Kursrally: Hedge-Fonds setzen auf Griechenland

KursrallyHedge-Fonds setzen auf Griechenland

Griechenlands Überschuldung ist ein Glücksfall für Hedge-Fonds-Manager. Sie decken sich großflächig mit griechischen Anleihen ein. Doch damit ihre Wette aufgeht, müssen die Euro-Länder mitspielen.
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Brüssel/AthenDie Aussicht auf die nächste Notoperation zur Rettung des griechischen Euro-Patienten beschert Hedge-Fonds satte Erträge. Die Spekulationen um einen Schuldenrückkauf Athens treiben die Kurse griechischer Staatsanleihen in die Höhe – und damit die Positionen aggressiver Investoren aus den USA und der Londoner City. Nachdem alle Bemühungen bislang gescheitert sind, wollen die Euro-Finanzminister am kommenden Montag erneut versuchen, eine Lösung für die Milliarden-Finanzlöcher Griechenlands zu finden. Diskutiert wird auch ein Schuldenrückkauf.

Viele Finanzspekulanten sind schon längst wieder in den griechischen Anleihemarkt eingestiegen. Das sei ein absoluter „No Brainer“ gewesen, kommentiert Hans Humes, Chef des Hedge-Fonds Greylock Capital aus New York. Frei übersetzt: Wer beim Zocken mit den Hellas-Bonds nicht dabei ist, muss auf den Kopf gefallen sein. Humes Rechnung geht auf. Er konnte seinen Einsatz binnen weniger Monate mehr als verdoppeln.

Profi-Investoren wie Greylock, Third Point, Fir Tree Partners oder Appaloosa Management sollen sich bereits seit dem Sommer nach dem Schuldenschnitt für Griechenland im großen Stil mit griechischen Anleihen eingedeckt haben. Die Gelegenheit war günstig. Anfang Juni wurden richtungweisende Papiere mit zehnjähriger Laufzeit noch zum Kurs von weniger als 15 Punkten gehandelt.

Das bedeutet, eine Forderung im Nominalwert von einem Euro konnte für unter 15 Cent eingekauft werden. Der Haken: Um sie einlösen zu können, muss der Schuldner bis zur Endfälligkeit zahlungsfähig bleiben. Bei Griechenland galt das bis vor kurzem noch als höchst ungewiss.

Mittlerweile rechnet der Markt aber fest damit, dass die Pleite Athens verhindert wird. „Offensichtlich kann sich kaum jemand vorstellen, dass es der Eurogruppe letztlich nicht gelingt, weitere Mittel bereitzustellen“, bringt es Commerzbank-Experte Lutz Karpowitz auf den Punkt.

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Griechische Anleihen legen wieder zu

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  • Wenn überhaupt, dann sollten Privatanleger GR-Anleihen nur zu einem Kurs bis max. 15% kaufen. Alles andere wäre bei einem erneuten haircut rausgeschmissenes Geld. Und falls GR doch noch zur neo-Drachme zurückkehrt, ist auch das vorsichtig investierte Geld wohl vollständig verloren.

  • @Ondoron
    da steht doch auch nicht wesentlich mehr drin als hier.
    Das ist auch kein Wunder. Gehören ja zum gleichen Verein.

  • @Schlaumeier
    was die Hedgefond-Spekulationen selbst angeht haben Sie vermutlich recht. Diese sind eher kurzfristige Spekulationen auf die Reflexe der "Euroretter". Ich würde auch keinem Privatanleger raten jetzt griechische Anleihen zu kaufen. Diese "Hedgefondsmeldung", die HB ja wohl von den großen Nachrichtenagenturen übernommen hat und die Vorschläge zum Schuldenaufkauf durch die Griechen selbst, die jemand kürzlich lanciert hat, deuten eher drauf hin, daß sich "Große" davonstehlen wollen. Auf jeden Fall sind in diesem Geschäft ganz große Elefanten am Werk. Da sollte sich eine Ameise nicht dazugesellen.
    Trotzdem, eine sofortige Griechenland-Rettung aufgrund der Rohstoffe wäre prinzipiell möglich. Da müssen Sie nicht auf die Ausbeutung der Rohstoff selbst warten. Siehe das Kreditangeobt von Scandic Org über 250 Mrd. Oder man könnte neue Anleihen mit den Rohstoff-Lizenzen besichern.
    Das Problem ist eher die Politik der gesamten Region (da mischen auch die finanziellen Großmächte mit). Vielleicht "dürfen" die Griechen nämlich noch gar nicht.
    Dieses Thema "Gas im östlichen Mittelmeer" wird nicht um sonst von den Mainstream-Medien seit Jahren (weitgehend) aus den Schlagzeilen gehalten. Da ist jemand noch nicht fertig mit dem "Aufräumen".

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