Nachgefragt: Eberhardt Unger
„Raus aus den US-Bonds“

Eberhardt Unger über den Dollar-Aufschwung und die Aussichten für europäische Investoren.

Ist der Dollar-Aufschwung der vergangenen Wochen von dauerhafter Natur?

Nein, mit Sicherheit nicht. Ich erwarte noch im zweiten Quartal 2004 eine Wende zurück zur Euro-Stärke des vergangen Jahres. Wohin sonst soll das Zwillingsdefizit der Vereinigten Staaten führen. Die US-amerikanische Regierung hat ein Haushaltsdefizit von 520 Mrd. US-Dollar zu verantworten. Jeden Tag benötigen der Staat Nettozuflüsse aus dem Ausland in Höhe von 2,5 Mrd. US-Dollar zur Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits. Solch eine Wirtschafts- und Finanzpolitik kann nicht mehr lange aufrecht erhalten werden.

Aber wie erklären Sie dann die momentane Schwäche der europäischen Leitwährung?

Nach einigen positiven Signalen, wie den scheinbar guten US-Arbeitsmarktzahlen, haben viele Investoren wieder im US-Raum investiert. Gerade die Manager von Hedge-Fonds neigen dann zu einem Herdenverhalten und rennen alle in die gleiche Richtung.

Welche Schlüsse sollte europäische Investoren ziehen?

Da gibt es nur eine Lösung. Raus aus den US-Staatsanleihen. Sie bergen ein doppeltes Risiko. Die Gefahr von Wechselkursverlusten ist enorm und vor allem bei längeren Laufzeiten droht ein Kursrisiko. Die japanische Notenbank hortet derzeit Devisenreserven im Wert von 800 Mrd. Dollar, davon über 600 Mrd. USD in Form von US-Treasuries. Mit dieser Interventionspolitik muss bald Schluss sein. Dann aber fehlt den USA der wichtigste Kapitalgeber. Um weiteres Geld einzusammeln, steigt im nächsten Schritt die Rendite. Doch daraufhin geht es mit den Kursen abwärts.

Das heißt die Investoren sollten schon jetzt in kürzere Laufzeiten umschichten?

Ja. Sie sollten Euro-Staatsanleihen mit höchsten drei bis vier Jahren Restlaufzeit kaufen.

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