Morningstar Fund Awards
Interview: „Keine Dilettanten unter den besten Fonds“

2008 ist das Jahr der Entscheidung: Noch bis Jahresende werden Investoren ihre Depots fit für die Einführung der Abgeltungsteuer machen. Ein Gespräch mit den Morningstar-Experten Anne E. Connelly und Werner Hedrich über Methoden und den Nutzen des Fund Awards für Anleger.

Frau Connelly, Herr Hedrich, für die von Ihnen berechneten Fund Awards ziehen Sie einen Zeitraum von fünf Jahren heran. Für die Morningstar Fund Awards 2008 heißt das: Maßgeblich sind die Jahre 2003 bis 2007 und damit fünf sehr starke Jahre für fast alle Vermögensklassen. Müssen sich Anleger sorgen, dass die Sieger in schwachen Börsenzeiten umso heftiger unter die Räder kommen?

Überhaupt nicht. In die Wertung der Kategorien geht zum Beispiel das letzte Jahr – also 2007 – mit rund 50 Prozent in die Berechnung ein. Und das Jahr 2007 war alles andere als ein klassisches Bullenjahr, wir haben von zwei scharfen Korrekturen bis zu einer Erholung zum Jahresende an den Aktienmärkten viel Bewegung gesehen. Wer sich in diesem Umfeld bewährt, hat den Titel verdient.

Gibt es einen klar identifizierbaren Trend der Awards 2008?

Ja, über einen Zeitraum von fünf Jahren schlagen die Kosten eines Fonds ganz erheblich auf das Ergebnis der Fund Awards durch. Das erkennen Sie auch daran, dass ein Indexfonsanbieter als beste große Gesellschaft für Aktienfonds ausgezeichnet wurde. Sicher war das Marktumfeld der letzten fünf Jahre auch sehr günstig für passive Fonds.

Fidelity hat den Awards für die beste Gesellschaft über alle Klassen gewonnen, taucht aber bei den Kategorien-Siegern nicht auf. Wie passt das zusammen?

Zunächst muss man klar unterscheiden zwischen den Awards für Gesellschaften und denen der Kategorien, die unterschiedlich berechnet werden. Davon abgesehen: Fidelity hat mit seinen Aktienfonds sehr gut abgeschnitten und mit seinen Anleihenprodukten ordentlich. In der Breite ihrer Produktpalette ist Fidelity daher die beste große Gesellschaft. Nach welcher Methode ermitteln Sie die besten Fondshäuser?

Wir untersuchen alle Investmentfonds, die mindestens eine fünfjährige Performance haben. Für die Awards der besten Fondshäuser vergleichen wir das Morningstar-Fünfjahrerating für alle Fonds, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind.

Wie bekommt ein Fonds ein Rating?

Wir analysieren die Wertentwicklung vergleichbarer Fonds und berücksichtigen dabei das Anlagerisiko und die Kosten. Dafür gruppieren wir die 4300 in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Fonds mit einer Fünfjahreshistorie anhand ihrer Portfoliopositionen in Kategorien ein. Die Sieger in den Kategorien sollten für Privatanleger zugänglich, sprich leicht in‧vestierbar sein. Gleiches gilt für die überwiegende Anzahl der Fonds bei den Awards für die Produktpalette einer Fondsgesellschaft.

Welche Rolle spielen dann Ertrag und Risiko?

Bei den Kategorie-Awards fließt die Wertentwicklung der Fonds zu 70 und das Risiko zu 30 Prozent in das Rating ein. Zur Messung des Risikos haben wir eine Nutzenfunktion entwickelt. Sie gewichtet Wertverluste stärker als Gewinne, weil Anlegern ein Verlust meist größeres Unbehagen bereitet, als sie ein Gewinn freut. Das Morningstar-Fünfjahres-Rating als Grundlage für die Berechnung der Fund House Awards vereint die Komponenten Performance, Risiko und Kosten über fünf Jahre. Wir berücksichtigen außer laufenden Kosten für das Fondsmanagement und Verwaltung auch die Kaufgebühren. Ausgabeaufschläge werden über die fünf Jahre verteilt.

Wie ordnen Sie die Fonds den Kategorien zu?

Wir sehen uns das gesamte Portfolio eines Fonds genau an, um wirklich nur Fonds mit gleichen Anlagezielen zu vergleichen. Ein Beispiel: Fährt ein von einer Gesellschaft als Anleihenfonds angebotener Fonds zeitweilig mit einer Aktienquote von 20 Prozent, gruppieren wir ihn als Mischfonds ein. Oft ist in Fonds schlicht nicht enthalten, was draufsteht.

Wie unterscheiden sich die einzelnen Awards für Fondsgesellschaften?

Außer dem Award für das beste Fondshaus über alle Vermögensklassen hinweg differenzieren wir bei Aktien- und Anleihehäusern nach großen und kleinen Anbietern. Große Häuser bieten mindestens 15 Rentenfonds beziehungsweise 20 Aktienfonds an. Eine kleine Gesellschaft muss für uns mindestens drei Renten- oder fünf Aktienfonds verwalten.

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