Laute Vermögensverwalter
Aktivismus kommt in Mode

Aggressive Hedge-Fonds sorgen mit ihren Angriffen auf Unternehmen nicht nur für Schlagzeilen, sondern auch für interessante Renditen. Das erkennen immer mehr Vermögensverwalter und versuchen mit ähnlichen Strategien das Geschäftsmodell der so genannten aktivistischen Fonds zu imitieren.

LONDON. Der große britische Vermögensverwalter Henderson plant beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Beratungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers (PWC) einen eigenen aktivistischen Fonds. Allerdings will der Henderson-Fonds auf spektakuläre öffentliche Angriffe, wie sie für viele Hedge-Fonds typisch sind, verzichten. Ziel sei es, Unternehmen mit solidem Geschäftsmodell zu identifizieren, die aber unter strukturellen oder strategischen Schwierigkeiten litten, erläutert ein Henderson-Sprecher. Im Idealfall würden die Fondsmanager gemeinsam mit den Sanierungsexperten von PWC im Einklang mit dem Management der Unternehmen nach Wegen suchen, um den Aktienkurs zu steigern.

Aktivistische oder aggressive Fonds beteiligen sich an Unternehmen und drängen sie zu einer Restrukturierung, zu Übernahmen, Aufspaltungen oder zu Aktienrückkäufen, um den Börsenkurs nach oben zu treiben. In der Regel geht dieses Kalkül auf. Eine Untersuchung von Ivy Asset Management zeigt, dass die Kurse von attackierten Unternehmen sich im Schnitt um sieben Prozent besser entwickelt haben als die entsprechenden Vergleichsindizes. Das lockt die Investoren: Erst Mitte Juni hatte der größte amerikanische Pensionsfonds California Public Employees' Retirement System (Calpers) beschlossen, seine Investments in aktivistische Fonds mehr als zu verdoppeln. Calpers will nun zwölf Mrd. Dollar statt fünf Mrd. Dollar anlegen.

Zuletzt hatte der Londoner Hedge-Fonds TCI mit seinem Angriff auf die niederländische Großbank ABN Amro für Schlagzeilen gesorgt. TCI-Chef Chris Hohn hatte sich öffentlich über jahrelanges Missmanagement beklagt und eine Aufspaltung oder einen Verkauf des Traditionshauses gefordert. Mittlerweile ist ABN der Gegenstand der größten Bieterschlacht der Finanzgeschichte. Aber solche aktivistischen Strategien sind nicht länger die ausschließliche Domäne von Hedge-Fonds, auch Pensionsfonds und andere Vermögensverwalter setzen seit geraumer Zeit ähnliche Werkzeuge ein. So gilt beispielsweise Hermes, die Anlagegesellschaft des Pensionsfonds von British Telecom als der aktivste britische Großanleger. Erklärte Strategie ist es, in unterbewertete Gesellschaften zu investieren, bei denen Hermes durch direkte Einflussnahme auf das Management positive Veränderungen bewirken kann. Eine im Frühjahr veröffentlichte Studie des European Corporate Governance Institutes zeigt die Erfolge.

Der Focus Fonds von Hermes hatte zu diesem Zeitpunkt Aktien von 41 Unternehmen im Depot. Bei 30 Firmen hatte sich Hermes aktiv in die Unternehmenseinführung eingemischt, zehn Mal einvernehmlich mit dem Management und zwölf Mal feindlich bis sehr feindlich. In der Mehrzahl der Fälle konnte Hermes Strategieänderungen oder andere Reformen durchsetzen, die eindeutig zur hohen Rendite des Fonds beigetragen hätten, heißt es in der Studie.

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