Koalitionsvertrag
Vermittler müssen sich auf schärfere Regeln einstellen

Bisher können unabhängige Finanzberater ihr Geschäft innerhalb der EU ohne große Auflagen betreiben. Doch nun soll die Haftung für Produkte und Vertrieb verschärft werden. Auf Vermittler warten mehrer Anforderungen, die den Wettbewerbsdruck weiter erhöhen.
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FRANKFURT. Der Markt der unabhängigen Finanzdienstleister steht vor einem Umbruch. "Die Belastung durch die Finanzkrise ist angekommen, wir erwarten eine Konsolidierung", sagt Christoph Bergweiler, Vertriebsleiter bei JP Morgan Asset Management Deutschland. Damit hatten die meisten Fondsvermittler bereits gerechnet, so das Ergebnis einer Umfrage von JP Morgan. Jetzt sind verschärfte Arbeitsbedingungen für Vermittler tatsächlich absehbar, wie der jüngst verabschiedete Koalitionsvertrag in Berlin zeigt.

Es geht um geschätzte 25 000 unabhängige Finanzdienstleister, die vorwiegend Investmentfonds verkaufen. Diese Gruppe betreibt ihr Geschäft nach Paragraf 34c der Gewerbeordnung und verwaltet Branchenschätzungen zufolge über 15 Mrd. Euro. Die meisten dieser Vermittler sind Einzelkämpfer oder werden von wenigen Mitarbeitern unterstützt. Insgesamt umfasst der Markt der freien Finanzdienstleister bis zu 150 000 Personen, von denen aber die meisten vorwiegend Versicherungsprodukte verkaufen. Darunter fallen große Vertriebe und Dienstleister, wie etwa DVAG, AWD oder MLP.

Bislang können die Vermittler ihr Geschäft ohne große Auflagen betreiben. Das ist innerhalb der EU eine Ausnahme, denn die geltende EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid regelt die Anlageberatung, nicht aber die Vermittlung und damit den reinen Verkauf. Nun heißt es jedoch im Koalitionsvertrag in der Rubrik Anlegerschutz wörtlich: "Die Haftung für Produkte und Vertrieb soll verschärft werden. Wir wollen die Anforderungen an Berater und Vermittler insbesondere in Bezug auf Qualifikation, Registrierung und Berufshaftpflicht in Anlehnung an das Versicherungsvermittlergesetz vereinheitlichen."

Laut Bergweiler dürften diese Absichtserklärungen auf mehrere Anforderungen an Vermittler hinauslaufen. "Kurzfristig wäre sowohl eine Sachkundeprüfung vor der IHK denkbar wie auch eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung für den Fall, dass ein Endkunde gegen den Vermittler klagen sollte." Längerfristig bleiben laut dem JP-Morgan-Mann so genannte Haftungsdächer ein Thema. Sie werden von Maklerpools wie Jung, DMS & Cie. oder BCA gestellt und springen dem Vermittler im Haftungsfall bei.

Profitabilität lässt sich nach der Krise nur schwer aufrecht erhalten Schon vor der politischen Willenserklärung war der Druck auf die Branche groß gewesen. Laut Umfrage ist das Aufrechterhalten der Profitabilität für 77 Prozent der Vermittler schwerer oder viel schwerer als vor der Krise. Etwa 71 Prozent haben Probleme bei der Neukundengewinnung. So leiden die Vermittler gleich mehrfach: durch die Börsenkrise, durch die Umorientierung der Kunden hin zu Bankeinlagen und nun zusätzlich durch die absehbaren höheren Anforderungen des Gesetzgebers im Zuge der Verbraucherschutzinitiativen.

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