Krisenprofiteure
Spekulanten kaufen in Griechenland ein

Griechenland steht vor einer wirtschaftlichen Wende – davon ist zumindest ein neuer Hedge-Fonds überzeugt und will im Land der Hellenen investieren. Weltweit hoffen Finanzkonzerne auf Schnäppchen in den Krisenländern.
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LondonDie Investmentfirma Third Point von Daniel Loeb will einen Hedge-Fonds starten, der sich darauf konzentriert, Vermögenswerte im angeschlagenen Griechenland aufzukaufen. Die Gesellschaft, die Anlagen über 11,7 Milliarden Dollar verwaltet, hatte schon 2012 von der Rettung des Landes profitieren können.

Mit der Strategie ist Third Point nicht allein. Die Firma folgt Konkurrenten wie Oaktree Capital und Fortress Investment bei der Jagd nach griechischen Schnäppchen. Eine Rezession, die seit mehr als fünf Jahren anhält, hat die Preise für Aktien und Immobilien fallen lassen.

Der Third Point Hellenic Recovery Fund wird in „ereignisbezogene Unternehmenssituationen“ investieren, wie es in einem Brief an Investoren heißt. Third Point plant, weniger als 1,5 Prozent aus existierenden Hedge-Fonds in den Pool stecken und darüber hinaus zusätzliche Gelder einzusammeln. Im Visier seien dabei institutionelle Investoren.

Third Point Offshore Fund, der größte Hedge-Fonds des Unternehmens, hat 2012 um 21 Prozent zugelegt. Der Fonds war in griechische Anleihen investiert, die an Wert gewannen, als die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Umfang der geforderten Haushaltskürzungen in Griechenland von ihrem Standpunkt abrückte und die Europäische Zentralbank Maßnahmen ergriff, um das Überleben der Währungsunion zu gewährleisten.

„Die jüngste Rally bei griechischen Staatsanleihen legt den Schluss nahe, dass bei Vermögenswerten zuvor die Möglichkeit eines Ausscheidens (aus dem Euro) eingepreist war“, sagte Ilias Lekkos, Chef-Volkswirt bei der Piraeus Bank. Diese Angst habe sich inzwischen verflüchtigt. „Investoren glauben, dass das konjunkturelle Umfeld stabil genug ist, um jetzt auf den griechischen Markt zu gehen – und dann von einer künftigen Erholung zu profitieren.“

Der Offshore-Fonds von Third Point hat seit seiner Gründung in 1996 eine durchschnittliche Jahres-Rendite von 17,6 Prozent gebracht, wie aus den Pflichtmitteilungen hervorgeht. Gegründet wurde die Firma von dem heute 51-jährigen Loeb, der zuvor als Analyst bei Jeffries sowie als Anleiheverkäufer bei der Citigroup gearbeitet hatte.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet damit, dass die griechische Wirtschaft in 2013 noch ein sechstes Jahr in Folge schrumpfen wird. Die Arbeitslosenquote in dem Land liegt bei über 26 Prozent.

Zwar hat der Wert der 60 Unternehmen, die an der Börse von Athen gehandelt werden, im vergangenen Jahr um etwa 33 Prozent zugenommen. Im Vergleich zu 2007 liegt der Leitindex aber immer noch rund 83 Prozent im Minus.

Wie dem auch sei: Third Point ist „mehr als je zuvor“ überzeugt davon, dass es in Griechenland zu einer Wende kommen wird, heißt es in dem Investoren-Brief. Das Unternehmen will dank „opportunistischer Aktien-Investments“ an der Erholung des Landes teilnehmen. „Der griechische Aktien-Markt ist relativ klein“, heißt es darin. „Aber das Land ist mit Blick auf das Kapital ausgehungert.“

Zu den Investments, die Third Point in Erwägung zog, gehört auch Opap. Das staatlich kontrollierte Glücksspielunternehmen hatte sich bereit erklärt, im Rahmen des internationalen Rettungspakets für das Land einen Anteil von 33 Prozent zu verkaufen. Third Point zählte neben Beteiligungsgesellschaften wie TPG Capital und BC Partners zu den Firmen, die für den Bieterprozess zugelassen worden waren. Vergangenes Jahr kam Opap auf einen Umsatz von vier Milliarden Euro.

Oaktree, der größte Investor der Welt bei angeschlagenen Vermögenswerten, hatte informierten Kreisen zufolge im vergangenen Jahr den Athener Investmentbanker Spyros Spyropoulos von BNP Paribas an Bord geholt, damit er bei der Suche nach griechischen Schnäppchen helfen kann. Und die Hedge-Fonds-Firma Fortress stellte in der griechischen Hauptstadt ebenfalls Berater an, wie Bloomberg News aus informierten Kreisen erfuhr. Beide Firmen wollen keinen Kommentar abgeben.

Third Point investiert bereits indirekt auch in griechische Immobilien - als der größte Aktionär bei Dolphin Capital, einem Entwickler von Ferienanlagen. „Es gibt diverse Chancen, Land und Resort-Vermögenswerte zu kaufen in Top-Lagen, und das mit einem signifikanten Abschlag, sowohl unter dem Gesichtspunkte Fair Value als auch bei Berücksichtigung des Wiederbeschaffungswerts“ heißt es in einer Mitteilung von Dolphin vom 20. März.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Krisenprofiteure: Spekulanten kaufen in Griechenland ein"

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  • Wenn die Griechen schlau sind, verkaufen sie denen nur ihre Anleihen.

  • Gier frisst Hirn!

  • @sarina
    na und?? Entscheiden Korruption, Faulheit und Inkompetenz bei Finanzinvestments ueber die Rendite?? Waren in den Jahren 1999-2007 Transparenz,Fleiss und Kompetenz die Treiber der griech. Wirtschaft??

    Welch romantische Ansichten...

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