Londoner Gespräch: Ausländische Manager fordern von deutschen Vermögensverwaltern mehr Transparenz
Fondsbranche kämpft um Vertrauen

Ausländische Fondsmanager mahnen eine höhere Transparenz bei deutschen Vermögensverwaltern an. Beim Londoner Gespräch des Handelsblatts waren sich die Manager fünf internationaler Fonds einig, dass die Branche in Deutschland stärker um eine Rückkehr der Anleger kämpfen muss als in anderen europäischen Ländern.

HB LONDON.„In Deutschland ist durch das Auf und Ab der vergangenen zehn Jahre viel Vertrauen verloren gegangen“, sagt James Ross, Leiter des europäische Aktiengeschäfts beim US-Fonds ACM Bernstein International. „Die Anleger müssen erkennen können, wie das Ergebnis eines Fonds zu Stande kommt“, pflichtet Uwe Zöllner vom US-Anbieter Franklin Templeton bei. Die Experten fordern deshalb, die Ziele der Fondsmanager und Anleger stärker zu synchronisieren. Das sei etwa dann der Fall, wenn die Boni der Manager bis zur Hälfte in Anteilen an selbst verwalteten Fonds bezahlt würden.

Das Londoner Analysehaus Feri Fund Market hat errechnet, dass Anleger in Europa im Januar per Saldo Anteile über knapp 7,2 Mrd. Euro verkauft haben. Für Zuflüsse könnten aber die verstärkten Ausschüttungen der Unternehmen an die Aktionäre in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen sorgen. Allein bei den 30 Unternehmen des Deutschen Aktienindex rechnet Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg mit 14,5 Mrd. Euro für das Geschäftsjahr 2004. Diese Gelder dürften reichlich in Fonds fließen, urteilen die Experten. Auch deshalb haben Großinvestoren wie Templeton die Region Europa gegenüber den USA zuletzt übergewichtet.

Auch deutsche Fondsmanager müssen weiterhin mit Nettoverkäufen bei Aktienfonds zurecht kommen. Nach Berechnungen des Bundesverbands Investment und Asset Management gaben Privatkunden im Februar Anteile über 0,6 Mrd. Euro ab. Ein nun schon lange anhaltendes Problem, das auch auf die fehlende Aktienkultur im Land zurückgeführt wird. Die Verantwortlichen ziehen deshalb mittlerweile die Notbremse: So deutete die zur Commerzbank gehörende Adig an, rund die Hälfte ihrer Fonds zu schließen. Beim Branchen-Schwergewicht Deka gibt es auch Diskussionen. Chris Taylor vom britischen Fondsmanager Schroder Investment Management geht davon aus, dass in ganz Europa ein zweistelliger Prozentsatz von Fonds schließen wird. „Gerade die Kleinen mit geringem Volumen werden sonst in Schwierigkeiten kommen.“

Nach seiner Ansicht könnten die Fonds aus der Not eine Tugend machen. So werde sich der Trend zur so genannten „offenen Architektur“ in den nächsten Jahren schon aus Kostengründen weiter verstärken. Dieser Trend führt fast zwangsläufig zu höherer Transparenz. Die Asset Manager werden auch in Zukunft ihre Produktpalette verkleinern müssen. Um den Kunden weiterhin viele Alternativen zu bieten, kaufen sie Fonds von internationalen Spezialisten ein. In Deutschland ist die Bereitschaft zur offenen Architektur hoch. Gerade in Italien und Frankreich wehren sich die Banken mit ihren starken Produktplattformen noch dagegen, sagte Dave Dudding vom britischen Fondsmanager Threadneedle. Das sei jedoch gar nicht nötig, glaubt Aktienstratege William O'Neill von JP Morgan Fleming Asset Management: „Auch mit dem Vertrieb von fremden Fonds gibt es eine Menge Geld zu verdienen. Davon profitieren beide Seiten.“ Allerdings warnt die Reuters-Tochter Lipper, ein Anbieter von Informationen über die Fondsindustrie: „Entscheidend für den langfristigen Erfolg der deutschen Industrie ist, dass die Investoren glauben, dass sie von der billigen Form der Diversifikation profitieren.“

Auch der Druck der Aufseher wird zu mehr Transparenz führen. So will die britische Finanzaufsicht FSA das Bündeln von Gebühren und die so genannten „soft commissions“ abschaffen. Im ersten Fall vermischen die Broker in ihren Gebühren für Fonds neben dem Handel andere Aktivitäten wie Research oder das Bereitstellen von Daten-Terminals. Bei „soft commissions“ ziehen beiden Seiten noch eine dritte Partei hinzu: Hier vermittelt der Broker etwa Research von einem unabhängigen Institut an den Fonds. Im Gegenzug bekommt er die Garantie, ein bestimmtes Geschäftsvolumens des Asset Managers zu erhalten. Kunden der Fonds bekommen dagegen in beiden Fällen nicht mit, wie hoch die Gebühren für die Dienstleistungen sind.

Die FSA plant daher eine Regeländerung, die Ende März oder Anfang April veröffentlicht werden dürfte und im dritten Quartal in Kraft treten soll. Die FSA hat bereits durchblicken lassen, künftig nur Handel und Research zuzulassen und zudem die Gebührenstruktur genau aufzuschlüsseln. Das dürfte andere Regulatoren animieren, glaubt Jonathan Ross von ACM: „Die Behörden in den USA und im restlichen Europa schauen genau auf den Prozess, den die FSA angestoßen hat. Deshalb werden die neuen Regeln über kurz oder lang auch andere Länder in Europa beeinflussen.“

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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