Milliarden umgeschichtet
Anleger flüchten scharenweise aus Fonds

Im September zogen die europäischen Anleger unter dem Eindruck der Kreditkrise rund 124 Mrd. Euro aus Investmentfonds ab. Das ist laut Datenanbieter Lipper FMI in London ein Rekord. "Für Oktober könnten wir noch schlimmere 200 Milliarden erreichen, im Gesamtjahr sogar 400 Milliarden Euro", sagt Lipper-FMI-Geschäftsführerin Diana Mackay.

FRANKFURT. Im bisherigen Jahresverlauf haben die Mittelabzüge der Anleger und die Kurseinbrüche an den Aktienmärkten das europäische Fondskapital um 16 Prozent auf 4,4 Billionen Euro gedrückt. Bei den Septemberzahlen schlägt die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers am 19. des gleichen Monats durch. Nach diesem Stichtag flüchteten Anleger verstärkt in die als sicher geltenden Anlagen. Darunter litten vor allem die Geldmarktfonds. Viele Portfolios mischen Papiere mit Kreditrisiken bei, an denen Zweifel aufkeimten. Institutionelle Anleger zogen allein aus Geldmarktfonds im September netto 66 Mrd. Euro ab und schichteten die Mittel häufig in Bankeinlagen um. Im Vormonat waren noch über 17 Mrd. Euro netto investiert worden.

"Auf diesem Feld sehe ich weiter Gefahrenpotenzial", sagt Hans Günther Bonk, Leiter der Anlagegesellschaft Assénagon. "Gerade wenn Fonds wegen Anteilsrückgaben liquidere und damit qualitativ hochwertigere Positionen verkauft haben, sind jetzt nur noch weniger liquide Titel enthalten", sagt Bonk.

Derartige Zwangsverkäufe in Wertpapierfonds können in eine Abwärtsspirale aus Bestandsverkäufen, Kursverlusten an den zugrunde liegenden Märkten und weiteren Anteilsrückgaben der Anleger münden. Problembereiche gibt es schon jetzt genug: Zuletzt mussten einige offene Immobilienfonds wegen Anteilsrückgaben schließen. Unter erzwungenen Positionsauflösungen leiden außerdem viele Hedge-Fonds, die in den Lipper-FMI-Zahlen nicht berücksichtigt sind.

In einem Negativszenario könnten viele Fondsgruppen leiden. Aus Aktienfonds beispielsweise zogen die Anleger im September knapp 25 Mrd. Euro ab. Eine Beschleunigung von Anteilsrückgaben dürfte die Aktienkurse zusätzlich unter Druck setzen. "Momentan stellen wir eine Beruhigung an den Märkten fest, aber sollte es in den nächsten Monaten zu neuen Börseneinbrüchen kommen, würde sich die Psychologie weiter eintrüben", sagt Christian Wrede, Leiter Zentraleuropa beim Fondsanbieter Fidelity.

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