Kunden der Landesbank können sich bis zu 80 Prozent ihres Kapitals auszahlen lassen
Land Berlin bietet Rückkauf maroder Fondsanteile an

Vor einer schwierigen Entscheidung stehen die Zeichner geschlossener Immobilienfonds, die die Landesbank Berlin überwiegend in den 90er-Jahren aufgelegt hatte. Die Anleger müssen entscheiden, ob sie auf ein Abfindungsangebot eingehen, das ihnen der Berliner Senat voraussichtlich im Oktober unterbreitet.

HB BERLIN. Gestern gab das Abgeordnetenhaus grünes Licht für Abfindungszahlungen in Höhe von zwei Mrd. Euro. Während Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) auf diese Weise versucht, die finanziellen Risiken für das Land zu minimieren, müssen sich die Anleger fragen, ob sich das Angebot für sie lohnt. Der Berliner Anlegeranwalt Wolfgang Schirp rät zur Zurückhaltung.

Seit Jahren stehen die geschlossenen Immobilienfonds der Landesbank und anderer Töchter der Bankgesellschaft Berlin im Rampenlicht. Mit der Fast-Pleite der Bankgesellschaft sind sie zu einem Politikum ersten Ranges geworden. Vor vier Jahren sprang das Land Berlin für die Bankgesellschaft in die Bresche, die aus eigener Kraft nicht mehr in der Lage war, die üppigen Versprechen für ihre geschlossenen Immobilienfonds einzulösen. Die Anleger hatten Garantien zum Beispiel für Mieteinkünfte, Ausschüttungen und teilweise auch Rücknahmen der Fondsanteile erhalten – über einen Zeitraum von 25 Jahren. Die schlechte wirtschaftliche Lage in den neuen Ländern ließ die mehr als ehrgeizigen Versprechungen schnell Makulatur werden.

Für die Fondsgarantien bürgt das Land Berlin seit 2001 mit einem maximalen Betrag von 21,6 Mrd. Euro. Diese Summe gilt allerdings nur für den Fall, dass sämtliche Fonds der Landesbank pleite gehen, was nicht zu erwarten ist.

Nicht alle der gut 70 000 Anleger werden allerdings Offerten des Landes erhalten. Im Visier des Landes stehen rund 53 000 Anleger, die in die größten 15 Fonds investierten. Diese Anleger verfügen über ein „Andienungsrecht“. Sie dürfen also nach Ablauf von 25 Jahren ihre Fondsanteile zu einem garantierten Preis an das Land abgeben. Nach Auffassung Sarrazins sollen die Anleger je nach Fonds zwischen 52 Prozent und 80 Prozent ihres gezeichneten Geldes zurückerhalten. Durchschnittlich investierten die Kunden der Landesbank 40 000 Euro.

„Wir begrüßen das Angebot grundsätzlich, aber wesentliche Punkte sind ungelöst“, sagte Anwalt Schirp dem Handelsblatt. So spricht sich Schirp dafür aus, dass auch diejenigen Fondszeichner ein Angebot erhalten, die nicht über ein Andienungsrecht verfügen. Das würde viele Tausend Anleger betreffen, die ebenfalls durch zu hohe Versprechungen getäuscht wurden.

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