Milliardeneinnahmen durch Steueränderung bezweifelt
Medienfondsanbieter greifen Regierung an

Die Anbieter von Medienfonds bestreiten energisch, dass die angekündigte Streichung von Steuervorteilen dem Staat Einnahmen in Milliardenhöhe bringt. Die genannte Summe von 3,5 Mrd. Euro Steuerausfälle durch Medienfonds sei völlig unrealistisch, sagte Michael Oehme, Vorstand des Verbands Deutscher Medienfonds.

chs DÜSSELDORF. Schließlich habe die Branche im vergangenen Jahr lediglich 1,5 Milliarden Euro Anlegergeld eingesammelt. Daher betrage der Steuereffekt maximal 750 Millionen Euro. Der Verband sprach von blindem Aktionismus. Der Chef des Branchenführers VIP Vermögensberatung, Andreas Schmid, warf der Bundesregierung vor, mit falschen Zahlen ein Feindbild aufzubauen.

Die Bundesregierung will die Körperschaftsteuer senken und im Gegenzug Gestaltungsmöglichkeiten einschränken. Ins Visier hat sie dabei vor allem Medienfonds genommen und verspricht sich Mehreinnahmen von zwei Mrd. bis 3,5 Mrd. Euro. Deutsche Anleger mögen diese Produkte, weil sie hohe Verlustzuweisungen von der Steuer absetzen können.

Die Branche argumentiert, gerade Medienfonds hätten erfolgreiche deutsche Produktionen ermöglicht und zahlreiche Arbeitsplätze in der deutschen Filmindustrie geschaffen. „Es ist schlicht absurd, für eine angebliche Joboffensive Zehntausende von hochqualifizierten Arbeitsplätzen zu vernichten“, beklagte Verbandsvorstand Oehme.

VIP-Chef Schmid argumentierte, der Fiskus werde von einer Schlechterstellung der Medienfonds nicht profitieren. Anleger wichen dann auf andere Produkte aus. Er gehe allerdings nicht davon aus, dass sich die steuerlichen Rahmenbedingungen änderten. Das Münchener Unternehmen hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr von Medienfonds-Anleger 395 Mill. Euro eingeworben und ist damit Branchenführer vor Hannover Leasing. Der Branchenzweite wollte die Berliner Pläne vorerst nicht kommentieren.

Während neben VIP auch andere Anbieter daran zweifeln, dass der Vorstoß der Bundesregierung Wirklichkeit wird, meint der Fondsanalyst Stefan Loipfinger: „Irgendetwas wird passieren.“ Wenn die Steuerpläne allerdings so umgesetzt werden sollten, werde die Branche auf ein Zehntel ihres Volumens schrumpfen. „Dann wird es Medienfonds so gut wie nicht mehr geben.“ Allerdings hält auch Loipfinger die erhofften Mehreinnahmen von bis zu 3,5 Mrd. Euro für völlig überhöht.

Der Vorstoß der Bundesregierung könnte sich nach Ansicht des Medienfondsverbands aber auch als Bumerang erweisen und zunächst vermehrte Steuerausfälle bedeuten. Da die Änderungen wohl nicht rückwirkend durchzusetzen seien, könnte das sonst übliche Jahresendgeschäft jetzt bereits eingeläutet sein, sagt Verbandsvorstand Oehme. Schließlich haben ja auch die Lebensversicherer vor der Streichung ihrer wichtigsten Steuervorteile einen Boom erlebt.

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