Legg Mason
Kampf mit sich selbst

Die Anlagefirma Legg Mason leidet unter der Finanzkrise – und unter hausgemachten Problemen. Der neue Chef, Mark Fetting, will jetzt vor allem außerhalb der USA expandieren. Denn zuhause schwächelt der Starmanager William Miller.

FRANKFURT. Legg Mason, eine der größten Anlagefirmen weltweit, ist unter Druck geraten. Die Rettungsaktionen für einige Geldmarktfonds, die zuletzt schlechte Anlagebilanz des Starmanagers William („Bill“) Miller und Schwierigkeiten im Risikomanagement belasten die Gesellschaft, die insgesamt rund 998,5 Mrd. Dollar verwaltet (siehe „Mehrere Probleme“).

Die lange ungeklärte Nachfolgeregelung für den 71-jährigen Firmengründer Raymond Mason sorgte für zusätzliche Unsicherheit. Doch zumindest diese Frage ist mittlerweile geklärt. Der 53-Jährige Mark Fetting beerbt Mason, der die Geschäfte fast drei Jahrzehnte lang führte. „Wertentwicklung, Marketing und internationale Expansion sind jetzt die Hauptthemenfelder“, sagt er dem Handelsblatt.

Den Aktienkurs konnte das bisher nicht beflügeln. „Das Konglomerat von Problemen hat belastet, und der neue Mann muss sich erst beweisen“, urteilt Fernand Schoppig von der Unternehmensberatung FS Associates in West Orange, New Jersey, die sich auf Anlagehäuser konzentriert.

Alois Pirker, Analyst bei der Beratungsfirma Aite Group in Boston, sieht drängende Aufgaben: „Legg Mason muss schnell die Probleme beim Risikomanagement lösen, was die Hpothekenpapiere angeht und außerdem die Anlagebilanz verbessern.“

Einige Geldmarktfonds waren im vergangenen Jahr mit Papieren sogenannter Zweckgesellschaften belastet – deren Investments in schlechte Hypotheken hatten enorm an Wert verloren. „Wir haben diese Quoten an unserem gesamten Geldmarktfondsgeschäft seit August massiv und sehr offensiv gesenkt“, sagt Fetting am Firmensitz Baltimore. „Im Oktober waren wir noch bei sechs Prozent, in der letzten Woche bei 2,6 Prozent.“ Er beziffert das Geldmarktgeschäft auf ein Volumen von 168 Mrd. Dollar. Mit rund 1,5 Mrd. Dollar stützte Legg Mason die betroffenen Geldmarktfonds. Weitere 900 Mill. Dollar an heiklen Papieren will Fetting aus den Fonds ausgliedern. „Das ist aus Anlegersicht eine Art Risikotransfer weg vom Fonds auf uns als Gesellschaft“, erläutert der neue Chef.

Nach Angaben der Researchgesellschaft Strategic Insight in New York verlor Legg Mason Gelder in den angeschlagenen Geldmarktfonds. Zwar kam die Gesamtsparte auf Nettozuflüsse von 13 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr, doch andere Firmen sammelten im Zuge des Runs auf sichere Investments auf diesem Feld mehr Kapital ein.

Noch stärker wog der herbe Rückschlag bei den langfristigen Anlageprodukten wie Aktienfonds. Hier zogen die Anleger netto 14 Mrd. Dollar ab. Das war teilweise der erneut schlechten Anlagebilanz von Miller zuzuschreiben. Miller hatte mit seinem noch 17 Mrd. Dollar großen US-Aktienfonds Value Trust 15 Jahre in Folge den Index geschlagen – ein Rekord. Doch vor zwei Jahren riss die Serie. Auch im vergangenen Jahr lag der Star wegen der Übergewichtung der stark belasteten Finanzwerte und der Vernachlässigung der gut gelaufenen Rohstofftitel weit hinter den Konkurrenten. „Der Value Trust hat über drei Milliarden Dollar an Geldern verloren, das in Europa angebotene und kleinere Pendant über eine Milliarde Dollar“, sagt Daniel Enskat, Leiter globales Research bei Strategic Insight.

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