Leerverkauf-Strategie
130 30: Wenn Fonds short gehen

Mit der so genannten 130/30-Strategie können Fondsmanager die Möglichkeiten des Optionsmarktes nutzen. Das bietet ihnen mehr Handlungsfreiheiten als bei klassischen "Long-only"-Fonds. Doch was bringt das den Anlegern?

Alles wird gut. So lautete die Botschaft des Investmentmodernisierungsgesetzes, das ab 2004 Etliches möglich machte, was bis dato unmöglich war. Hedgefonds zum Beispiel: Top-Renditen ohne Sorgen, und das bei jeder Börsenlage. Ein Wunder. Das Wunder geschah nicht. Die meisten Hedgefonds schlugen sich seit der Einführung in Deutschland mehr schlecht als recht. Kein einziger börsennotierter Hegdefonds performte in den vergangenen drei Jahren zählbar besser als der Dax.

Dafür gibt es viele Gründe. Ein Grund war sicherlich, dass es rückblickend betrachtet in den vergangenen Jahren keinen Grund gab, etwas anderes zu tun, als in ganz normale Aktienfonds zu investieren. Die Aktienkurse stiegen an den Börsen rund um den Globus seit 2003 fast wie an der Schnur gezogen. Selbst die Anleihen- und Rohstoffmärkte boten keinen Nährboden für komplizierte Strategien. Kaufen, abwarten und zusehen, wie die Preise steigen. Das war das einfache Rezept für den Erfolg. Absicherungs- und Short-Strategien, die auch bei fallenden Kursen Gewinne generieren, kosten in der Hausse dagegen nur Geld und bremsen die Performance aus. Hohe Management-Gebühren tun in solchen Fällen ihr Übriges.

Anders sieht es aus, wenn es an der Börse kracht. Dann können gute Fondsmanager zeigen, was in ihnen steckt. Dann können auch die Investmentstrategien ihre Stärke ausspielen, deren Einsatz in offenen Publikumsfonds bis 2004 noch nicht erlaubt war, die in speziellen Fonds nun aber zum Tragen kommen können. Dazu gehört vor allem zwei Strategien: so genannte Short Selling- (deutsch: Leerverkauf) und Alpha-Strategien.

Short-Selling: Leihen, verkaufen und zurückkaufen

Leerverkauf bedeutet, dass ein Investor sich Aktien leiht, diese verkauft und darauf hofft, dass er sie später günstiger zurückkaufen kann. Geht die Spekulation auf und die Börsenkurse der Aktien, die er verkauft hat, verlieren an Wert, dann können Fondsmanager auch an traurigen Börsentagen heitere Gewinne einfahren. "Short-Selling ist allerdings eine riskante Strategie, die bei traditionellen Aktienfonds verboten ist", erklärt Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer der SJB FondsSkyline OHG 1989 aus dem rheinischen Korschenbroich. "Bleibt der Absturz aus, zahlt der Investor drauf: für die Gebühren und den teuren Rückkauf der geliehenen Aktien."

Alpha-Strategie: Besser als der Markt

Die Grundidee einer Alpha-Strategie (auch Long-Short-Strategie genannt) ist es, innerhalb eines Marktsegmentes aussichtsreiche Aktien zu kaufen und gleichzeitig weniger aussichtsreiche Wertpapiere leer zu verkaufen. Ein Beispiel dafür wäre der Kauf von Daimler-Aktien ("long") und der Verkauf von BMW ("short"), oder auch die Investition in Eon-Aktien bei gleichzeitigem Verkauf von RWE-Papieren. Entwickeln sich die Kurse der Aktien relativ zueinander so wie vom Fondsmanager prognostiziert, kann er auch dann positive Erträge erzielen, wenn allgemein die Kurse sinken.

Das Konzept birgt aber auch Risiken: Zum einen generieren Long-Short-Strategien bei allgemein steigenden Kursen in der Regel weniger Rendite als herkömmliche Investmentfonds, die ausschließlich nach dem "Long-only"-Prinzip anlegen, also das Fondsvermögen ausschließlich in aussichtsreiche Aktien eines vorher definierten Marktsegments oder einer Region investieren. Zum anderen können Alpha-Paare wie beispielsweise Daimler/BMW sogar dann negative Renditen einbringen, wenn die Kurse beider Aktien steigen. Das passiert dann, wenn der Fondsmanager die falsche Aktie stärker eingeschätzt hat und die andere Aktie besser performt. Denn bei Alpha-Strategien kommt es nur auf die Relation der Aktienpaare zueinander an und nicht auf die absolute Performance.

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