Liquiditätsnot
Immobilienfonds Degi Europa macht dicht

Nach dem Kanam US Grundbesitz verschwindet in Deutschland ein weiterer offener Immobilienfonds vom Markt. Die Fondsgesellschaft Aberdeen ist mit dem Versuch gescheitert, den seit zwei Jahren eingefrorenen Degi Europa wieder zu öffnen. Wegen einer unzureichenden Liquiditätsdecke wird dieser nun geschlossen. Die Anleger sollen ihr Geld in Raten bekommen.
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DÜSSELDORF. Der offene Immobilienfonds Degi Europa wird bis Ende 2013 aufgelöst. Noch vor wenigen Tagen hatte Fondsverwalter Aberdeen angekündigt, den Fonds nach zwei Jahren rechtzeitig für Anteilsrückgaben zu öffnen. Doch nun kam das Management zu der Ansicht, dass die Liquidität von mehr als 30 Prozent nicht reichen würde, die bei Öffnung des Fonds zu erwartenden Anteilsrückgaben zu bedienen.

Der Degi Europa war 1972 aufgelegt worden und galt lange Zeit als ein erfolgreicher Klassiker unter den offenen Immobilienfonds. Ende Oktober 2008 war der Fonds mit einem aktuellen Volumen von 1,3 Milliarden Euro wegen der Turbulenzen am Immobilienmarkt jedoch eingefroren worden. So wie eine Reihe anderer Fonds auch bekam er Probleme, weil Anleger Geld abziehen wollten, der Fonds die Immobilien aber nicht schnell genug zu den erwarteten Preisen verkaufen konnte.

Ende nächste Woche wäre für den Degi-Fonds die gesetzlich definierte Frist von maximal zwei Jahren für die Aussetzung der Anteilsrücknahmen ausgelaufen. Skeptisch wurde das Management aufgrund jüngst schlechter Nachrichten aus der Branche, wie dem Einfrieren eines kleinen offenen Immobilienfonds der UBS und eines Immobiliendachfonds der Allianz.

Zudem geht die Aberdeen-Führung davon aus, dass Anteile von 400 Mio. Euro, die seit dem Einfrieren über die Börse gehandelt wurden, von ihren neuen Anteilseigentümern gegen Geld getauscht würden. Nun ist vorgesehen, die Erlöse aus dem Verkauf von nach und nach 19 Fondsimmobilien halbjährlich an die Anleger entsprechend ihrer Beteiligungsquote auszuzahlen. Hartmut Leser, Vorstandschef von Aberdeen Asset Management, sagte dem Handelsblatt: "Wir werden die Immobilien nicht verschleudern."

Mit dem 1,3 Mrd. Euro schweren Degi wird damit der zweite von drei Fonds, für die die Zweijahres-Frist Ende Oktober endet, abgewickelt. Vor zwei Wochen hatte Kanam angekündigt, den Kanam US-Grundinvest aufzulösen. Nun steht noch die Entscheidung von Morgan Stanley zur Öffnung des Morgan Stanley P2 Value aus, der seit der Schließung fast die Hälfte seines Wertes verlor und heute ein Vermögen von 852 Mio. Euro hat.

Nach einer Übersicht des Branchenverbandes BVI waren Ende August rund ein Dutzend offene Immobilienfonds in Deutschland eingefroren, die zusammen knapp 25 Milliarden Euro vor allem für Privatanleger verwalten. Insgesamt waren laut Übersicht rund 88 Milliarden Euro in offenen Immobilienfonds angelegt.

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