Nach Verbot von Leerverkäufen droht Klagewelle
Hedge-Fonds fürchten neue Verluste

Finanzregulierer rund um den Globus haben so genannte Leerverkäufe von Finanzwerten verboten, um die Situation an den Kapitalmärkten zu beruhigen. Für Hedge-Fonds bedeutet dies hohe Verluste. Einige wollen das Verbot nicht akzeptieren.

LONDON.Hedge-Fonds, die ihr Geld mit Wetten auf fallende Kurse verdienen, drohen hohe Verluste. "Viele Fonds werden gerade gezwungen, ihre Positionen in einem Marktumfeld aufzulösen, das alles andere als günstig für sie ist", warnt ein Londoner Dachfonds-Manager, der für einen großen Vermögensverwalter ein Portfolio von Hedge-Fonds betreut.

Am Wochenende hatten Finanzregulierer rund um den Globus so genannte Leerverkäufe von Finanzwerten verboten, um die chaotische Situation an den Kapitalmärkten zu beruhigen. Bei Leerverkäufen leihen sich Hedge-Fonds gegen eine geringe Gebühr Aktien von großen Investoren, verkaufen sie am Markt und hoffen, sie später günstiger zurückkaufen zu können. Die Finanzaufseher in USA, Großbritannien und Deutschland werfen den Hedge-Fonds vor, dass sie mit solchen Geschäften das ohnehin schwer angeschlagene Vertrauen in den Finanzsektor weiter untergraben.

Hedge-Fonds, die sich auf Leerverkäufe spezialisiert haben, konnten in diesem Jahr bislang eine Rendite von 9,4 Prozent erzielen, zeigen Daten von Hedge Fund Research in Chicago. Damit erzielten sie das beste Ergebnis aller Hedge-Fonds-Strategien.

Allerdings wächst jetzt in der Branche die Furcht, dass viele dieser Fonds durch das Leerverkaufsverbot auf dem falschen Fuß erwischt wurden. "Vor dem Wochenende und gestern kämpften viele Leerverkäufer damit, ihre Positionen glatt zu stellen, das wird nicht ohne schmerzhafte Folgen für die Performance bleiben", warnt der Londoner Dachfondsmanager.

Nach dem Verbot der Leerverkäufe waren die Kurse von Finanzaktien rund um den Globus in die Höhe geschossen. Dank der oft zweistelligen Gewinne der Banktitel erlebte beispielsweise die Londoner Börse am vergangenen Freitag den gewinnträchtigsten Tag ihrer gesamten Geschichte.

Nach Informationen der britischen Zeitung "Sunday Telegraph", wollen einige große Hedge-Fonds das Leerverkaufsverbot nicht akzeptieren. Ein Konsortium bereite bereits eine Klage gegen die britische Finanzaufsicht Financial Services Authority vor. Die Regulierer hätten mit der Untersagung des so genannten Short Sellings ihre Kompetenzen deutlich überschritten.

Das überraschende Verbot von Leerverkäufen für Finanzaktien ist ein weiterer Rückschlag für die ohnehin angeschlagenen Hedge-Fonds. 2008 steuert die Branche auf ihr erstes Verlustjahr seit 2002 zu. Seit Anfang Januar hat der durchschnittliche Hedge-Fonds rund 3,5 Prozent an Wert eingebüßt. Experten erwarten deshalb, dass erstmals seit Jahren die Zahl der spekulativen Fonds sinken wird. Allein in London rechnen Experten 2008 mit rund 700 Hedge-Fonds-Pleiten. Insgesamt verwalten Hedge-Fonds nach dem rasanten Wachstum der vergangenen Jahre weltweit ein Vermögen von 1,8 bis zwei Bill. Dollar.

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