Medienfonds
Fahnder nehmen Victory Medienfonds ins Visier

Ein weiterer Medienfonds ist ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Die Augsburger Strafverfolger haben Anklage gegen Franz Landerer, den Initiator der Victory Medienfonds, erhoben. Es geht um Steuerhinterziehung und Untreue sowie ein groß angelegtes Schneeballsystem, hieß es aus Ermittlerkreisen. Den Anlegern droht unterdessen ein Super-Gau.

FRANKFURT. Der Einzelhandelskaufmann aus Kaufbeuren soll, so die Vorwürfe, unberechtigt Betriebsausgaben von der Steuer abgesetzt und Gelder zwischen einzelnen Fonds verschoben haben. Einnahmen aus der Vermarktung von Filmen eines Fonds soll er nicht an die Anleger ausgeschüttet haben, sondern an andere Fonds.

Es bestehe der Verdacht auf ein groß angelegtes Schneeballsystem, hieß es aus Ermittlerkreisen. Fast zwei Jahre hatten die Augsburger Behörden gegen die Fonds, deren Initiator und dessen Geschäftspartner ermittelt. Dabei ging es vor allem um ein Konglomerat von rund 30 Firmen unter anderem in Italien, den Niederlanden und der Karibikinsel Curacao.

Landerer und seine Victory Media Gruppe hatten seit Beginn der 90er Jahre rund 350 Mill. Euro Kapital eingesammelt, um damit Zeichentrickfilme und Fernsehserien zu finanzieren. Um Anleger zu locken, holte Landerer dafür auch schon mal Baywatch-Star David Hasselhoff zur Gesellschafterversammlung in die bayerische Provinz. Genützt hat es nichts, die meisten der insgesamt 23 Filmfonds floppten. Ende 2006 musste Victory Media Insolvenz anmelden. Gegen Landerer und weitere Manager ermittelt seitdem der Staatsanwalt.

"Den Anlegern droht jetzt der Super-Gau", sagte der Münchener Anlegerschutzanwalt Joachim Kleefeld von der Kanzlei Mattil, die rund 150 Anleger vertritt. "Nicht nur das Geld ist futsch, jetzt drohen auch noch Steuernachzahlungen", sagte er.

Filmfonds galten in den 90er Jahren als Steuersparmodell vermögender Anleger. Bis 2005 konnten sie ihre Investitionen als Verluste von der Steuer absetzen. Dann kippte die Große Koalition das Gesetz. Seitdem ermitteln bundesweit Staatsanwälte gegen Fonds-Initiatoren; Steuerfahnder prüfen, ob die Fondsmodelle Steuervorteile rechtfertigen und Anleger verklagen Anbieter und Vermittler auf Schadenersatz, weil sie Nachzahlungen befürchten und sich getäuscht fühlen.

Landerers Anwalt Alexander Schemmel wies die Vorwürfe der Staatanwaltschaft zurück. Man werde einem Deal aber nicht im Wege stehen, sagte Schemmel.

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