Mehr Ladungskapazität als Ladung
Schiffsanteile im Ausverkauf

Durch die Krise sind die Durchschnittskurse für Kommanditanteile an Schiffen in den vergangenen Monaten extrem gefallen. Private Schnäppchenjäger versuchen, die Not der Schiffseigner für sich zu nutzen - nicht immer mit ehrlichen Argumenten.

DÜSSELDORF. "Es ist eine gute Zeit, Anteile an Schiffsfonds extrem günstig einzukaufen", sagt Björn Meschkat, Chef der Deutschen Zweitmarkt AG (DZAG). Die DZAG ist eine Handelsplattform für gebrauchte Anteile an geschlossenen Fonds. Die Durchschnittskurse für solche Kommanditanteile an Schiffen sind in den vergangenen Monaten extrem gefallen. Private Aufkäufer wie auch Anbieter von sogenannten Zweitmarkt-Fonds versuchen, die Not der Schiffseigner für sich zu nutzen - nicht immer mit ehrlichen Argumenten. Zweitmarkt-Fonds kaufen Anteile, entweder direkt vom Anleger oder über Börsen wie DZAG und Fondsbörse Deutschland.

Überkapazitäten auf dem Schiffsmarkt haben zum Verfall der Fracht- und Charterraten (Mieten) für Schiffe geführt. "Mindestens 70 Fondsschiffe sind in Not", stellte die "Fondszeitung", ein auf geschlossene Fonds spezialisiertes Magazin, kürzlich fest. Elf Schiffs-Kommanditgesellschaften (KG) seien insolvent, fünf stünden kurz vor der Pleite. Der Schifffahrtsexperte Jürgen Dobert macht eine andere Rechnung auf: "Ich kenne mehr als 100 Schiffsgesellschaften, die nicht mehr tilgen." Üblicherweise werden Fonds-Schiffe etwa zur Hälfte fremdfinanziert. Vielfach reichen die Einnahmen der Schiffe nun nicht mehr aus, um Zins- und Tilgung zu bedienen. Anleger werden von den Banken aufgefordert, Nachschüsse zu leisten, um die Insolvenz abzuwenden.

Mehr Ladungskapazität als Ladung gibt es alle paar Jahre. Nur keine Krise war so extrem wie diese. "Überkapazitäten hat es schon früher gegeben. Aber sie waren noch nie so hoch, und sie treffen zum ersten Mal auf eine weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise", erläutert Experte Dobert. Betroffen ist vor allem der von deutschen Anlegern dominierte Containerschiffsmarkt. Derzeit lägen weltweit rund 500 Containerfrachter ohne Transportaufträge auf Reede, schätzt die Branche.

Unter den Fonds, die auf Schnäppchenjagd gehen, gibt es zwei Gruppen. Die eine will notleidende Schiffe kaufen. Dazu zählen der "HCI Shipping Opportunity" der Branchengröße HCI sowie der "Schnäppchenfonds I 2009" der primär Insidern bekannten Oltmann-Gruppe. Oltmann kann auf Erfahrungen aus sechs Fonds verweisen, die früher in Abschwungphasen billig Schiffe aufgekauft haben.

Zur zweiten Gruppe gehören Fonds, die statt ganzer Schiffe nur KG-Anteile daran kaufen. Nach diesem Muster ist der "Schiffsportfolio 6" von Nordcapital, einem Anbieter mit Reederei-Hintergrund, gestrickt. Dass sie auf Schnäppchen unter den Beteiligungen aus sind, gibt der kleine Anbieter Hesse Newman mit dem "Opportunity" im Namen seines Zweitmarktfonds klar zu erkennen.

Branchenbeobachter mahnen Anleger zur Vorsicht vor den Einkäufern von Billig-Anteilen. "Die Anleger müssen aufpassen, dass sie mit einer Zweitmarktbeteiligung nicht künftige Nachschüsse einkaufen", warnt DZAG-Chef Meschkat. Die Gefahr, Nachschüsse leisten zu müssen, um einen Fonds zu retten, sieht Experte Dobert auf alle Zweitmarktfonds zukommen. Er würde Fonds vorziehen, die nicht Anteile, sondern notleidende Schiffe vollständig übernähmen und ein Sanierungskonzept dafür hätten.

Als wäre die Schifffahrtskrise nicht schon schlimm genug, schildern unseriöse Anteilskäufer sie in Briefen an Anleger noch drastischer, um ihnen Anteile weit unter den Kursen an den Börsen abzuluchsen. "Die Zahl solcher Schreiben hat seit Jahresbeginn zugenommen", stellt Sönke Fanslow, Geschäftsführender Gesellschafter des Fondsanbieters Hansa Treuhand fest. Die Aufkäufer schreiben die Anlegeradressen aus dem Handelsregister ab und verschicken Serienbriefe. In den Briefen würden häufig falsche Behauptungen über die wirtschaftliche Situation einesFonds aufgestellt, sagt Fanslow. Hansa Treuhand wie auch andere Fondsanbieter wehrten sich dagegen mit Abmahnungen und Aufforderungen zur Abgabe von Unterlassungserklärungen an die Briefeschreiber.

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