Kritik des Stabilitätsrates
Europäische Fondsbranche verteidigt ETFs

In einem Gutachten machte der Finanzstabilitätsrat aufmerksam auf die Risiken börsennotierter Indexfonds. Nun widerspricht der Europa-Fondsverband der Kritik - und lenkt den Blick auf andere Investmentprodukte.
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FrankfurtDie europäische Fondsbranche widerspricht der Kritik des Finanzstabilitätsrates (FSB) an börsennotierten Indexfonds. "ETFs sind in der Europäischen Union bereits Bestandteil einer der angesehensten und anerkanntesten Richtlinien für öffentliche Investmentfonds", heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme der European Fund and Asset Management Association (Efama). Beispielsweise gebe die EU-Investmentrichtlinie Ucits Grenzen für den Einsatz von Derivaten in ETFs und anderen Investmentfonds vor.

Der Finanzstabilitätsrat, der die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) bei neuen Regeln für die Kapitalmärkte berät, hatte Mitte April in einem Gutachten auf Risiken von ETFs für den gesamten Finanzmarkt hingewiesen. Diese hängen dem FSB zufolge vor allem mit der Komplexität und Undurchschaubarkeit von ETFs auf Derivatebasis zusammen. Viele ETFs bilden die Performances ihrer Basisindizes nicht etwa dadurch ab, dass sie die entsprechenden Wertpapiere in den Portfolios halten. Vielmehr vollziehen sie die Wertentwicklungen über Swap-Derivategeschäfte mit anderen Marktteilnehmern nach.

Der FSB hatte auch auf ETF-Risiken im Zusammenhang mit Wertpapierleihegeschäften hingewiesen. Dabei leihen die Fonds anderen Marktteilnehmern Wertpapiere aus ihren Portfolios gegen Gebühr zeitweise an andere Marktteilnehmer aus. Dadurch könnten auch bei ETFs, welche die Indexpapiere tatsächlich in den Portfolios halten, ähnliche Risiken wie bei Swap-basierten Fonds entstehen. "Das ist eine Technik, die in der Fondsindustrie weit verbreitet ist und nichts ETF-Spezifisches", teilte die Efama in Bezug auf Wertpapierleihegeschäfte mit. Die Investmentrichtlinie Ucits erlaubt ETFs und anderen Fonds in gleichem Maße, Derivate und Wertpapierleihe einzusetzen. "Daher rufen wir den FSB dazu auf, die Diskussion nicht auf ETFs zu beschränken", teilte der Verband mit.

"Eine bedeutende Zahl der Exchange Traded Products sind keine ETFs", stellt die Efama klar. Der FSB hatte nicht nur ETFs kritisiert, sondern auch weitere Exchange Traded Products (ETPs). ETP ist der Oberbegriff für eine Fülle neuer Investmentprodukte, die in den vergangenen Jahren auf den Markt gekommen sind. Dazu gehören Exchange Traded Commodities (ETCs), Exchange Traded Notes (ETNs) oder Exchange Traded Vehicles (ETVs). Dabei handelt es sich - trotz der namentlichen Nähe zu ETFs - nicht um Fonds, sondern um Inhaberschuldverschreibungen. Dadurch bergen diese Produkte im Vergleich zu ETFs zusätzliche Risiken, falls die Emittenten zahlungsunfähig werden sollten.

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