Kurserholung prognostiziert
Fondshäuser kaufen Kreditpapiere

Die deutschen Investmentgesellschaften erwarten eine deutliche Kurserholung, sogar von "außergewöhnlichen Renditechancen" ist die Rede. Vor allem erstklassig bewertete Titel werden massenhaft gekauft - aber auch Papiere aus dem Emerging-Markets-Bereich ziehen wieder an.

FRANKFURT. Die deutschen Investmentgesellschaften sehen nach den Kurseinbrüchen bei Kreditpapieren wieder gute Anlagechancen. Das ergab eine Handelsblatt-Umfrage unter den sechs größten Adressen DWS, Deka, Union Investment, Allianz Global Investors, Pioneer Investments und Cominvest. Die Fondshäuser investieren sowohl in Unternehmensanleihen als auch in Schwellenländerbonds und krisengeschüttelte forderungsbesicherte Papiere wie ABS. In der Regel beschränkt sich ihr Interesse jedoch auf die erstklassig bewerteten Titel.

"Wir kaufen hauptsächlich AAA-Tranchen in fast allen europäischen ABS-Klassen für geeignete Fonds", sagt Frank Hagenstein, Leiter Anleihen bei Deka Investment. Er ergänzt jedoch: "Die zunehmende Zurückhaltung von Verkäufern und die allgemeine Spreadneigung, das heißt der gesunkene Zinsvorsprung gegenüber Staatspapieren, erschweren allerdings den Einstieg zu unseren konservativen Zielpreisen." Die Deka sieht jedoch keine Gefahr von dauerhaften Wertminderungen in ihren Beständen und hält die aktuellen Renditeaufschläge generell für übertrieben. "Wir rechnen mit einer deutlichen Kurserholung im Zuge einer Verbesserung der Marktliquidität", sagt Hagenstein.

Noch positiver ist die DWS gestimmt. Die Gesellschaft hält hauptsächlich europäische ABS mit Investmentgrade-Rating. Geschäftsführer Heinz Fesser sieht auf diesem Feld "im Moment außergewöhnliche Renditechancen für Transaktionen guter Qualität". Nach Einschätzung des Anleiheexperten "spiegeln die aktuellen Preise von ABS Ausfallraten wider, die außerhalb des rational Erwartbaren liegen".

Den ABS-Bereich beurteilen viele Gesellschaften sehr differenziert. "Den europäischen ABS-Bereich höchster Bonität haben wir übergewichtet, schwächere Bonitäten vermeiden wir", sagt ein Vertreter von Allianz Global Investors. Noch deutlicher äußert sich Ulrich Beckmann, Leiter Portfoliomanagement Anleihen bei der Cominvest, zum wohl heikelsten Segment: "Wir haben kein direktes US-Engagement oder gar US-Subprime-Engagement."

Auch bei den traditionellen Kreditpapieren der Unternehmens- und Emerging-Markets-Emittenten regt sich nach den Renditesteigerungen größeres Interesse. "Auf der Firmenseite erscheinen uns Anleihen von nichtzyklischen Unternehmen aus den Sektoren wie Telekom oder Versorger attraktiv - soweit sie nicht in Übernahmeaktivitäten verwickelt sind", sagt Hagenstein. Union Investment ist für den Industriebereich vorsichtiger. Dagegen ist die Anlagebranche für den krisengeschüttelten Finanzsektor hoffnungsfroh. "Bei Zukäufen gewichten wir Finanztitel über", heißt es von Union. Auch für nachrangige Anleihen von Banken geben die DWS und Allianz grünes Licht.

Das größte Zutrauen in die riskantesten - und damit auch am höchsten verzinsten - Unternehmensanleihen im Non-Investmentgrade-Rating hat die DWS. "Obwohl wir eine Verschlechterung der fundamentalen Unternehmensdaten erwarten, sehen wir dieses durch die derzeit sehr hohen Renditen schon mehr als eingepreist im Markt", sagt Fesser.

Etwas zurückhaltener sind die Akteure bei den Emerging-Markets-Titeln, die weniger stark zurück gefallen, deren Renditen demzufolge auch weniger stark gestiegen sind. "Übergewichtungen bestehen insbesondere in Ländern mit guten Fundamentaldaten, vor allem Rohstoffexporteure mit Zwillingsüberschüssen in Leistungsbilanz und staatlichen Haushalt", erläutert ein Union-Sprecher. Als Beispiel nennt er Russland. Auch die Cominvest hat bei russischen Papieren einen Schwerpunkt gesetzt.

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