können, sofern Hedgefonds in fremden Händen überhaupt interessant sind für Anleger. Darüber hinaus macht er "operative" Fehlentscheidungen dafür verantwortlich, daß die DWS-Fonds gegen Musterportfolios (MSCi-World, der läppisch genug ist) so verloren haben. Hatte er keinen Überblick als Chef? Will er sagen, daß das alles Trottel sind, die unter ihm gearbeitet haben, und nur er (!) richtige Entscheidungen treffen kann? Dann kommt er mit der Erkenntnis, daß man mit Anleihen aus Ermerging Markets in den beiden letzten Jahren mehr verdienen konnte als mit Aktien. Herr Kaldemorgen, selbst mit deutschen Unternehmensanleihen konnte man mehr verdienen! Da brauchte man als deutscher Anleger wenigstens nicht auch noch zusätzlich ein exotisches Währungsrisiko eingehen. Der "Fall Kaldemorgen" zeigt, daß in einer großen Organisation sich alles nur noch um Verwaltung dreht, und jede Menge Geld verbrannt wird, und man dementsprechend hohe Ausgabeaufschläge als Anleger bezahlen muß. investmentfonds sind wirklich oft nur etwas für besonders naive Anleger. Fazit: Der Mann gehört raus, in eigenem interesse. ihn kann die DWS oder auch die Deutsche bank nicht mehr "verkaufen". Und er macht sich persönlich zum Gespött. Warum macht er sich nicht selbständig und beweist auf diese Weise, daß er noch was "drauf" hat? Das Problem: Er ist offensichtlich (auch) kein "Unternehmertyp" und kann damit (auch) kein guter investor sein!

  • @sanhorst: ich muß ihnen uneingeschränkt zustimmen. Die Fonds sind zu teuer und für einen Anleger überhaupt nicht ertragreich. Vor einiger Zeit ließ die Deutsche bank bzw. DWS einen Menschen namens Dr. Martini - wohl Mitarbeiter von Kaldemorgen -durch diverse Medien "laufen". Was der Mensch für seltsame Anekdoten auf arrogante Weise erzählte, war einfach nur grausam für einigermaßen informierte Anleger. Das hat mir gezeigt: Da sind keine Profis am Werk, höchstens Märchenerzähler!

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