Nachgefragt: Pascal Seppelfricke
"Transparent, geradlinig und günstig"

Pascal Seppelfricke ist Derivateexperte von Rhein Asset Management in Düsseldorf. Im Interview erklärt er, wie ein Anleger merkt, ob sich hinter einem Zertifikat ein Performanceindex oder nur der Kursindex verbirgt.

Handelsblatt: Die Auswahl an Derivaten ist nirgendwo so groß wie in Deutschland. Zwischen mehr als 60 000 Papieren können Anleger wählen. Das Indexzertifikat ist dabei eine der bekanntesten und beliebtesten Zertifikatekonstruktionen. Welche Vorteile bietet dieses Produkt?

Pascal Seppelfricke: Ein Indexzertifikat ist ein sehr transparentes und geradliniges Produkt. Das Indexzertifikat bewegt sich eins zu eins mit dem Index. Steigt der Dax um fünf Prozent, gewinnt auch ein Dax-Indexzertifikat fünf Prozent an Wert. Zudem sind Indexzertifikate die kostengünstigste Variante, um einen Aktienmarkt abzudecken.

Ähnliches gilt für die börsengehandelten Indexfonds (ETF). Für welchen Anlegertyp ist das Zertifikat die bessere Variante?

Diese Frage kann man nicht generell beantworten. In der Praxis zeigt sich, dass institutionelle Investoren ETFs bevorzugen, während Privatanleger Indexzertifikate favorisieren.

Mit dem Eintritt der Deutschen Bank in das ETF-Geschäft sind die Gebühren drastisch bis auf 0,15 Prozent gefallen. Sind Indexzertifikate überhaupt noch billiger, schließlich umgehen ETF-Käufer auch das Emittentenrisiko?

In der Tat sind die Gebühren bei ETFs deutlich gesunken. Trotzdem sind Indexzertifikate nach wie vor die kostengünstigere Variante. Bei ihnen gibt es in der Regel keinerlei interne Gebühren. Ein weiterer Punkt ist der Spread (Differenz) zwischen Geld- und Briefkursen beim Handel der Produkte. Während bei ETFs normalerweise immer ein Spread beim Handel besteht, bieten große Emittenten wie zum Beispiel die Deutsche Bank den Handel von Indexzertifikaten ohne Geld- und Briefspanne an.

Welche steuerlichen Unterschiede gibt es zwischen beiden Produktarten?

Der wesentliche Unterschied ist die Besteuerung der Dividenden-ausschüttungen. ETFs schütten in der Regel die Indexdividende aus, welche dann für den Anleger voll steuerpflichtig ist. Ein Indexzertifikat auf einen Performanceindex hingegen reinvestiert die Dividende, so dass keine steuerpflichtige Ausschüttung entsteht. Stattdessen erhält der Investor die Dividende quasi als Kursgewinn. Kursgewinne sind bei beiden Produktarten steuerlich identisch zu bewerten. Nach Ablauf der Spekulationsfrist von zwölf Monaten sind Kursgewinne steuerfrei.

Wie merkt der Anleger, ob sich hinter dem Zertifikat ein Performanceindex oder nur der Kursindex verbirgt?

In den Emissionsbedingungen des Emittenten muss klar und unmissverständlich gesagt sein, ob sich das Zertifikat auf einen Kursindex oder einen Performanceindex bezieht.

Die Fragen stellte Marcus Pfeil.

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