MPC Capital Fonds unter Druck
Wenn Fondsanleger zu Aktionärsfeinden werden

Auf der Hauptversammlung von MPC Capital droht Stunk von Fondsanlegern: Sie fürchten, dass ihnen die jüngste Abkopplung der Fondsverwaltungstochter schaden könnte. 200 Fonds und 180.000 Anleger sind betroffen.
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FrankfurtKurz vor der Hauptversammlung der MPC Capital am heutigen Donnerstag machen Anlegeranwälte gegen das Emissionshaus mobil. Anlass ist eine Umstrukturierung bei MPC, wegen der die Anwälte nun eine Benachteiligung der Fondsanleger befürchten. Vor allem bei Schiffs- und Lebensversicherungsfonds mussten Anleger bereits Verluste hinnehmen – und es sind zahlreiche Klagen wegen fehlerhafter Prospekte anhängig.

Der aktuelle Protest richtet sich nun gegen die Abkopplung der MPC-Tochter TVP (Treuhand- und Verwaltungsgesellschaft für Publikumsfonds). Diese betreut nach Angaben von MPC derzeit etwa 200 Fonds mit rund 180.000 Anlegern und knapp sechs Milliarden Euro Eigenkapital. Die TVP agiert als Gründungskommanditistin und Treuhänderin der MPC-Fonds und soll für Anleger – so heißt es auf der Unternehmenshomepage – der „direkte Draht zur Fondsgeschäftsführung“ sein und ihre Interessen vertreten. Doch Ende 2014 hat MPC den sogenannten Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit TVP aufgekündigt.

Die neue Unabhängigkeit der Gesellschaft könnte für die Anleger zum Nachteil werden: „Jahrelang hat MPC Gewinne der Tochtergesellschaft abgeschöpft, jetzt will sie sich vor einer Durchgriffshaftung von Schadenersatzansprüchen wegen Prospekthaftung schützen“, mutmaßt Jens-Peter Gieschen, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und Partner der Bremer Kanzlei KWAG.

Diesen Vorwurf weist MPC Capital jedoch zurück: „Diese Behauptung führt ins Leere, da derartige Ansprüche gar nicht bestehen“, sagt MPC-Sprecher Stefan Zenker. „Bislang hat jeder Prospekt einer gerichtlichen Prüfung, aus der sich Prospekthaftungsansprüche hätten ergeben können, standgehalten.“ Sämtliche Verkaufsprospekte von Fonds der MPC Capital-Gruppe seien einwandfrei gewesen.

Doch Anwalt Gieschen lässt sich davon nicht beirren. Zwar hat das Landgericht Hamburg erst Anfang dieser Woche 41 Prospekthaftungsklagen gegen einen Schiffsfonds von MPC Capital zurückgewiesen. Dennoch beruft sich Gieschen darauf, eine andere Argumentationslinie zu verfolgen als die Anwälte einer Konkurrenz-Kanzlei. Außerdem: „Noch gibt es keine Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH)“, sagt er und es sei nicht ungewöhnlich, dass der BGH zu einer anderen Einschätzung komme als Land- und Oberlandesgerichte. Bis eine höchstrichterliche Entscheidung vorliegt, können aber weder die Anleger noch MPC den Sieg für sich proklamieren.

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