Kosteneinsparungen
Hunderten Fonds droht die Schließung

Die großen Fondsanbieter im Land machen Ernst in Zeiten der Krise und räumen auf: Die größte deutsche Gesellschaft für Publikumsfonds, DWS, kündigte an, bis Mitte 2010 rund 100 Fonds zu schließen, rund ein Fünftel ihres Angebots. Branchenweit könnten in den nächsten 24 Monaten bis zu fünfzehn Prozent aller Fonds betroffen sein.

FRANKFURT. Die großen Fondsanbieter im Land machen Ernst in Zeiten der Krise und räumen auf: Die größte deutsche Gesellschaft für Publikumsfonds, DWS, kündigt an, bis Mitte 2010 rund 100 Fonds zu schließen, rund ein Fünftel ihres Angebots. Auch bei der Allianz Allianz-Fondstochter GI werden 2009 im Zuge der Intergration der Cominvest nach eigenen Angaben insgesamt rund 100 der 500 Fonds gelöscht oder verschmolzen. Die Sparkassenfondsgesellschaft Deka will 2009 "mehr als in den Vorjahren" schließen, nennt allerdings lediglich zehn von 384 Fonds.

Die Fondsanbieter streichen und legen Produkte zusammen, um nach Kapitalabflüssen und börsenbedingten Vermögensverlusten der Vergangenheit Kosten zu sparen. In den kommenden 24 Monaten dürften daher "bis zu fünfzehn Prozent" der insgesamt gut 6 000 Publikumsfonds im Land, also bis zu 900 Fonds, verschmolzen werden, erwartet Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer des Münchener Fondsberaters Fonds Consult. Bereits für das erste Quartal 2009 hat Fonds Consult ermittelt, dass deutsche Fondsgesellschaften per saldo bereits 80 Fonds geschlossen haben, während in den ersten drei Monaten 2008 noch netto knapp 100 Fonds neu aufgelegt worden waren.

"Die größte Herausforderung für die Fondsanbieter ist jetzt, ihre Stärken besser herauszuarbeiten", sagt Sälzle. Daher mache es Sinn, Fonds mit erfolgloser Strategie beziehungsweise zu geringem Volumen zu schließen. Grundsätzlich gilt ein Fonds mit einem Volumen von weniger als 20 Mio. Euro als nicht wirtschaftlich. Berater erwarten generell, dass die Fondsbranche im Zuge der Krise Kosten um bis zu 30 Prozent verringern muss.

Die DWS plant nun nach eigener Aussage, binnen eines Jahres rund 100 Publikumsfonds zu schließen oder mit anderen zusammen zu legen. Dies betreffe Produkte aus allen wichtigen Bereichen wie Aktien-, Renten- wie auch Geldmarktfonds, sagt eine DWS-Sprecherin. Teils würden Fonds mit geringem Volumen aufgegeben, wie etwa vier Fonds mit marktneutralen 130/30-Strategien, die zu einem unglücklichen Zeitpunkt kurz vor Beginn der Finanzkrise auf den Markt gekommen seien.

Außerdem legt die DWS demnach Fonds mit vergleichbaren Strategien zusammen, wie drei Geldmarkt-Fonds im Volumen von insgesamt 1,5 Mrd. Euro, den DWS Geldmarktfonds, den DWS Geldmarktfonds plus und den DWS Vario Rent. Die beiden letztgenannten Produkte investieren am Geldmarkt und in kurzfristige Rentenmarktpapiere. "Wir fokussieren uns auf Produkte, denen wir langfristig eine Zukunft zutrauen", sagt die DWS-Sprecherin. Ob ein Fonds aufgelöst oder mit einem anderen verschmolzen wird, hängt auch davon ab, ob es ein anderes Produkt mit ähnlicher Strategie gibt.

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