Millionenbetrug
Hedge-Fonds-Gründer muss 20 Jahre in Haft

Es ist eine der längsten Haftstrafen, die jemals gegen einen Manager in den USA ausgesprochen wurde: Ein US-Bezirksgericht hat Samuel Israel, einen der Gründer der insolventen Hedge-Fonds-Gesellschaft Bayou Group, zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Hedge-Fonds hatte Investoren um 400 Millionen Dollar betrogen.

Bloomberg NEW YORK. Darüber hinaus muss Israel 300 Mill. Dollar Entschädigung zahlen. Laut Richterin Colleen McMahon hat Israel Investoren um 400 Mill. Dollar betrogen. Der Bayou-Mitgründer hatte sich des Betrugs schuldig bekannt.

„Ich habe Sie angelogen und betrogen und ich kann gar nicht sagen, wie leid mir das tut“, erklärte Israel im Gericht. Die Anwälte hatten eine milde Strafe für den 48jährigen beantragt und auf die neun Rückenoperationen, die Schmerztablettensucht, den Herzschrittmacher und das Rückenimplantat seines Mandanten verwiesen. „Er war mit all diesen Beschwerden in der Lage, die kriminellen Taten zu begehen“, hielt ihm McMahon unbewegt entgegen.

Die Richterin begründete die Länge der Strafe mit dem Umfang des Betrugs. „Es ist schwer, die 400 Mill. Dollar in den Kopf zu bekommen“, sagte sie. „Das steht in keinem Verhältnis zu allen Verbrechen, die ich bisher gesehen habe.“ Mit der Verurteilung von Israel ist die strafrechtliche Aufarbeitung des Zusammenbruchs von Bayou im Mai 2006 abgeschlossen. Bayou war einer der größten Hedge-Fonds, gegen die wegen Veruntreuung ermittelt wurde. Nachdem die Gesellschaft im Mai 2006 Insolvenz beantragt hatte, reichten Investoren Klagen ein. Der Vorwurf lautete, Bayou habe ein Schneeballsystem betrieben, bei dem Altinvestoren mit dem Geld neuer Anleger ausgezahlt wurden.

Israel hatte Bayou 1995 zusammen mit James Marquez gegründet. Nachdem die Hedge-Fonds-Gesellschaft 1998 Verluste verbuchte, gründeten Marquez und Finanzvorstand Daniel Marino eine Schein-Buchprüfungsgesellschaft namens Richmond-Fairfield Associates, die die gefälschten Finanzausweise von Bayou testierte. Israel hat eigenen Angaben zufolge anfänglich geglaubt, dass Richmond Fairfield noch andere Kunden habe und die Bücher von Bayou in Ordnung seien. Erst später habe er erfahren, dass dies nicht der Fall sei. Mit seinen Transaktionen – Israel handelte für den Hedge-Fonds mit Aktien – habe er rund 55 Mill. Dollar Verluste eingefahren, die Bayou vor den Kunden verbarg.

Ans Tageslicht kam der Betrug, als der Dach-Hedge-Fonds Silver Creek Capital Management im August 2005 53 Mill. Dollar von Bayou abziehen wollte. Die Strafe ist eine der höchsten im Bereich Wirtschaftskriminalität, die in den sieben Jahren nach dem Zusammenbruch des Energiehändler Enron verhängt wurde. Ähnlich lange Gefängnisstrafen erhielten der frühere Enron- Vorstandschef Jeffrey Skilling mit 24 Jahren und Bernard Ebbers, Chairman von WorldCom ( 25 Jahre). Im Januar wurde bereits Bayous Ex-Finanzchef Marino zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Gegen Mit-Gründer Marquez verhängte das Gericht im Januar viereinhalb Jahre Haft. Ihm wurde „nur“ ein Betrug von 6 Mill. Dollar zur Last gelegt. Israel erhielt fünf Jahre für Anlageberatungsbetrug, fünf Jahre für Verschwörung und 20 Jahre für Postbetrug. Die Richterin verhängte für jeden Tatbestand die Höchststrafe, erlaubte Israel jedoch, die Strafen gleichzeitig und nicht nacheinander zu verbüßen.

Israel wurde in New Orleans geboren. Sein Vater hatte ein Unternehmen, das Kaffee, Kautschuk, Garnelen und Düngemittel importierte, geht aus einem Memorandum der Anwälte hervor. 1981 verkaufte die Familie das Unternehmen für 44 Mill. Dollar an Donaldson Lufkin & Jenrette. Nach einem abgebrochenen Universitätsstudium fing Israel 1982 als Bote für Frederic J. Graber & Co. an der New Yorker Börse an. Im Laufe der Zeit arbeitete er sich zum Händler hoch.

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