Mehr Transparenz durch Kodex
Neue Regeln für Zertifikate

Mit neuen Verhaltensrichtlinien wollen führende deutsche Banken die Transparenz in der Zertifikate-Branche erhöhen. Ab 1. Januar kommenden Jahres werden sich neun im Derivate Forum zusammengeschlossene Emittenten an einem festen Kodex orientieren, den der Branchenverband am Dienstag vorstellte.

FRANKFURT. "Wir wollen Mindeststandards schaffen, die das Vertrauen der Anleger schützen", sagte Siegfried Piel, Vorsitzender des Derivate Forums. Insgesamt umfasst der Kodex sechs Regeln, mit denen Chancen und Risiken einzelner Produkte, die Preisgestaltung sowie der Handel übersichtlicher dargestellt werden sollen.

Piel betonte, dass die Selbstverpflichtung der Emittenten "ohne Druck von außen" zustande gekommen sei. Allerdings ist das öffentliche Interesse an der Zertifikate-Branche in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Angesichts des rasanten Wachstum des Segments - im laufenden Jahr hat das Volumen der ausstehenden Produkte von 80 Mrd. auf über 110 Mrd. Euro zugenommen - werden die Forderungen nach mehr Transparenz lauter. Kritiker bemängeln zu komplizierte Verkaufsprospekten, verwirrende Produktnamen sowie eine unübersichtliche Preisgestaltung.

An diesen Punkten setzt der Kodex des Derivate Forums nun an. Künftig sollen Anleger alle relevanten Informationen zum Basiswert eines Zertifikates im Internet nachlesen können. Daneben verpflichten sich die Emittenten, die Informationen "ausgewogen und in einer verständlichen Sprache" zu halten. "Auf eine allzu werbliche Darstellung von Basiswerten wollen wir verzichten", erklärte Piel. Die Chancen und Risiken einzelner Produkte sollen künftig in unterschiedlichen Szenarien dargestellt werden, um keine irreführenden Renditerwartungen zu schüren. Außerdem sollen die Namen für einzelne Produktgattungen harmonisiert werden, die Handelszeiten der Banken offen gelegt und stets aktuelle Informationen zur Bonität der Emittenten veröffentlicht werden.

Die Mitglieder, die die Kriterien erfüllen, können ihre Prospekte künftig mit einem Gütesiegel des Derivate Forums versehen. Umgekehrt droht Emittenten, die mehrfach gegen den Kodex verstoßen, der Ausschluss aus dem Verband. Eine kontinuierliche Kontrolle gibt es allerdings nicht. Die Einhaltung der Kriterien überprüft der Vorstand des Derivate Forums auf seinen Sitzungen. Vertreter anderer Emittenten und Anlegerschützer reagierten zurückhaltend auf den Vorstoß des Derivate Forums: "Die Idee ist sicherlich gut, inhaltlich geht der Kodex aber nicht über das hinaus, was die Emittenten heute bereits tun", bemängelt Heiko Weyand von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Klaus Oppermann, Derivate-Experte der Commerzbank und Vorstandsmitglied im zweiten Branchenverband DDI, sieht in dem Regelwerk ebenfalls "weitgehend den heutigen Marktstandard" abgebildet. Allerdings hält er den Vorstoß des Derivate Forums dennoch für konstruktiv: "Hier werden zwar Dinge festgeschrieben, die für die Experten im Markt selbstverständlich sind, für viele Außenstehende aber nicht. Der Kodex zeigt damit, wie gut und detailliert die Branche durch bestehende Gesetzesregelungen sowie die Regelwerke der Börsen in den spezialisierten Handelssegmenten für strukturierte Wertpapiere bereits reguliert ist."

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