Mittelabzüge und Fondsskandals belasten
Marsh & McLennan will Putnam verkaufen

Der weltgrößte Versicherungsbroker Marsh & McLennan will sich von Putnam Investments trennen. Im Juni sind die von der angeschlagenen Publikumsfondssparte verwalteten Kapitalanlagen auf 180 Mrd. Dollar abgeschmolzen – das ist der niedrigste Stand seit über neun Jahren. Putnam war maßgeblich in den vor zwei Jahren aufgedeckten Skandal um missbräuchliche Fondshandelspraktiken verwickelt.

Bloomberg BOSTON. „In den letzten Monaten haben wir wiederholt Anfragen von Interessenten erhalten, die Putnam entweder übernehmen oder mit Putnam eine Allianz eingehen wollen“, teilte Vorstandschef Michael Cherkasky in einer Erklärung mit. „Ich habe entschieden, dass es im Interesse unserer Aktionäre ist, den Marktwert von Putnam zu testen.“ Zu konkreten Schritten im Bezug auf Putnam gab Marsh & McLennan keine Details bekannt.

Damit vollzieht der Broker einen Strategiewechsel. Noch Anfang des Jahres hatte Cherkasky geäußert, man habe keine Veräußerungspläne. Stattdessen ziehe man einen Ausbau der in Boston ansässigen Vermögensverwaltungssparte in Erwägung. Damit enttäuschte Cherkasky Investoren, die die Trennung gefordert hatten. „Das Unternehmen ist definitiv unter Druck, etwas mit Putnam zu machen“, sagt Cliff Gallant, Analyst bei Keefe, Bruyette & Woods.

Der New Yorker Mutterkonzern kann für Putnam mindestens drei Mrd. Dollar vereinnahmen, schätzen Analysten wie Marc Serafin von Morgan Stanley. Gebote dürften von Franklin Resources, Ameriprise Financial, Amvescap und Wells Fargo zu erwarten sein, erwartet Robert Haines, Analyst bei CreditSights in New York. Er ist optimistischer und rechnet sogar mit einem Kaufpreis zwischen 4,5 und 5,5 Mrd. Dollar. „Dass die Unternehmensführung sich dem Druck beugt, die Werthaltigkeit der Vermögenswerte darzulegen, erachten wir als positiv für die Aktionäre“, schreibt Serafin.

Von 2003 bis zum Juni dieses Jahres zogen Kunden 156 Mrd. Dollar Anlagekapital aus Putnam-Fonds ab. Eine Ursache war die schlechte Performance vieler Fonds. Darüber hinaus belasteten die Vorwürfe des New Yorker Generalstaatsanwalts Eliot Spitzer im Oktober 2004, die Gesellschaft sei in den Branchenskandal um unlautere Handelspraktiken verwickelt. Seitdem ist der Aktienkurs von Marsh & McLennan um 37 Prozent gefallen.

Es ging konkret um Vorwürfe der US-Wertpapieraufsicht SEC und von Behörden des US-Staates Massachusetts, Putnam habe geduldet, dass Fondsmanager unerlaubt Wertpapiere handelten („market timing“), was die Wertentwicklung für langfristig orientierte Anleger verwässert habe. Im Rahmen eines Vergleichs verpflichtete sich Putnam im März 2005 zur Zahlung von mindestens 193,5 Mill. Dollar Strafe und Schadensersatzleistungen für Anteilsinhaber.

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