Krise nur kleiner Dämpfer
Die Rohstoff-Hausse dauert noch lange an

Experten rechnen mit weiterem Kapitalzufluss in Rohstoff-Anlagen - die steigende Weltbevölkerung bleibt ein wichtiger Preistreiber. Branchenkenner streiten lediglich darüber, wie lange die Rohstoff-Hausse andauern wird. Was die Optimisten sagen - und welche Einwände die Skeptiker vorbringen.
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FRANKFURT. Der Superyzklus an den internationalen Rohstoffmärkten wird noch für viele Jahre Bestand haben. Der langfristige Hausse-Zyklus sei durch die Finanz- und Wirtschaftskrise nur gebremst, nicht jedoch gestoppt worden, argumentiert Hedge-Fonds- und Rohstoff-Legende Jim Rogers. Die jüngsten Preisbewegungen geben ihm recht; denn vom 2009er Tief hat sich der weltweit bekannteste Rohstoffindex, der CRB-Reuters-Jeffries-Rohstoffindex, inzwischen wieder um 60 Prozent abgesetzt.

Gerade in den vergangenen Wochen floss von Seiten privater und institutioneller Anleger viel Geld in Rohstoffe. Der aus dem Finanzbereich kommende Kapitalfluss in Rohstoff-Investments hat nach einer Abkühlungsphase während der Finanzkrise in den vergangenen Monaten wieder zugenommen.

Nach Berechnungen des Analysebüros Lipper haben allein die führenden 100 Rohstoff-Fondsgesellschaften aktuell rund 126 Mrd. US-Dollar direkt - über Derivate oder aber Indexfonds (ETF und ETC) - in Rohstoffen investiert. Am begehrtesten sind dabei Edelmetalle wie Gold, Silber und Platin, in deren Indexfonds-Konstruktionen derzeit rund 60,6 Mrd. US-Dollar stecken.

Versorgungsengpässe drohen

Die Investorenargumente leuchten ein: Mit wachsender Weltbevölkerung drohten wegen der noch immer unzureichenden Investitionsbereitschaft der Rohstoffbranche auf mittlere und lange Sicht Versorgungsengpässe bei energetischen, metallischen und Agrarrohstoffen.

Auch ehemals kritische Fachleute haben sich inzwischen auf die Seite der Rohstoff-Haussiers geschlagen. Die Experten diskutieren lediglich die Dauer des laufenden Zyklus. "Wir haben derzeit in etwa die Hälfte der Wegstrecke dieses Superzyklus zurückgelegt", sagt Wiktor Bielski, Chef der Rohstoff-Analyse von VTB Capital. Die meisten Rohstoffpreise dürften sich in den kommenden zehn Jahren noch einmal verdoppeln. Große Infrastruktur-Projekte in China seien einer der wichtigsten Gründe dafür.

Ein früheres Ende des aktuellen Hausse-Zyklus bei Rohstoffen erwartet Lindsay Reed. Der bekannte ehemalige australische Rohstoff-Analyst und heutige Vorstandschef der Aviva Corporation gibt dem Superzyklus noch eine Laufzeit von rund fünf Jahren. Sein Argument: Bis dahin würden verstärkte Explorations- und Forschungsaktivitäten sowohl im Energie- als auch im Metallbereich zum einen neue Vorkommen erschließen. Zum anderen dürften effizientere Technologien bei der Förderung und Verarbeitung von Rohstoffen zum Einsatz kommen. Außerdem dürften die Verbraucher im Interesse künftiger Generationen schonender mit Rohstoffen umgehen, der Verbrauch also nicht mehr mit dem Tempo der jüngsten Vergangenheit steigen.

Anlegerinteresse wächst weiter

"Wir befinden uns an der Schwelle zu einer neuen Hausse der Rohstoffpreise", sagt Edward Ennis von der Rothschild Bank in Zürich. Ennis begründet das wachsende Interesse an Rohstoffen mit der zunehmenden Risikoaversion und den Inflationsängsten der Anleger. Die Rohstoffkäufe der Volksrepublik China seien während der Wirtschaftskrise kaum abgeflaut. Sie hätten sich vielmehr auf recht hohem Niveau stabilisiert, sagt Dan Basse, Präsident des Analysehauses Ag Research in Chicago. Basse rechnet damit, dass die Nachfrage der Chinesen zum Beispiel nach agrarischen Rohstoffen in den kommenden Monaten nicht nur weiter steigen wird, sondern auch noch viele Jahre darüber hinaus hoch bleiben wird.

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  • Dieser aufgeblähte Preisanstieg funktioniert nur, so lange Produzenten und Konsumenten bereit sind, diese im Moment überhöhten Preise zu zahlen. Wenn sie es irgendwann in aus meiner Sicht naher Zukunft nicht mehr sind und das wird mit hundertprozentiger Sicherheit so kommen, werden die Spekulanten ihr "blaues Wunder" erleben. Daher sind aus meiner Sicht die Argumente der wachsenden Weltbevölkerung und die Mär von zukünftigen "Versorgungsengpässen" völlig aus der Luft gegriffen und entbehren keiner volkswirtschaftlichen Realität.

  • irgendwie müssen die vagabundierenden Anlagegelder ja verarbeitet werden. Sonst drohte am Ende doch noch inflation. im Ernst ist kaum anzunehmen, daß inflatorische Entwicklungen sich verfestigen sollten. Woher auch sollte es kommen? Die Ökonomien weltweit stehen auf der bremse, denn die staatlichen Strohfeuerprogramme liefern keine Nachfrage mehr. Selbsttragendes Wirtschaftswachstum ist nirgendwo in Sicht. Staatliche und mediale Märchenonkels nebst denen der banken reden zwar immer noch vom Schlaraffenland - allein es ist weder zu sehen noch zu belegen. Das Rohstoffmärchen wird genährt von Reflationsbemühungen in USA - neben den netten Geschäften mit realen (zur eigenen Absicherung) und derivatären Produkten der Wall-Streeter, die ohne diesen sinnleeren Hype nicht funktionierten. So singen sie im Chor: lasset sie zu mir kommen, die Schäfchen - auf dass ich sie rasiere. Passt nicht nur zu Weihnachten recht gut.

  • Wenn ihr Geld habt dann solltet ihr es so anlegen wie es euch am besten passt.

    Was heist hier das die Rohstoff-Hausse dauert noch an.
    Wenn diese information bei uns angekommen ist dann könnt ihr sicher sein das es besser ist keine Rohstoffe zu kaufen. Kauft euch lieber ein Auto oder ein Haus. Macht Urlaub schenkt eurer Freundin einen Ring eurem Sohn eine playstation etc. Wenn ihr euch alles gegönnt habt was ihr immer wolltet danach sollte ihr euch überlegen ob ihr Gold oder Aktien oder andere Rohstoffe kauft.

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