Märkte Osteuropas
Showdown im Wilden Osten

Keine andere Region wurde von der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise stärker getroffen als Osteuropa, wenn man die Börsenentwicklung der vergangenen Monate als Indikator nimmt. Die Märkte locken schon jetzt mit niedrigen Bewertungen – doch für eine offensive Anlagepolitik ist es noch zu früh.

FRANKFURT. Die Aktienkurse Osteuropas haben im Schnitt zwei Drittel an Wert verloren (Grafik), die Landeswährungen ein Drittel bis zur Hälfte. Das belastet die Verwalter der Osteuropafonds. Laut Feri Eurorating ist das Gesamtkapital der knapp 70 in Deutschland zugelassenen Fonds seit dem Höhepunkt der Wertentwicklung vor knapp zwei Jahren um mehr als zwei Drittel geschrumpft. Bis jetzt wollen die Anbieter jedoch noch durchhalten. Produktschließungen sind noch kein Thema.

Größte Anbieter sind Blackrock, gefolgt von Baring, Deka, Pioneer und Franklin Templeton (siehe Tabelle). In ihren Publikumsfonds hielten die Fonds zu besten Zeiten 25 Mrd. Euro. Inzwischen sind es nur noch rund acht Mrd. Euro. Doch Sebastian Kahlfeld, Mitglied des Osteuropateams bei der DWS meint: „Die Gefahr einer Schließung von Osteuropafonds im Zuge von Kapitalabzügen der Investoren besteht nicht. Wir hatten in unserem Produkt nur moderate Abflüsse und haben die Anteile der illiquiden Werte bereits gesenkt.“

Vermögensverwalter knüpfen die Hoffnungen auf eine Börsenwende an eine Besserung der trüben Wirtschaftslage. „Wenn die US-Konjunktur wieder anspringt, werden auch die osteuropäischen exportorientierten Ökonomien wieder laufen: Davon sollten die Börsen in Russland, der Slowakei, Tschechien und der Türkei am stärksten profitieren“, sagt Kahlfeld.

Ähnlich hält Angelika Millendorfer, Leiterin des Osteuropateams bei Raiffeisen Capital Management in Wien, die langfristige Wachstumsstory Osteuropas für intakt. „Wir brauchen allerdings eine Stabilisierung der globalen Kapitalmärkte“, sagt sie. Die Raiffeisen-Expertin hält allerdings eine schnelle Besserung der Lage für unwahrscheinlich. 2009 könnten die Kurse weiter fallen, meint sie.

Rein optisch locken die Märkte schon jetzt mit niedrigen Bewertungen. „Die Börsen in der Türkei und Russland sind sehr attraktiv bewertet. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse liegen in Russland bei vier, in der Türkei bei sieben. Doch die Gewinnschätzungen sind sehr unsicher und wahrscheinlich bis zu 20 Prozent zu hoch“, sagt Kahlfeld. Für eine offensive Anlagepolitik sei es noch zu früh: „Derzeit bleiben wir defensiv ausgerichtet, haben krisenresistente Unternehmen, die weiterhin Gewinne machen, wie etwa Telekom-Unternehmen.“ Er nennt Magyar Telekom mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von sieben und 14 Prozent Dividendenrendite. Millendorfer sieht ebenfalls „extrem billige“ Unternehmen. Aber auch sie will eine Verbesserung der globalen Lage abwarten. „In einem international guten Umfeld setzen wir auf Russland, auf die dortigen Öl- und Gaswerte. Diese Positionen haben wir aufgestockt. Auch die Türkei steht recht gut da. Zentraleuropa haben wir untergewichtet.“

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